Herbert Hoffmann ist tot. Am 30. Juni verstarb die Tätowierlegende Herbert Hoffmann in seiner Wahlheimat, dem schweizerischen Appenzell.
Mit Herbert Hoffmann starb nicht nur einer der bekanntesten Tätowierer Deutschlands, sondern auch ein Zeitzeuge deutscher und europäischer Tätowiergeschichte. 1919 in Berlin geboren, interessierte er sich schon als Kind für tätowierte Menschen. Doch wie in vielen anderen Bereichen auch, zerstörte der Nationalsozialismus gewachsene Kulturen: Tätowierte galten im Dritten Reich als Volksschädlinge. Als Herbert Hoffmann 1949 nach vier Jahren Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurückkehrte, waren die tätowierten Menschen seiner Kindheit aus dem öffentlichen Leben beinahe verschwunden.
Nach einigen Jahren als Handlungsreisender übernahm er 1961 zusammen mit seinem Lebensgefährten Jack Anker die "Älteste Tätowierstube Deutschlands" auf St. Pauli in Hamburg. Mitte der Achtzigerjahre beschloss Hoffmann, in Pension zu gehen. Ohne Wehmut ließ er das wilde St. Pauli hinter sich und zog in die Schweiz, wo er in einem kleinen geerbten Haus lebte.
Doch auch in der Schweiz ruhte er nicht. Neben einer 350-seitigen Familienchronik veröffentlichte er unter anderem den Fotoband "Bilderbuch-Menschen. Tätowierte Passionen 1878-1952". Er wirkte in der wunderbaren Dokumentation "Flammend Herz" mit, reiste von Convention zu Convention. Bis zuletzt brachte er noch Farbe unter die Haut. Zuletzt 2009 in St. Gallen beim Ankertag.
Lead begegnete Herbert Hoffmann auf unzähligen Conventions und ließ sich nach Herberts Vorbild einige seemännische Tätowierungen stechen. Er wird Herbert Hoffmann sehr vermissen. Wenn es ihm auch beruhigt, dass nun in Zukunft der ein oder andere Engel ziemlich bunt werden wird.
Bücher von und mit Herbert Hoffmann:
Flammend Herz
Herbert Hoffmann - Traditionelle Tattoo-Motive
Herbert Hoffmann: Motivtafeln. Hamburger Tätowierungen von 1950 bis 1965 ~
Oliver Ruts