
23.03.08 Berlin, später Vormittag: es schneit, es ist kalt und ich bin saumüde. Mit anderen Worten, genau der richtige Zeitpunkt in die Limo zu steigen und gen Hamburg zur Tattoo Convention zu fahren.
Und wie richtig diese Entscheidung war, zeigte sich mit jedem Kilometer: die Sonne, dieses seit Monaten verschollen geglaubte Gestirn, tauchte plötzlich am Himmel auf und in Hamburg dann tatsächlich: strahlender Sonnenschein.
Zum 11. Mal veranstaltete Frank von Endless Pain die internationale Tattoo Convention an diesem Osterwochenende mit 150 Tätowierern und Künstlern aus aller Welt, die alle zwei Jahre in der Markthalle am Hauptbahnhof stattfindet.

Die Markthalle ist dankenswerterweise für Zugereiste gut zu finden, doch es mangelt an Parkplätzen, um so größer war die Freude für mich, genau vor dem Eingang einen Parkplatz zu finden. Genauso groß war die Überraschung, wie lang die Schlange der Besucher sich über die Treppe ins Gebäude wand. Dies sei noch gar nichts, meinte Marcus Ewers, der schwer übermüdet auch in der Schlange wartete. Am Vortag haben sich die Besucher noch auf der Straße in langen Reihen die Beinen in den Bauch gestanden.
Um es gleich vorweg zu nehmen, die Convention war prima aber viel, viel zu voll.
Das Konzept von Endless Pain ging also auf. Neben den Tätowierern bot die Hamburger Convention vor allem auch etwas für die Ohren, wie es sich für eine Musikstadt wie Hamburg gehört. In der zentralen Halle spielten Lee Rocker (ex Stray Cats), Built4Speed, Ben Hamilton, V8 Wankers, Jamie Clarke’s Perfect, Poolstar, Boozed, Peter Pan Speed Rock, Bettie Ford und Alexander Denckert.
Die (mittlerweile übliche) Art Fusion war dieses Jahr in einem eigenen Bereich und umfasste drei Ausstellungen: Tattoo Alien aus Holland zeigten ihre surrealistischen Kunstwerke, das mobile Tätowiermuseum Alexander Boykos (dem Maskenbildner des Films Tattoo) stellte aus und Astrid aus Frankfurt zeigte Ihr Tattoo Tarot Karten Projekt.
Was das Was das
Line up der Tattoo-Artisten (www.endless-pain.com) anging, tummelten sich neben den üblichen Verdächtigen auch zwei Studios aus China: Mummy Tattoo und Mei Zi von Spring Tattoo, die so klein und zierlich wirkt, dass man sich unwillkürlich fragte, ob so junge Menschen eigentlich tätowieren dürfen? Und warum finden es Europäer schick, sich chinesischen Schriftzeichen auf den Nacken tätowieren zu lassen?

Eigentlich wollte ich ja auch noch einige Interview und Fototermine auf der Convention machen, aber - ich erwähnte es schon eingangs - es war einfach schlichtweg zu voll. Neben den langen Schlangen am Eingang bildeten sich auch in der Markhalle permanent Staus. Das Gebäude zeichnet sich ja eh durch eine gewisse Kleinteiligkeit aus, aber dieses Mal war es besonders eng. Schon kurz nach der Eröffnung war der Sauerstoff in den Räumen ein sehr begehrtes Gut.
So blieb ich also weniger lang als geplant und ließ Marcus alleine, damit er noch ein paar Bilder für uns machen konnte. Auf der Straße in der Sonne fiel mir dann mal wieder auf: Hamburg ist doch eine Stadt der Schickeria, so viele original Ford Mustangs wie in der Umgebung der Convention habe ich noch nie gesehen.
Nun ja, Hamburg war also eine Reise wert. Die Richtung, die Frank von Endless Pain mit dem eventträchtigen Rahmenprogramm nimmt, ebenso wie das zweijährliche Format, kommt beim Publikum sehr gut an, nur sollte er die Location überdenken - die Markthalle ist der Veranstaltung nicht gewachsen.
Text: Lead
Fotos: Markus Ewers