Trotz hoher Häufigkeit von guten und großen Conventions, auf denen auch hervorragende Tätowierer arbeiten, stellen diese ihre Arbeiten bei Wettbewerben nicht vor. Ist ein Wettbewerb wenig attraktiv für diejenigen, die sich bereits einen Namen erarbeitet haben? Wie könnte man sie dazu animieren?
Das hängt vor allem von Kunden ab. Nicht alle wollen oder können an einem Wettbewerb teilnehmen. Ich persönlich konzentriere mich nicht besonders auf Wettbewerbe, auch wenn es nett ist, ausgezeichnet zu werden.
Du wirkst leise und reserviert gegenüber Menschen, die du nicht kennst. Gleichzeitig wollen viele deiner Fans dich kennen lernen, mit dir sprechen, bei dir Tipps einholen... Wie gehst du damit um?
Ich glaube nicht, dass ich leise oder distanziert bin, aber vielleicht bin wirklich nicht besonders offen gegenüber Menschen, die ich zum ersten Mal sehe. Aber auch das hängt von der Person ab. Manchmal ist es schwer, sofort Kontakt mit jemandem zu knüpfen. Oft erwarten die Menschen, dass ich ihnen einen ganz besonderen Hinweis geben kann, obwohl ich selbst keine Geheimtipps über Tätowieren weiß.
Auf den Conventions sieht man dich oft zusammen mit Bob Tyrell, Tribulation Tattoo, Benjamin Moss, Paul Booth... Was verbindet euch mehr? Ähnlicher Tattoostil oder gleicher Musikgeschmack? Pflegt ihr die Freundschaft auch außerhalb der Conventions?
Aber selbstverständlich! Außer der Arbeit und Conventions sind wir Freunde!
Kontakte zu polnischen Tätowierer unterhältst du, wenn diese nach Madrid kommen. Welche Nachrichten über die polnische Szene bringen sie dir mit? Wie siehst du und beurteilst du aus der Perspektive von 3000 Kilometern und der seltenen Besuche die polnische Tattooszene?
Die polnische Szene ist recht jung, aber sie entwickelte sich sehr schnell. Wenn ich die polnischen Zeitschriften durchblättere - nur rasanter Fortschritt! Ich glaube, es gibt zurzeit in Polen mehr interessantere Tätowierer als z.B. in Spanien oder Italien.
Und was gibt es Neues von KISS? Sind sie nach wie vor deine Lieblingsband?

Was gibt es bei KISS? In der letzten Zeit habe ich ein wenig die Orientierung verloren; nach den vielen Wechsel in der Besetzung und den vielen nicht zu Ende gehen wollenden Abschiedstouren. Aktuell erinnert KISS an eine typische Coverband und nicht an die Gruppe, die eine Art Rocktsunami in den 70ern auslöste. Ich verfolge die Bandentwicklung seit mehreren Jahren nicht mehr. Die Magie von KISS ist unterwegs verflogen, obwohl die Band immer noch zu meinen Lieblingsbands gehört. Ich mochte KISS der 70er Jahre. Als Kind und Teenager war ich verrückt nach ihnen; ich sammelte alles, was mit der Band zu tun hatte. Außer der Musik waren sie auch visuell nicht zu schlagen. Der gesamte Konzept und die Art, wie sie ihr Image kreiert haben, waren außer- gewöhnlich. Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit Ace Frehley life zu sehen. Zusammen mit meinem Bruder bin ich zum Konzert nach London gefahren. Unbeschreiblich!
Du bist der am sehnlichsten erwartete Tätowierer in Polen. Zur Illustration dessen genügt es nur einen Aprilscherz eines polnischen Tattoostudios zu erwähnen, das dein Kommen für einen Guest Spot ankündigte und binnen weniger Stunden den Terminkalender mit fast zwanzig Kunden füllte. Wann wirst du auf eine Convention oder für einen Guest Spot nach Polen kommen?
Schon seit langem wollte ich nach Krakau auf die dortige Convention, aber mangels Zeit gelang es mir nie. Ich hoffe, es gelingt mir in diesem Jahr auf die Convention in Warschau zu kommen.
Und jetzt noch ein paar lockerere Fragen.
Was magst du am meisten an deiner Arbeit?
Ein großer Vorteil meiner Arbeit ist das Gefühl von Freiheit. Ich bin mein eigener Chef und ich entscheide selbst, was ich mache. Die häufigen Reisen, Möglichkeit, neue Menschen kennen zu lernen und selbstverständlich, der künstlerische Aspekt der Arbeit.
Was magst du daran nicht?
Diese Arbeit basiert auf Kontakt mit Menschen, und wie man weiß, Menschen sind unterschiedlich. In Spanien ist es schwer wegen der ständigen Kontrollen und administrativen Anforderungen ein Studio zu führen. Außerdem, nach 16 Jahren des Tätowierens, spüre ich Beschwerden an der Wirbelsäule und Leber.
Welche menschlichen Eigenschaften irritieren dich am meisten?
Unentschlossenheit, mangelnde Geduld und manchmal die Geschwätzigkeit.
Was motiviert dich, deine Arbeit zu machen?
Ich möchte mich stets entwickeln. Ich glaube, ich werde solange tätowieren solange es mir Spaß macht. Dank meiner Arbeit können immer mehr Menschen sehen, was ich mache. Dadurch entstehen auch Kontakte, die mir in der Zukunft ermöglichen werden, meine künstlerische Betätigung zu erweitern.
Mit wem lässt sich am besten feiern? – Ich wette mit Bob Tyrell.
Stimmt! Bob Tyrell ist typischer Vertreter der Art "party animalus". Wir haben zusammen einige Partys hinter uns, wofür ihn meine Leber mit Sicherheit nicht gern hat. Ich erinnere mich, wie wir vor einigen Jahren nach der Convention in Detroit in einer Karaokebar am Straßenrand landeten, wo wir zusammen mit Bob Tyrell und Jordin die Bohemian Rapsody von Qeen bis vier Uhr morgens gesungen haben. Im Übrigen hat es im Laufe der 16 Jahre schon einige Partys gegeben. Im vergangenen Jahr im Tokyo hatte ich zum dritten Mal die Gelegenheit mit den Jungs von Backyard Babies zu feiern, die nicht nur gut feiern, sondern auch einiges vertragen können.
Wie haben sich Deine Ziele in Bezug auf Beruf in den letzten Jahren verändert?
Das Tätowieren ist eine Technik, die dich in gewisser Weise einschränkt. Immer häufiger interessiere ich mich für die Rückkehr zur Zeichnung und Malerei und möchte etwas machen ohne Formateinschränkung. In der nächsten Zukunft würde ich mir wünschen, mehr Freiheit diesbezüglich zu haben oder ein Mittelweg zu finden, um das Tätowieren und Malerei zu verbinden.
Und wie erholst du dich?
Zu Hause oder auf Reisen. Zwischen den Conventions habe ich immer ein paar Tage frei, so dass ich sie zu meinen Ferien zählen kann. Ich bin kein Typ, der gerne am Strand liegt oder in die Berge reist. Ich mag lieber Städte und hoffe, dass es mir dieses Jahr gelingt, mindestens für zwei Wochen zu verschwinden.
Das Interview erschien im April 2009 im TattooFest
Übersetzung: agata
Fotos: Robert Hernandez
www.rhernandeztattoos.com
www.myspace.com/roberthernandeztattoos
www.tattoofest.pl