Und was ist das Beste an deiner Arbeit?
Jeder neuer Arbeitstag. Die Kreativität und der Kontakt mit Menschen. Ohne das, würde ich das, was ich tue, nicht machen. Es ist eine harte Arbeit, aber ich bin auch Workaholic und arbeite sieben Tage die Woche.
Was denkst du über den heutigen Stand der Tätowierkunst?
Das Tätowieren wurde so sehr populär, dass die Branche die Geschäftsmänner und nicht die Künstler beherrschen, was sich auch in einem niedrigen künstlerischen Niveau der Arbeiten weltweit zeigt. Die meisten Studios kopieren nur Muster. Auf eine Million derer, die tätowieren, fällt nur ein kleiner Prozentsatz derer, die etwas Besonderes machen. Der Rest sind nur Kopiermaschinen. Das ist meine Meinung.
Wie würdest du den Zustand der Tattookunst in deinem Land beschreiben?
Die Lage in Polen und dem ehemaligen Ostblock ist, meiner Meinung nach, etwas besser als in Westeuropa. Das Streben nach einer „besseren Welt“ verursacht, dass die Menschen auch von sich selbst mehr verlangen. In Westeuropa verdient auch ein Durchschnittsmensch ohne große Mühen genug für ein gutes Leben. Bei uns muss man sich viel mehr bemühen, um auf dem gleichen Niveau wie Durchschnitt in Europa leben zu können. Ich will es nicht behaupten, dass es schlecht ist. Im Gegenteil, denn es hebt das Niveau unserer Arbeiten. Ganz einfach: ein hungriger Künstler ist fruchtbarer.
Wie siehst du die Entwicklung der Tattookunst? Was erhoffst du und was befürchtets du?
Ich erwarte keine großen Umbrüche innerhalb der Branche. Seit hundert Jahren hat sich die Technik nicht verändert. Einzig die künstlerische Form ist nicht dieselbe, doch das ist das Ergebnis der neuen Zeiten. Wer weiß, vielleicht in hundert Jahren wird es über Tattookünstler in den Schulen unterrichtet. Auch Michaelangelo oder Rubens machten Auftragswerke und mir scheint es, dass die Tätowierer auch nichts anderes machen. Nur das Material, mit dem wir arbeiten, hat sich verändert.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Ich dachte darüber nach, dass ich in zehn bis fünfzehn Jahren einen Hof mit Fremdenzimmern auf dem Land haben möchte. Ein Ort, wo ich mich der Bildhauerei widmen könnte, aber auf das Kennenlernen neuer Menschen nicht verzichten muss. Durch das Tätowieren habe ich mich an den Umgang mit Menschen gewöhnt und könnte mir meinen "Ruhesitz" ohne Menschen um mich herum nicht vorstellen. Eindeutig, gehöre ich auch zu denen, die von eigener Scholle träumen. Ich glaube, ich würde auch nicht gänzlich auf das tätowieren verzichten können. Vielleicht schränke ich es nur auf zwanzig pro Jahr ein.
Auf welchen Conventions kann man dich dieses Jahr treffen?
Ich weiß es noch nicht. Bis jetzt bin ich nur in Polen aufgetreten. Aber ich würde gern auf andere europäischen Conventions fahren. Vielleicht nach London oder Berlin. Ich würde auch gerne nach Rom fahren. Und bis dahin grüße ich alle aufs herzlichste und freue mich über einen Besuch in Polen.
Interview: Justyna @thetattoo.pl
Übersetzung: agata
Fotos: Prykas
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