Jakub ’Muras’ Murawski - Love and Terror - 06.03.08
Wie lange tätowierst Du schon? Wo und wann hast Du angefangen zu tätowieren?
Professionell tätowiere ich jetzt das fünfte Jahr. Ich fing etwas früher an. Wie jeder kaufte ich von einem bekannten Tätowierer ein alte Maschine und begann, mich selbst und meine Bekannten zu tätowieren. Die Ergebnisse waren nicht ganz so tragisch, denn vorher saß ich ein Jahr lang im Studio bei meinem Kumpel Tomek Demolka und schaute ihm stundenlang auf die Hände während er arbeitete. Aber wenn ich jetzt darauf so schaue, finde ich es doch recht schlecht. Zum Glück für meine damaligen Kunden sind alle diese Tattoos inzwischen entweder verbessert oder gecovert. Alles begann in meiner Geburtsstadt- Bromberg (Bydgoszcz). Danach arbeitete ich in London in Prick Tattoos und dann wieder in Bromberg in Black Dragon. Zum Schluss landete ich in Krakau im Studio Kult.
Warum hast Du angefangen zu tätowieren?
Warum nicht? Ich machte mein erstes Tattoo, freundete mich mit meinem Tätowierer, nach einem Jahr begann ich zu tätowieren, schmiss die Schule und machte mich auf den dornigen Weg der Selbstqualifizierung, denn in Polen konnte man auf die Hilfe von anderen Tätowierern nicht besonders rechnen. Jeder musste den Batzen, den er kann, alleine lernen. Ich werd’s nie bereuen; hab den besten Beruf auf der Welt!
Was ist Dein Stil bzw. welchen Stil bevorzugst Du und warum?
Ich sag’s gleich, es ist nicht mein Stil. Ich mag mich auf dem Terrain der traditionellen amerikanischen Tätowierung mit einem modernen Einwurf bewegen. Es ist nicht mein Stil. Ich werde es nie so nennen. Ich bin kein Neuerer. Ich orientiere mich an der alten guten amerikanischen Schule und füge nur etwas von mir hinzu. Ich fühle mich darin wohl und liebe die alten traditionellen Muster. Und warum? Ganz einfach – bold will hold – jeder traditionell arbeitende Tätowierer lebt nach diesen drei Worten. Mit den Jahren verschwinden die Schattierungen, Biomechanik fällt in sich zusammen - die traditionellen Tattos, sehen vielleicht nicht mehr so aus wie frisch gemacht, aber sie lassen sich später einfacher verbessern und halten Jahre. Starke Kontur und massig schwarz – das ist unser Geheimnis.
Wer ist ein nachahmenswerter Vorbild für Dich?
Vielleicht sollten wir das nicht als Nachahmung bezeichnen, denn sogleich werden die Stimmen laut, das wieder jemand jemanden kopiert – ich verehre die Arbeiten von Uncle Allan, Chriss Dettmer, KesOne, Chad Kopelinger, Derek Noble, Dan Siness... Ich könnte aufzählen und aufzählen. Es gibt so viele wunderbare Tätowierer, derer Arbeiten ich stundenlang hätte betrachten können. Gewiss, sie inspirieren mich, aber ich möchte sie nicht kopieren. Ich schau sie mir an, um mich inspirieren zu lassen, den technischen Tricks auf die Spur zu kommen, zu sehen, wie sie Licht und Schatten anlegen... Danach kann ich auch eigenes schaffen.