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| Dr. Erik Riebe |
Der Zufall ist und bleibt ein wichtiger Faktor für ein interessantes Leben.
Und genau so ein Zufall brachte Lead in Kontakt mit Herrn Dr. Riebe, der als
Arzt an der Klinik und Poliklinik für
Frauenheilkunde und Geburtshilfe Greifswald eine Dissertation mit dem Titel:
Soziale und medizinhistorische Aspekte
der MOULAGEN an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald unter
besonderer Berücksichtigung des Faches Haut- und Geschlechtskrankheiten zu
Papier brachte.
Und bevor die Frage auftaucht, was das denn nun bitte mit Tätowierungen zu
tun hat, bittet Lead ein wenig um Geduld und verspricht, dies wird alles
noch verdammt interessant.
Moulagen sind naturalistische Darstellungen von Krankheiten. Im Prinzip
handelt es sich um colorierte Wachsabformungen von Krankheitserscheinungen der Haut oder Schleimhaut, die in der medizinischen Lehre genutzt wurden. Wer sich für so was interessiert,
dem sei ein Besuch an der örtlichen Uniklinik empfohlen, allerdings ist das
nichts für schwache Nerven.
Heutzutage gelten jedoch Moulagen nicht mehr als Mittel der Lehre, so dass
viele Exponate auf irgendwelchen Dachböden verstauben. Durch diesen
Staub arbeitete sich Dr. Riebe und fand, neben lustigen Exponaten, die die
Folgen der Syphilis oder anderer fieser Krankheiten darstellten auch eine
Anzahl von Kartonschubern mit historischen Bildern von 1925 bis 1935.
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| Trutzburg-Motiv |
Und nun, werte Gemeinde, soll Eure Geduld belohnt werden, den in diesen
Kartons befanden sich nicht nur Aufnahmen, die Akne oder Herpes zeigten,
sondern auch einige hundert historische Aufnahmen von Tätowierungen.
Und nicht nur das, die Aufnahmen waren auf Karton geklebt und
handschriftlich mit Daten zu den Tätowierungen versehen. Hier waren nicht
nur die Namen der tätowierten Patienten handschriftlich vermerkt, sondern
auch, wo und unter welchen Umständen das Tattoo entstanden ist. Mit anderen
Worten es handelt sich um einen tattoohistorischen Schatz!
Und darüber schrieb die Ostseezeitung einen Artikel und den las Lead und
schon saß er in seiner Limo auf dem Weg nach Greifswald, um sich dort mit
Dr. Riebe zu treffen.
Dr. Riebe erklärte, wie die Sammlung zustande kam. Ihr Ursprung liegt in den
zwanziger und dreißiger Jahren. In dieser Zeit sammelte Prof. Walter
Schönfeld, der damalige Ordinarius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Uni-Greifswald, Fotos von Hautkrankheiten und Hautveränderungen.
Der Berührungspunkt zwischen Tätowierungen und der Medizin ist die Gefahr
der Übertragung von Krankheiten beim Vorgang des Tätowierens. Es kam in den
Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts nicht selten vor, dass beim
Tätowieren Krankheiten, wie zum Beispiel die Syphilis, übertragen wurde.
Hygienestandards, wie sie heute in einem ordentlichen Studio die Regel sind,
waren noch unbekannt.