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Ganz ohne Berührungsängste... Die Verlorenen Jungs im Interview

 

Tattoo von Dom Wer hat Euch musikalische beeinflusst? Gibt es Musiker mit denen ihr gerne zusammen- spielen würdet? Oder die ihr gerne noch in euer Band hättet?

S: Mich persönlich beeinflussen ständig neue und alte Bands ... je nachdem in welcher Stimmung ich gerade bin. Die Ambition selber Musik zu machen kam damals durch Nirvana. "Smells like teen spirit" hat auch mich in jungen Jahren gefangen und so habe ich meine liebe zur Gitarrenmusik entdeckt ... sicherlich sehr Klischee mäßig, aber ich denke, da bin ich nicht der Einzige meiner Generation. Ansonsten höre ich mir jetzt gerade die neue Leistungsgruppe Maulich an, die ich mir eben gekauft habe. Bei mir dreht sich eine ganze Menge auf dem Plattenteller. Metal, Deutschpunk, HC, Oi!, Indie etc. Gleich leg’ ich die neue Cure-Single auf. Könnte mich auch niemals in eine Richtung festfahren, wofür auch? Bei meinen Bandkollegen ist das nicht anders, wenn ich raten würde, hört in diesem Moment Stefan Agnostic Front, Dom Rancid, und Torsten S.O. A. D. Mit den genannten Bands würden wir sicherlich auch sehr gerne mal zusammen spielen und noch mit vielen mehr. Andere Musiker in der Band? Wollen wir nicht ...

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben? Wie hat sich eure Musik entwickelt? Von was handeln eure Songs?

S: Ich würde einfach den Oberbegriff Punkrock in Erwägung ziehen. Es gibt mittlerweile so viele Beschreibungen, dass ich selbst schon mindestens zehn auf unsere band beziehen könnte. Entwickelt haben wir uns ganz ordentlich ... Von drei auf vier Akkorde ... Nee, mal im Ernst, ich denke musikalisch haben wir echt einen ganz großen Schritt gemacht, wenn man sich jetzt die ersten platten so anhört. Die Songs handeln vom Leben und allem was so dazu gehört. Einfach mal googeln, wenn’s interessiert ...

Ihr habt als Skinhead-Combo angefangen. Wo steht ihr heute? Wer ist euer Publikum?

S: Eine lupenreine Skinhead-Combo waren wir nie. Die ersten Jahre waren schon sehr skinheadlastig, da hast du schon recht. Gerade durch die alten Texte und unseren damaligen Sänger haben wir uns eine große Skinheadgemeinde in unseren Hörerkreis gespielt. Ich persönlich war seit meinem 13tem Lebensjahr Skinhead ... bin quasi working-class gewesen, bevor ich überhaupt working-class war. Dadurch bin ich auch den einfachen Arbeiterweg gegangen, da ich mich mit Schule, Abitur und anschließendem Studium überhaupt nicht anfreunden wollte, und als "Skinhead" natürlich auch nicht konnte ... Im nachhinein ein Fehler, aber wie will man auch mit 16 ,nach dem Schulabgang schon seinen weiteren Lebensweg planen? Da triffst du Entscheidungen in einem Alter voller Rebellionen, die dein ganzes Leben lenken werden. Tja, so war das eben ... Also in dem Sinne nach wie vor noch working-class. Ich könnte mir durchaus schöneres vorstellen als in Fabriken zu arbeiten. Ansonsten habe ich aber überhaupt kein Problem mit meiner Skinheadzeit. Da sind tolle Erinnerungen, die ich nicht missen möchte und die ich sicherlich sonst so nicht erlebt hätte. Ich habe nach wie vor Skinheadfreunde, aber für mich persönlich ist der "Kult" nicht mehr wichtig. Ich denke, ich bin da herausgewachsen, habe andere Probleme und mir gibt das gar nichts mehr. Das hat sich so in der ganzen Band entwickelt. Dom zum Beispiel hatte damit noch nie etwas zu tun. Dennoch freuen wir uns sehr darüber, dass immer noch so viele Skins auf unseren Konzerten sind, uns weiterhin unterstützen, auch wenn wir uns ganz schön verändert haben ... Dennoch besteht unser Publikum aus Leuten aller Subkulturen. Bei uns ist jeder willkommen, der jeden willkommen heißt.

Viele verbinden mit dem "Skinhead Way of Life" immer noch Nazi-Spacken und Gewalt ... Müsst ihr euch immer noch rechtfertigen, weil ihr als Skinheads angefangen habt?

Dieses Problem sind wir eigentlich los. Gerade in den letzten drei Monaten haben sich Türen geöffnet, was für uns vorher undenkbar gewesen wäre. Rechtfertigen tun wir uns sowieso nicht. Entweder man lebt mit uns oder lässt es einfach bleiben.

Wie steht ihr zur heutigen Skinhead-Subkultur?

S: Die heutige Szene hat sich sehr weit geöffnet. Das sah zu meiner Anfangszeit noch ganz anders aus. Damals musstest du erstmal Anschluss finden und als Jungspund warst du für die "Alten" eh nur ein kleiner Pisser. Kann mich noch erinnern, wie ich mir den Kopf zerbrochen habe, wenn es mal blöde Sprüche gab ... Ich war da aber auch nicht anders mit den Jahren und habe genau so über den "Nachwuchs" gelacht. Jeder wurde erstmal nicht akzeptiert! Und man hatte selbstverständlich auch nur Skins als Freunde ... Heute ist das anders. Ich sehe viele Jungglatzen, die völlig offen mit Punx, HC-Kids oder auch Normalos feiern. Sicher, eine feine Sache, die aber auf der anderen Seite auch den Outlawfaktor verwischt hat. Ich denke, heute kannst du fast Niemanden mehr mit einem Skindasein schocken. Die Zeiten sind vorbei. Auch ein Grund warum für mich der Reiz daran verloren gegangen ist.


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