4. Dein Stil ist sehr speziell. Kannst du vielleicht ein bisschen was dazu sagen bzw. zur Entwicklung deines Stiles?
Alles was ich mache, ob Musik, Videos drehen oder Tätowieren basiert auf dem Prinzip der Verbindungen bzw. des Zusammenfügens. Wenn ich zeichne, versuche ich verschiedene Dinge, welche sich gegensätzlich verhalten, zu verbinden. Ich hasse die Vorstellung, dass es Barrieren zwischen Stilen/Arten geben soll.
In meiner Musik zum Beispiel mixe ich Metal mit Gospel einhergehend mit Breakcore. Ich finde es absolut interessant gegensätzliche Dinge zu vermischen, welche grundsätzlich nichts gemeinsam haben.
Zurück zu Tattoos: Meine Themen sind eigentlich traditionell, aber ich versuch sie mit anderen Einflüssen zum Beispiel Gothic Art, welche ich ziemlich mag, zu vermischen. Geschichtlich gesehen liegt die Gotik periodisch vor der Renaissance. Die Renaissance brachte die Perspektive und die Proportionen mit sich, also die Illusion der Realität. Die Gotische Kunst wiederum versuchte nicht realistisch zu sein. Charaktere oder Personen hatten verschieden Größen, welche auf Wichtigkeit dieser resultierte.
Ich versuche also auch beim zeichnen mit anderen Regeln als Perspektive Raum zu schaffen und Erzählungen zu kreieren, welche nicht realistisch sind. Ich komme oftmals an meine Grenzen, wenn ich versuche, realistische Dinge zu zerstören, zu strukturieren und zu vermischen.
Dies ist ebenfalls der Grund, warum ich Kinderzeichnungen mag, sie geben einen Scheiß auf die Realität. Sie zeichnen und malen aus dem Bauch heraus und nicht aus dem Kopf.
5. Welche Vorbilder hast du? Welcher Tattooartist hat dich und deine Arbeit beeinflusst?
Vorbilder oder Ideale? Nein – auf keinen Fall. Ich finde das ganz ungesund.
Aber beeinflusst haben mich natürlich Leute wie zum Beispiel Yann. Er zeigt auf, dass andere Sachen in der Tattookunst möglich sind als nur das Traditionelle. Sich diese Feiheit beim tätowieren zu nehmen, hat mich schon sehr beeinflusst. Wenn er mir nicht diese Offenheit gezeigt hätte, wäre ich nie Tätowierer geworden. Auch meine Kollegen in der "La Boucherie Moderne" haben einen großen Einfluss auf mich in gewisser Art und Weise, obwohl wir einen komplett verschiedenen Stil haben. Wir konnten immer über Ästhetik, und wichtiger noch, Ethik diskutieren.
Inspiriert bin ich vom Oldshool Stil, aber Künstler wie Tapiés, Basquiat, Rauschenberg oder Hans Memling haben mehr Einfluss auf mich als irgend ein Tätowierer.
6. Erzähle mir von einem besonders skurilen oder lustigen Tattoo-Erlebnis.
Als ich angefangen habe zu tätowieren, war ich noch kein Lehrling in einem Studio. Ich habe also zu Hause tätowiert. Es war damals noch hart jemanden zu finden, den man tätowieren konnte, da ich kaum Erfahrung hatte. Eines Tages fragte mich ausgerechnet meine Mutter nach einer Tätowierung. Ich zeichnete ihr einen Hund mit fünf Beinen und dem Text "ll y a toujours un os", was soviel bedeutet wie "es gibt immer ein Problem". Tatsächlich gab es wirklich ein Problem. Als ich die Zeichnung platzierte und schließlich tätowierte, saß meine Mutter in einer Position, welche ein deformiertes Tattoo zur Folge hatte. Aber sie nahm es ziemlich leicht und hat das Tattoo auch nie ausbessern lassen. Auf jeden Fall ist sie immer noch nicht interessiert an Tattoos und hat heute noch nur das eine von mir.
7. Fährst du auf Conventions?
Ich fahre nicht oft auf Tattoo Conventions. Weil ich einfach noch nicht lange tätowiere und ich bin auch nicht berühmt, also läd mich auch keiner ein. Manchmal fragt mich das Team von "La Boucherie Moderne" ob ich auf die Conventions mitfahren will, wenn sie eingeladen sind. Diesen Juli werde ich aber bei "The Tattoo Art Fest of Paris" mit dabei sein. Das ist leider alles, was ich dir dazu sagen kann.
Ein großes DANKE an Piet du Congo und schaut euch unbedingt die Gallery an! das habt ihr noch nicht gesehen!
Interview: Jule
Photos: Piet du Congo
www.myspace.com/pietducongo
pietducongo@yahoo.fr
www.myspace.com/laboucheriemoderne