Angeblich haben die Wiener nicht nur einen großartigen "Schmäh", sprich: Humor, sondern auch ein "goldenes Herz". Zumindest laut eigener Aussage und laut der bunten Werbebotschaft der Touristinfo. In Wien selbst beschränken sich die Kostproben heimischen Humors für nicht Ein- geweihte dagegen zuweilen auf ein liebevoll ge- meintes "Hearst, Deppata, schleich di!"
Lassen wir das einfach mal im Raum stehen.
Sicher humorvoller und herzlicher ging es bei der Wiener Tattoo Convention zu, die vom dritten bis vierten November im Arcotel Wimberger stattfand. Die Convention fand heuer schon zum vierten mal mit überarbeitetem, internationalerem Konzept im edlen Ambiente des Nobelhotels statt.
Dass das Konzept funktioniert beweisen die Besuchermassen, die an beiden Tagen durch die Hotelhallen strömten. Das Programm unterschied sich nicht wesentlich von den Jahren davor: Luci Fire bot eine Freakshow mit Feuerkram, Suspen- sionen und Ehemann "Painproof Tusk" dar, dazu gab es diverse Contests und eine witzige Modenschau von "Drunken Sailor" (der Klamottenmarke von Monika und Chris von "Happy Needles"). Der fast allgegenwärtige Ski King moderierte und gab einige seiner Songs zum Besten. Obwohl er mittlerweile für viele Conventions gebucht wird, ist sein Programm doch sehenswert (über ihn werdet ihr im Tattoo Guide demnächst mehr lesen können). Doch das Wichtigste zuletzt: die Tätowierer und Tätowiererinnen.

Die Veranstalter bewiesen wieder einmal ein gutes Händchen für ihre Auswahl. Neben den bekannteren Tattoo-Artists und be- kannten Stars, wie Waldemar und Osa Wahn, Sean Vasquez, Calif, Klaus Fuhrmann, Bernie Luther (die letzten beiden meines Wissens nach nur als Besucher) aus Östereich selbst, bürgten einige internationale Namen für die Qualität: Horitatsu aus Japan, Chrille aus Schweden, Bret Zarro aus den USA und die quietschbunte Tschiggy aus Germany (bekannt aus der D-Max-Dokusoap "Eine Familie sticht zu"). Wie immer räumte Dana, vom "House of Tattoo", kräftig bei den Pokalen ab. Es gab jedoch außer- dem einige weitere ausgezeichnete Tattoos zu entdecken, wie etwa die von Erwin vom Klagen- furter "Spirit of Condor" und die black and grey-Arbeiten von Gerhard ("Art Factory").
Eigentlich eine rundherum gelungene Convention wären da nicht die Besuchermassen gewesen. Die Gänge waren zum Teil kaum passierbar. Leider mußte man sich zu den Balkonen und den Tätowierern im ersten Stock regelrecht durchkämpfen, die stickige Luft hatte dies leider auch nicht verbessert. Schön wäre auch einmal wieder ein anderes Begleitprogramm. Die Convention in Gleisdorf war dafür ein gelungenes Beispiel.
Text/Fotos: Igor Eberhard