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Robert Hernandez

 

Robert Hernandez sieht in die Ferne

Robert Hernandez ist Meister seines Fachs. Dies ist eine unumstößliche Tatsache für all diejenigen, die eine Ahnung vom Tätowieren haben. Uns freut es, dass er aus Polen stammt, obschon, wenn man sich über ihn mit anderen ausländischen Künstlern unterhält, er eher nicht mit unserem Land in Verbindung gebracht wird. Kein Wunder, seit so vielen Jahren lebt er doch im Ausland! Wie auch immer, er ist Unser Tätowierer, der einen ernormen Einfluss auf die Entwicklung der Tattookunst ausübte, eine unzählige Menge an Fans seiner Kunst weltweit hat und von allen Kennern der Tattookunst hoch angesehen wird, auch dann, wenn sie nicht zu seinen Fans gehören. Seit Jahren bemühen wir uns darum, dass er auch nach Polen wieder kommt... Ob das vielleicht dieses Jahr klappt?

Wie viele Jahre sind vergangen seitdem du angefangen hast zu tätowieren?

In diesem Jahr werden es 16.

Als du begonnen hast, in Madrid in einem Studio zu tätowieren, bildete sich die spanische Tattooszene gerade mal aus. Welchen Einfluss hattest du auf sie? Wie sahen die Anfänge aus? Kann man dich als einen ihrer Gründungsväter betrachten?

Als ich begann, existierten dort sechs Tattoostudios. Ehrlich gesagt, es war schwer, einen eigenständigen Stil zu erkennen. Wir sprechen hier von dem Anfang der 90er Jahre. Zu der Zeit haben sich die meisten Tätowierer auf die Flashmotive konzentriert. Gewiss hin und wieder bemühte sich ein Teil der Kunden, eigene Ideen und Skizzen zu bringen... Ich glaube, ich hatte von Anfang an ein wenig Glück gehabt, weil ich eigene Flashes entworfen habe, die sich zugleich großen Anklangs erfreuten. Von Anfang an waren wir eine Truppe, die etwas spontaner ans Tätowieren heranging als die anderen. Kann man mich als einen der Schöpfer des Madrider Tattoosstils sehen? Vermutlich ja.

Es vergingen acht Jahre bevor du ein eigenes Studio hast eröffnen können. Warum hat es so lange gedauert? Und hatte die Eröffnung des Studios Einfluss auf deine Arbeit?

Nein, es hatte keinen Einfluss. Ich machte nach wie vor das, was ich vor ein paar Jahren begonnen hatte. Ich habe mein eigenes Studio so spät eröffnet, weil ich mich ehrlich gesagt sehr wohl in Mao gefühlt habe. Ich habe nette Erinnerungen an diese Zeit. Es war eine sehr inspirierende Ära, voll von wunderbaren Augenblicken. Von Anfang an waren wir ein sehr gut eingespieltes Team. Wir haben gut miteinander gearbeitet. Im Studio gingen viele wunderbare Menschen, mit denen ich noch heute Kontakt habe, ein und aus. Eigentlich wollte ich Ende 90er Jahre mein eigenes Studio aufmachen, aber irgendwie fehlte mir immer an Zeit und Konzentration, um alles richtig zu sortieren.

Musstest du dich mit deinem dämonisch-realistischen Stil durchsetzen oder hattest du auf Anhieb Liebhaber deines Stils gefunden? Gab es Augenblicke des Zweifelns?

Nein! Praktisch gesehen nicht! Von Anfang an machte ich eigene Sachen, auch die der düstersten Prägung. Wie eben bereits gesagt, ich hatte viele Kunden, denen mein Stil entsprach.

Robert Hernandez bereitet sich auf das Tätowieren vorNeulich haben wir ein Interview mit Bartek Konwinski gemacht, der das letzte Jahr in Spanien verbrachte und dabei den Eindruck gewann, dass die dortige Szene stagniert und alles, was kein Old School ist, sich nicht durchsetzten kann. Siehst du Veränderungen in deinem Umfeld? Hast du mehr Kunden in Spanien oder doch im Ausland?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, wie es um die spanische Szene im Augenblick steht. Studios schießen wie Pilze nach’m Regen. Es gibt im Moment rund 200 registrierte Studios allein in Madrid und, wie ihr euch wohl denken könnt, 98% davon sind für mich tabula rasa. In der letzten Zeit sieht man viele Oldschool-Tätowierungen. Was die Kunden angeht, die meisten kommen aus Spanien, obschon ich auch Kunden aus verschiedenen Teilen Europas und der Welt habe.

Deinen Äußerungen haben wir entnommen – bitte korrigiere uns, falls nötig – dass du Tätowieren als Arbeit betrachtest und die Leidenschaft, die du seit deiner Kindheit kultivierst, gilt dem Zeichnen und Malen.

Ich glaube ich gehe ans Tätowieren mit gleicher Leidenschaft wie ans Zeichen und Malen. Der Unterschied besteht darin, dass Tätowieren nimmt jetzt mehr Zeit in Anspruch, obwohl ich mich bemühe, so oft es nur geht, zu zeichnen und zu malen. In letzter Zeit kehrte ich zur Acrylmalerei zurück. Ich sehnte mich nach den Farben. Ich möchte gern eine Balance zwischen Tätowieren und Malen erreichen.

In deinen Arbeiten gibt es vor allem Schwarz, Weiß und Grautöne. In letzten Jahren erleben wir aber einen Boom auf farbige Tätowierungen. Wirst du bei deiner Art bleiben oder werden wir mehr farbige Arbeiten von dir zu sehen bekommen?

Wie du weißt, die meisten Arbeiten von mir sind schwarz-weiß. Aber wenn du einen Blick auf meine Homepage oder Myspace-Profil wirfst, wirst du viele farbigen Tattoos sehen können. Alles hängt von dem Motiv, von der Idee und selbstverständlich auch von den Wünschen des Kunden ab. Aber persönlich ziehe ich es vor, schwarz- weiß zu tätowieren.

Selten tätowierst du große Körperflächen und beginnst große Projekte. Womit hängt das zusammen? Wie kommt es, dass für deine Motive eine, max. zwei Sitzungen nötig sind?

Ganz einfach, nur wenige schlagen mir vor z.B. den ganzen Rücken zu machen. Seitdem ich tätowiere, habe ich höchsten zehn Tätowierungen gemacht, die entweder den ganzen Rücken oder Bauch einnahmen. Die meisten Kunden ziehen kleine Tattoos vor. Kleinere Tattoos bedeuten eine oder zwei Sitzungen.

Wie verabredet man sich mit dir? Mit welchem Vorlauf muss man es machen? Und wie viel kostet eine Tagessitzung? Magst du lieber, wenn dir der Kunde freie Hand lässt oder arbeitest du lieber an einem vom Kunden vorgegebenem Thema?

Die meisten verabreden sich mit mir per Telefon. Einige kontaktieren mich via Internet. Alle zwei Monate stelle ich eine Kundenliste zusammen und die Kosten hängen von dem jeweiligen Tattoo ab. Die Kunden zahlen nicht pro Stunde, sondern pro Motiv oder Sitzung. Eindeutig mag ich es lieber, wenn der Kunde mir freie Hand gibt, denn die von den Kunden vorgegebenen Themen liegen mir nicht immer.

Welche Veränderungen haben sich in den vergangenen Jahren bei den Conventions vollzogen? Nach welchen Kriterien suchst du die Conventions aus, die du in der nächsten Zeit besuchen möchtest?

Ich denke, in den letzten Jahren werden die Conventions mit immer größerem Schwung organisiert. Ich denke da vor allem an die jenseits des Ozeans, obwohl das immer auch von den Gastgebern abhängt. Sie erinnern zunehmend an Tattoomessen, denn außer den Tätowierern selbst stehen einem alle Neuerungen auf dem Markt zur Verfügung. Ich denke da vor allem an die Maschinen, die noch vor zehn, zwölf Jahren nicht so ausdifferenziert und so leicht erschwinglich waren. Ich suche die Conventions aus, auf denen ich früher gewesen bin und wo ich mich wohl gefühlt habe, obwohl es immer nett ist, auch neue Orte kennen zu lernen. In diesem Jahr werde ich zum ersten Mal nach Oslo, Reno, Mazedonien und vielleicht auch nach Toronto fahren...


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