

Metallica im Bildband
Der Fotograf und die wilden Kerle


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Die meisten von uns sind wohl in irgendeiner Form mit der Musik von METALLICA aufgewachsen. Die einen haben sie vergöttert, die anderen haben TAKE THAT! gehört (ich selbst bin eher bei SAMANTHA FOX hängen geblieben, da war wohl der Brutkasten schuld.) METALLICA spielen Metal und Hardrock und wie oft die Band dafür Grammys, Platinalben oder sonstige Auszeichnungen eingeheimst hat, danach kräht kein Hahn. Umstrittener sind die Musiker jedoch, wegen ihres Vorgehens gegen Napster und andere Musiktauschbörsen. Doch darum soll es hier nicht gehen. Der Bildband von Ross Halfin "Metallica" widmet sich vor allem den früheren Jahren dieser Gruppe.
In diesem wunderschönen Bildband hat der britische Starfotograf viele, viele weitgehend farbige Fotografien der Musiker aus den Jahren 1983-1996 versammelt. Für alle METALLICA-Fans ist wahrscheinlich besonders wichtig, dass dies zum Teil noch die Zeit war, als der Bassist Clifford Lee Burton noch lebte. Ihm und seiner Ära ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Halfin begleitete die Band auf vielen Touren, unter anderem auf der "Damaged Justice"-Tour in Japan und der "Wherever We May Roam"-Tour.
Im Buch sind nicht nur zahlreiche, atemberaubende Konzertfotos, sondern auch Bilder aus dem Backstagebereich oder mit Fans abgedruckt. Zusätzlich machte der Fotograf verschiedene Fotoshootings mit den einzelnen Bandmitgliedern, etwa auf einem Gletscher, auf einem Flugzeugträger oder bei einer Spagetti-"Wäsche" (nein, kein Western, Wäsche!) mit den einzelnen Bandmitgliedern. Den vier Metallicas James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted ist im Buch jeweils ein eigenes Kapitel mit Fotografien aus fast fünfzehn Jahren gewidmet.
Ross Halfins METALLICA-Bildband ist gelungen. Die Bilder bestehen aus einer faszinierenden Mischung aus Schnappschüssen und eigenwilligen fotografischen Kompositionen. Jedem Fan kann dieser Band ans Herz gelegt werden, jedoch bei weitem nicht nur diesen.
Igor Eberhard
Bewertung: 9 Punkte

         
Metallica
Fotografien von Ross Halfin
Mit einem Vorwort von Kirk Hammett
Schwarzkopf und Schwarzkopf
Großformat, ca. 280 Seiten, ca. 500 farbige Abbildungen
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de
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Susanna Moore
Lichtjahre oder Ein Mädchen auf Hawaii


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marebuchverlag. Hamburg 2006.
192 Seiten. SBN 978-3-936384-28-4
Susanna Moore ist eine bekannte Schriftstellerin. Ihr bekanntester Roman "In the Cut" (deutsch: "Der Aufschneider") ist ein Pathologen-Thriller, geschrieben mit sprachlicher Eleganz und fundiertem Fachwissen, der weltweit großes Aufsehen erregt hat. Mir persönlich hat er meine Grenzen des Grauens deutlich dargelegt. Ich werde diesen Roman bestimmt nicht mehr vergessen. Dieser Bestseller wurde sogar von Jane Campion mit Meg Ryan und Jennifer Jason Leigh verfilmt.
Berühmt wurde sie jedoch schon früher. Ihre auf Hawai’i spielende Romantrilogie "My Old Sweetheart", "The Whiteness of Bones", "Sleeping Beauties" (auf Deutsch: "Abschied vom Haifischgott", "Die unzuverlässigste Sache der Welt" und "Inselmusik") mit Familiengeschichten ermöglichten ihr als freie Schriftstellerin zu leben.
Susanna Moore hatte ihre Kindheit auf Hawai’i verbracht. Mit 18 Jahren verließ sie die Inselgruppe, um als Model und Schauspielerin zu leben. In ihren Hawai’i-Romanen kehrte sie jedoch immer wieder zu der Welt dieser Inseln zurück und tauchte erneut ein in ihre Kindheit und die hawaianische Kultur und Mythologie ein. In ihrem Memoire "I Myself Have Seen It: The Myth of Hawai’i” beschreibt sie hawaianische Mythen und kulturelle "Landschaften" aus ihrer persönlichen Sicht.
Ihr neues Buch "Lichtjahre oder Ein Mädchen auf Hawaii" erschien zuerst im renommierten marebuchverlag auf Deutsch. Die englische Ausgabe "Light Years: A Girlhood in Hawai'i" kam erst 2007 bei Haus Publishing Limited in den Handel.
In dieser autobiographischen Schrift begibt sich Susanna Moore zurück zu den Orten ihrer Kindheit und schildert ihre erste Begegnung mit dem Meer und der Brandung, den Inseln, der einheimischen Kultur Hawai’is und dem anderem Geschlecht.
"In meiner Erinnerung gibt es kein Bild von meiner ersten Begegnung mit dem Meer. Es war immer da, und ich war eins mit ihm", schreibt sie gleich zu Anfang ihres Buches. Das Meer in allen seinen Facetten und lichtdurchflutete Sommertage unter Palmen, an Stränden oder in geheimen Verstecken bilden den Hintergrund dieses Buches – gemeinsam mit der Liebe zur Literatur. Literatur aus allen Zeiten und Kulturen. Literatur, die Hilfe gab, die Welt und die Menschen darin zu verstehen, die das Meer beschrieb und nahe brachte und Literatur, die wie das Meer weitertrug und weiterführte. Die Auswahl und Länge der literarischen Auszüge variiert stark und reicht von Daniel Defoe, Po Chu-Yi, Hermann Melville, Walt Whitman, Joseph Conrad über Charles Darwin, James George Frazer, Plinius Secundus, Hesiod bis zu Thor Heyerdahl und König Kalakaua von Hawaii.
Diese zahlreichen literarischen und wissenschaftlichen Einschübe stören auf den ersten Blick den Lesefluss. Erst auf den zweiten erschließt sich die "Umschlingung" und die wellenartige Durchdringung des Memoire durch die literarischen Zitate, die dieses Buch bereichern.
"Lichtjahre" ist wie alles aus dem marebuchverlag ein wunderschönes, sorgfältig lektoriertes und gut editiertes Buch.
"Lichtjahre oder Ein Mädchen auf Hawaii" ist ein langsames, ein leises und ein schönes Buch. Hawai’i, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren, seine indigene Kultur und auch sein Zauber auf ein aufwachsendes Mädchen werden nahe gebracht. So nahe, dass man es nur schwerlich missen möchte.
Igor Eberhard
Bewertung: 9 Punkte

         
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Anthony McCarten
"Superhero"


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Diogenes Verlag
303 Seiten
Einen Superhelden bzw. einen "Superhero" haben sich die meisten von uns vielleicht schon manchmal im Leben gewünscht. Es gibt diese Situationen: das Leben passiert einfach. Man ist ohnmächtig, einer Situation ausgeliefert und kann nicht eingreifen. Ereignisse geschehen. Im Comic tritt in diesen Momenten (sofern sie spektakulär genug sind) der Superheld X auf und rettet die Situation. Die Welt wird wieder voller Wunder und alles wird gut. Wenn das Leben nur so einfach wäre!
Für den 14jährigen Donald Delpe wäre ein Superheld ein Hoffnungsschimmer. Er weiß nichts von Liebe. Dazu hat er nicht nur Krebs und sieht scheiße aus, sondern ist noch Jungfrau. Drei schlimme Dinge auf einmal. Und die Zeit wird knapp. Donald weiß nicht, ob sein Leben noch lange dauern wird; es wird viel zu schnell immer kürzer. Das Leben ist nur noch im schnellen Vorlauf möglich, um alles zu fühlen und machen zu können, was er sich wünscht. Das ist vor allem: die Jungfräulichkeit verlieren. Als Jungfrau sterben, heißt, nicht gelebt haben. Hilfe tut not.
Da kann nur der selbsterfundene Held MIRACLEMAN helfen. Leider gibt es auch seinen bösen Antagonisten GUMMIFINGER, den wahnsinnigen superschurkischen Arzt...
Zum Glück findet Donald im Alltag die eher gewöhnlichen Super-Menschen Adrian, den verklemmten Klinikpsychologen, die mysteriöse Tanya und ...seinen eigenen Vater. Ist das die Rettung? Sind die hilfreicher als der mächtige MIRACLEMAN?
Anthony McCartens Roman "Superhero" ist ein Buch der Superlative: superlustig, supertraurig, sehr schrill und supergut zu lesen. Wie in jedem guten Buch liegen Traurigkeit und Komik dicht beieinander. Soll man weinen, lachen oder am ehesten beides miteinander? Der Roman ist Comic, Drehbuch und Film zugleich; ist Hommage an Liebe und Sterben.
McCarten ist der Co-Autor von "Ladies Night", einem Sensations-Theaterstück über eine Männerstripgruppe, Autor von weiteren Stücken und Drehbüchern und Regisseur seines eigenen Films "Via Satellite", der in Cannes uraufgeführt wurde. Derzeit vollendet er seinen mittlerweile vierten Roman. Er ist weltweit ein gefeierter und bekannter Autor. Es wird Zeit – und durch Donald Delpe wissen wir, dass Zeit immer knapp ist –, dass McCarten durch die Übersetzung seines Superromans Anerkennung findet. Diogenes sei Dank.
Igor Eberhard
Bewertung: 9 Punkte

         
http://www.diogenes.ch
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Marylin Manson - Talking
Chuck Weiner


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Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag
Es mag irgendwie Anfang der neunziger Jahre gewesen sein, als ich gelangweilt an einer Straßenecke in Toronto herumhing und mir eine Gruppe schwarzgewandeter Teenager auffiel, die sich vor dem Schaufenster eines regionalen TV-Senders drängten.
Als dann die Tür aufging und ein großgewachsener Mann das Studio verließ, kreischten die Kids - wie sich das gehört - lauthals auf. Im Prinzip also die normale Anbieter-Konsumenten-Situation der Neuzeit, mit dem Unterschied, dass die Jubelnden einfach nicht so aussahen, als würden sie einer Boygroup huldigen.
Neugierig geworden, schaute ich mir die Sache genauer an und sah einen seltsam gewandeten Menschen, nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Mann, nicht Frau.
Nun, wenige Jahrzente später weiß ich, es handelte sich um Marylin Manson. Seine Musik läuft nicht selten, in unserem Büro und seine Performance ist einfach cool.
Zum Marylin Manson-Fan wurde ich aber erst, nachdem ich längere Interviews mit ihm gelesen, bzw. gehört hatte. Der Mann ist nicht nur ordentlich tätowiert, sondern hat auch etwas im Kopf.
Und nicht nur das, ich halte ihn für einen der reflektiertesten und klügsten Persönlichkeiten der heutigen Musikwelt.
Um so gespannter war ich auf das Buch "Marylin Manson Talking" von Chuck Werner aus dem Schwarzkopf und Schwarzkopf Verlag.
Doch die Erwartung wurde nur zum Teil erfüllt. Ja, in dem Buch sind schöne Fotos (wenn es denn auch mehr in Farbe hätten sein dürfen), ja in dem Buch sind viele Zitate, aber das ist es dann auch schon.
Wer auf eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Menschen oder dem Musiker Brian Warner aka Marylin Manson hofft, wird hier nicht fündig. Im Großen und Ganzen besteht das Buch aus einer lockeren Zitatensammlung, die unkommentiert und oberflächlich zu verschiedenen Themen zusammengefasst wurden.
Und so erfährt der geneigte Leser, dass Brian Warner Pink Floyd gehört hat und seine Katze ausstopfen möchte.
Prädikat: nur etwas für den wirklichen Fan.
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Joey Goebel
Freaks - Die Blindheit der Humanoiden!


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Joey Goebel
Freaks
Roman
Diogenes Verlag
Purer Rock`n`Roll in Buchform, das ist JOEY GOEBELS Roman "Freaks” (englisch: "The Anomalies", 2003). Es ist im Prinzip nichts wirklich außergewöhnliches, wenn fünf Leute eine Band gründen wollen. Daraus einen Roman zu machen, ist schon etwas ungewöhnlicher. Dennoch noch nichts wirklich interessantes. Wenn die Protagonisten, wie in diesem Buch weit entfernt von den meisten Durchschnittsmenschen dieser Welt sind, eben "Freaks", ist das schon reizvoller. Und ja, die Antihelden dieses Romans halten, was sie versprechen. Sie sind die sympathischen "Anomalies" von nebenan, die jeder ins Herz schließt oder doch lieber gleich in eine Klapse stecken möchte.
Die Hauptfiguren des Buches leben in einer miesen Kleinstadt in Kentucky: Eine 80-jährige SEX PISTOLS verehrende Großmutter; eine wunderschöne Hobbystripper-Satanistin im Rollstuhl; ein junger Iraker, der sich bei dem amerikanischen G.I. entschuldigen möchte, den er im Irakkrieg angeschossen hat; ein frühreifes sehr böses und auch sehr niedliches Mädchen; ein junger Afroamerikaner mit kleinem Pimmel, der keine Drogen hat und auch keine nimmt und der keine "Humanoide" mag.
Die Handlung ist schnell erzählt: unsere fünf Außenseiter finden sich, gründen eine Band und treten zum ersten Mal auf, was in einem totalen Desaster, einer Drogenrazzia und einem Mordversuch endet. Klingt vielleicht nach wenig, aber: weit gefehlt.
Nach GOEBELS ist die Handlung grob gestrickt und "wurde an den Haaren herbeigezogen, die Protagonisten wurden an den passenden Stellen untergebracht, die Themen gründlich ausgeschlachtet, sämtliche Perspektiven sorgfältigst ausgelotet, vordergründige Symbolik bewusst eingesetzt, abgedroschene Ironie verwendet und Emotionen sowie Humor angemessen übertrieben, allerdings muß das Befinden eines beträchtlichen Teils der Bewohner dieser Veröffentlichung noch angesprochen werden, nämlich der Charaktere, die unser gescheiterter Träumer Luster Johnson ‚Humanoide` nennen würde, jene stereotypen gewöhnlichen Menschen, die zusammengenommen die Antagonisten in diesem Roman spielen. Ihnen ist gar nichts passiert".
Ja, Ihnen ist gar nichts passiert. Denn um die geht es nicht wirklich. Wichtig sind die ungewöhnlichen Menschen, die Lachnummern der Nation, Musiker, alle Freaks dieser Welt und alle Menschen, die bereit sind Unwähgbares einzugehen. Für alle diese Menschen sind die "Freaks” ein Gewinn.
JOEY GOEBELS ist eine literarische Entdeckung. Das hat er ausreichend mit seinem erfolgreichen 2005 in Deutsch erschienen Romandebüt "Vincent" (englisch: "Torture the Artist", 2004) bewiesen. "Freaks” lässt nicht nach.
GOEBELS wollte schon als Kind Punkrocker werden (das ist mal ein Berufswunsch!), später dann tourte er als Leadsänger der MULLETS durch den Mittleren Westen. Sein erstes, später veröffentlichtes Werk "Freaks” war ursprünglich ein Drehbuch. Niemand wollte es. Die Blindheit der Humanoiden! Deshalb hat er es zu einem Roman umgeschrieben. Jetzt ist es endlich erhältlich: Eine schöne anomal-neue Welt!
Igor Eberhard
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Cash — I see a darkness
Inside the Walls of Prison my Body may be. Reinhard Kleist.


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Einmal vorneweg: Ich habe geweint. Die Comicbiographie über Johnny Cash von Reinhard Kleist erreicht das Herz. Was die Songs des legendären "Man in Black" bei vielen Menschen auslösen, bewirken die Zeichnungen von Kleist. Sie berühren, verstören, fesseln und lassen nicht wieder los. "Cash" ist ein Buch wie die Lieder von Johnny Cash und seine Lieder sind wie das ungeschminkte Leben selbst. So ist die Biographie auch eine Huldigung an diesen getriebenen Großen.
"Cash. I see a darkness” ist wie die Bibel. Man muss dieses Comic immer wieder lesen und man kann bei allen Widersprüchen, bei allem Melodram und Drama immer wieder neues entdecken. Vielleicht ist es für einige sogar möglich, nach dem Lesen die Welt in Ansätzen besser zu verstehen. Aber wer weiß das schon.
Der Wahlberliner Reinhard Kleist ist mittlerweile zu einem bekannten Zeichner im deutschsprachigen Raum geworden. Seine Alben erschienen bei Ehapa, Eichborn, Reprodukt und zuletzt in der Edition 52. Für sein Album "Lovecraft" wurde er 1996 mit dem Max-und-Moritz-Preis als bester deutscher Zeichner ausgezeichnet. Als Illustrator, Kinderbuch-Autor und Storyboard-Zeichner ist Kleist auch über die Grenzen des Comic hinaus tätig.
Die Cash-Biographie ist vollständig in schwarz und weiß gehalten. Die einzelnen Bilder sind in einem expressiven, zum Teil fast expressionistischen Stil gehalten.
Der Schwerpunkt des Comics liegt auf den frühen Jahren von Johnny Cash, den 1950er und -60er Jahren, der intensivsten und ereignisreichsten Zeit in dessen Leben. Der Leser erlebt die Anfänge seiner Karriere, Sessions und frühe Konzerte, die ersten Plattenaufnahmen in den berühmten SUN-Studios, Tourneen mit Elvis, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins.
Reinhard Kleist bleibt jedoch nicht an den oberflächlichen Ereignissen kleben, sondern geht aus den Tiefen hin zu den Untiefen im Leben dieses unglaublich kreativen Menschen, der unter anderem durch Drogen, Unfälle und Selbstmordversuche seine erste Ehe und beinahe, sowohl seine Karriere, als auch sein Leben zerstörte. Reinhard Kleist zeigt Johny Cash als einen Getriebenen. Den Höhe- und Wendepunkt des Bandes bildet das Konzert in Folsom Prison 1968, das diese Rolle auch in Cashs Leben einnahm.
Besonders wird Reinhards Kleist Biographie mit durch die Einbindung von Johnny Cashs Songs in den Erzählfluss, die als eigene Kurzgeschichten die Geschichte ergänzen: "Big River", "Don’t take your Guns to Town", "A Boy named Sue", "Folsom Prison Blues", "The Ballad of Ira Hayes" u.a. Die Songs schließen das Band von Leben und Werk und verknüpfen es zu einer Einheit. Wobei hier die Songs zeigen, wie Kunst einen Weg über die Realität schafft.
"Cash" ist ein Buch, das man nicht so leicht vergisst oder einfach wieder wie eine alte Erinnerung abstreifen kann. Das Comic und der darin portraitierte Mensch darin werden zum Begleiter. Etwas Schöneres kann man nicht über ein Kunstwerk schreiben.
Igor Eberhard
Reinhard Kleist
Cash. I see a darkness
Carlsen Comics
sw, 224 Seiten
€ 14,- (D) / € 14,40 (A) / sFr 25,30
ISBN 978-3-551-76837-7
www.carlsencomics.de
Bildmaterial zur Vervügung gestellt mit freundlicher Unterstützung von Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2006 / Reinhard Kleist
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Zwischen Geheimagenten, Reha und Tatoos:
Die Kabuki-Comics – Bilder, die aus ihrem Rahmen fallen


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In den handelsüblichen Comicserien gibt es meistens zwei Arten von Frauen: die braven Ehefrauen oder Freundinnen der Superhelden á la Superman oder Spiderman oder die silikonhaltigen, dickbrüstigen Superheldinnen wie Vampirella. Ausnahmen gibt es selten.
Mit Tätowierungen in Comics ist es ähnlich. Wenn bei Marvel, Dino Comics oder Infinity eine Figur tätowiert ist, ist es nur selten der Durchschnittsheld. Höchstens die Gegner von Batman und Co. tragen bunte Bilder auf der Haut, damit sie leichter als die "bösen Buben" zu erkennen sind. Auch hier fast immer Klischees.
Bei Kabuki, der Comicserie von David Mack, die es seit 1999 auch auf deutsch gibt, ist einiges anders.
Kabuki, die Hauptfigur der Serie ist weiblich, silikonfrei und auf ihren Rücken ist ein riesiger Drachen tätowiert. Sie ist die symphatische Agentin und Killerin einer japanischen Geheimorganisation, den Noh.
Kabuki ist aber kein reines Actioncomic. Neben den Morden, spielt das Verhältnis Kabukis zu ihrer Mutter und zur japanischen Geschichte eine große Rolle.
Während des zweiten Weltkrieges wird Kabukis Mutter Tsukiko von Soldaten des japanischen Kaisers auf einen Armeestützpunkt verschleppt. Sie soll, wie viele andere Frauen auch, den Soldaten zur "Vergnügung" zur Verfügung stehen. Der dortige General verhindert, dass die Frauen zur Prostitution gezwungen werden und lässt die Frauen stattdessen, Kabuki-Stücke, eine traditionelle Theaterform, aufführen.
Kai, der Sohn des Generals, ist ein berüchtigter und grausamer Soldat. Als er merkt, dass der General sich zu Tsukiko hingezogen fühlt und sie nach dem Krieg auch heiraten will, vergewaltigt und schwängert sie Kai. Schwerverletzt überlebt sie, wacht aber nicht aus dem Koma auf. Bei der Geburt ihrer Tochter stirbt sie. Kai, der nichts von seiner Tochter weiß, wird in der Zwischenzeit ein mächtiges Mitglied der Yakuza, der japanischen Mafia. Als er von seiner Tochter erfährt, versucht Kai sie zu töten und ritzt ihr die Schriftzeichen für Kabuki ins Gesicht. Kabuki überlebt, wird aber zu ihrer Sicherheit offiziell für tot erklärt.
Damit beginnt ihre Karriere als Agentin der Noh. Die Aufgabe der Noh ist es das Gleichgewicht zwischen der Yakuza und der Regierung zu sichern. Mit einigen anderen Frauen wird sie als Kämpferin ausgebildet. Die Tarnung der Noh-Agentinnen ist die Öffentlichkeit. Sie sind Medienstars, die immer in Kostüm und mit Maske erscheinen. Ihr einziges Erkennungszeichen ist der großflächig tätowierte Drachen auf dem Rücken.
Kai gelingt es die Noh zu unterwandern und mit ihrer Hilfe Konkurrenten auszuschalten. Von Dove, einem Führer der Noh, erhält Kabuki den Auftrag Kai, seine Gang und den Rest der Noh umzubringen. Kabuki eliminiert alle, allerdings erhält sie einen Bauchschuss. Wie es in Comicserien üblich ist, stirbt sie nicht.
Das Control Corps, eine Geheimorganisation, die die anderen Geheimorganisationen überwacht, verschleppt und pflegt die schwerverletzte Kabuki. Das Control Corps unterhält Anstalten für Agenten, die aus "dem Ruder gelaufen sind". Diese Anstalten sind eine Mischung aus Reha-Klinik, Gefängnis und Verhörzelle. Dorthin wird Kabuki gebracht.
Die überlebenden Noh-Agentinnen versuchen Kabuki zu finden und zu töten. Sie stürmen schließlich das Gebäude der Control Corps, kommen aber um.
Gemeinsam mit einer Mitgefangenen, Akemi, versucht Kabuki zu fliehen.
Die Story selbst ist manchmal etwas verwirrend, sie gleitet manchmal auch allzu ins Kitschige ab. Nach dem Bauchschuss "stirbt" Kabuki fast über ein ganzes Heft - und überlebt doch irgendwie.
David Mack, der Zeichner und Autor der meisten Hefte, hat diverse Preise für Kabuki bekommen. Wenn man einige Hefte gelesen hat, wird schnell offensichtlich, wieso. Mack zeichnet schwarz/weiß und Farbe. Die Kabuki-Serien Circle of Blood und Masks of the Noh sind schwarz/weiß, Skin deep und die laufende Serie sind dagegen weitgehend in Farbe. David Mack baut Computeranimationen, Fotos, Karten, Gedichte, Gemälde, Typographie und sogar Laub in die Zeichnungen ein. Bilder, Texte lösen sich auf, verwandeln sich. Selbst die Rahmen der Bilder verschwinden oder werden Teil der Story. Ein Rahmen ist sogar aus Spitze.
In Masks of the Noh lässt Mack andere Zeichner jeweils eine der überlebenden Noh-Agentinnen zeichnen und mit Leben füllen.
Tätowierungen spielen eine große Rolle bei Kabuki. Fast alle Figuren sind tätowiert. Die Tätowierungen sind vor allem Erkennungszeichen. Jede Yakuza-Gang hat ihre eigenen, spezifischen Hautbilder. Die Leute von "Snow", einem Pornohändler, haben zum Beispiel eine Schneeflocke tätowiert.
Die Rücken der Noh-Agentinnen schmückt dagegen ein Drache, der aus einem Ei schlüpft.
Die Tätowierungen werden teilweise selbst zu Protagonisten. In Dreams etwa löst sich der Drache (vorerst) von Kabukis Rücken, redet mit ihr und verschwindet.
Bei Infinity Comics, dem deutschen Verlag, laufen zur Zeit zwei Kabuki-Serien parallel, die abwechselnd einmal im Monat erscheinen. Eine Serie (ursprünglich: Circle of Blood und Fear the Reaper) ist mit Tusche gezeichnet (auf deutsch zusammengefasst als Infinity Black Art), die Parallelserie ist in Farbe und besteht aus Dreams und der laufenden Kabuki-Serie.
In der Original US-Version erschien allerdings erst die schwarz-weiß und dann die farbige Serie. So ganz hat sich Infinity wohl nicht getraut, mit einer schwarz-weißen Serie auf den deutschen Markt zu gehen. Das schafft zu der komplexen Story zusätzliche Verwirrung.
Aber wenn man attraktive asiatische Frauen mit ästhetischen Tätowierungen und seltsame Geschichten mag, nimmt man etwas Verwirrung gerne in Kauf, denn dann lohnt sich Kabuki allemal.
Igor Eberhard
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Prohibited book von Luis Royo


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Binsenweisheiten der Erotik und Pornografie - Prohibited book von Luis Royo
"Aber kommen wir zum Kern, vergessen wir die alten Binsenweisheiten von Erotik und Pornografie. Suchen wir uns einen ruhigen Ort. Einen bequemen Sessel oder ein Bett mit zerwühlten Laken. Nehmen wir uns das Buch, und blättern wir darin mit der linken Hand (darum sein kleines, handliches Format). Enge und unbequeme Kleidung legen wir ab. [...]"
So fängt die Einführung oder Gebrauchsanweisung zum Prohibited book von Luis Royo an.
Luis Royo ist Künstler, Comiczeichner und Illustrator. Recht häufig finden sich seine Arbeiten als Kartenspiel, Kalender, Buch- und CD-Cover oder Videospiel. Bekannt sind auch seine Arbeiten aus Heavy Metal, Cimoc oder Warner Books. Von seinen eigenen Büchern und Bildbänden wurden die meisten übersetzt und mehrfach aufgelegt. Das liegt sicher nicht zufällig an seinem liebsten Motiv, der Frau an sich: nackte Frauen, üppige Frauen und schöne Frauen. Häufig alleine, oft auch mit Monstern oder grausamen Menschen werden sie abgebildet. Das Prohibited book geht weiter. Royo schreibt selbst in der Einführung und Gebrauchsanweisung zum Buch: "Für den Autor wäre es eine grosse Genugtuung, wenn diese Anweisungen bis zur vollen Befriedigung befolgt würden." In verschiedenen Akten werden seine Kernthemen in Zeichnungen und Gemälden von Rómulo Royo entblättert. Manchmal an der Grenze zum Kitsch, nie an der Grenze eines Zuviels an Kleidung will das Prohibited book ein Augenschmaus sein - und das ist es.
Luis Royo: Prohibited book. Zeichnungen und Gemälde von Rómulo Royo. riedel gmbh 2. Aufl. (2000). ISBN 3-9803109-4-9. Preis: 29,80 DM/öS o. A.
Igor Eberhard
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Virtual Tattoo ein Buch von Alexander Besher


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Es ist 2036. Wieder tobt ein kalter Krieg. Doch diesmal wird er vor allem im Internet ausgetragen. Das worldwideweb ist in den East Cyberspace und das Free Web aufgeteilt.
Die brutalste Waffe ist MIR 3.0 - ein außerirdischer Virus, der die russische Raumstation MIR befallen hat und mit ihr zur Erde gebracht wurde. Das Ziel des Virus ist es, das ganze freie Web in eine Art Online-Gulag zu sperren. Der Virus wird von virtuellen Tattoos übertragen, die durch die Programmierung der Oberhaut, der Epidermis, von Hackern freigesetzt werden. Nur - der Virus führt ein unberechenbares Eigenleben!
Die geistige Versklavung aller Menschen droht.
Als der Cyberpunk Trevor Gobi feststellt, dass seine Freundin Nell von einem Cybertattoo befallen ist und dass sie von diesem sexuell versklavt wird - dreht er durch und versucht mit allen Mitteln seine Freundin zu retten.
Alexander Beshers Roman "Virtual Tattoo ist ein packender Ritt durch die Welt des Cyberspace. In atemberaubendem Tempo geht es im Wechselspiel von High-Tech-Phantasien und Nano-Technologien über Buddhismus, Zen-Philosophie bis zu Terrorismus und Punkrock.
Besher wurde als Sohn weissrussischer Eltern in China geboren und wuchs in Japan auf. Heute lebt er in San Fransisco, wo er mehrere Jahre für eine Zeitschrift über Technologietrends in Japan berichtete. Mit seinem ersten Roman "Rim" wurde er für den Philip K. Dick Award nominiert.
In bester Tradition von William Gibsons "Neuromancer" und Neal Stephensons "Diamond Age" stehen Beshers Cyberpunkromane. Bekannt geworden ist Besher durch seine regelmäßgien Online-Fortsetzungsstories "After the bug" im SF-Gate-Portal. Aber erst durch die "Rim"-Trilogie hatte er seinen Durchbruch. Die drei Romane "Rim" (deutsch: "Satori City 2.0"), "Mir" (deutsch: "Virtual Tattoo") und "Chi" (deutsch: "Cyber Blues") brachten ihm internationalen Erfolg - und Übersetzungen unter anderem ins Deutsche.
"Virtual Tattoo" kann allen ans Herz gelegt werden, die SF-Literatur mögen - und dabei auch nicht auf bunte Bilder verzichten wollen.
Igor Eberhard
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Body-Modification Psychologische und medizinische Aspekte von Piercing, Tattoo, Selbstverletzung und anderen Körperveränderungen ein Buch von Erich Kasten


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In den meisten Fällen berichten wir ja über Bücher und andere
Medien zum Thema Tattoo und Piercing, die eher in den Bereich Belletristik
fallen.
Umso mehr war ich auf das Buch von Erich Kasten zum Thema Body Modification
gespannt, dass eine wissenschaftliche Herangehensweise und Tiefe an
verschiedene Aspekte der Körperveränderungen versprach und im renommierten
Ernst Reinhardt Verlag erschien.
Um es dann aber gleich zu sagen: so spannend war es dann doch nicht.
Das Buch ist ein sehr großes Sammelsurium aus ungeordnet scheinenden Fakten,
interessanten Vertiefungen, belanglosen Internetkommentaren, seltsamen
Zeichnungen und vielen Bildern von gepiercten Genitalien.
Mit der Frage: "Bodymodification - was ist das?" beginnt die Schrift und
gibt bis zu seinem Ende keine Antwort. So steht das Schneiden von
Fingernägeln in einer Reihe mit der Spaltung des Schwanzes und das
hippihafte übers Feuer laufen mit dem Heraus reissen des eigenen Auges.
Sogar das Altern wird als Bodymodification klassifiziert.
Obschon, dass sei der Sache zu Gute gehalten: die Mtaerialfülle ist
beachtlich.
Eine genauere Begriffsdefinition hätte aber geholfen und dazu eine
Positionierung verlangt. Aber genau diese Positionierung wird immer wieder
vermieden. Im Gegenteil ein scene- und jugendaffiner Opportunismus schwingt
immer mit: Bodybuilding ist gefährlich, aber sich den Schwanz zu spalten ist
schon irgendwie ok.
Der Autor sammelt so eine bunte Wiesen an Dingen - vor Allem ist das
Internet hier seine Quelle - und kann sich, wie ein Schmetterling, nicht so
recht entscheiden, welche Blüte er ansteuern soll.
Dabei gibt es durchaus Abschnitte, die überzeugen können und die tiefere
Einblicke in die Grauzone zwischen schmuckhaften und krankhaften
Körperveränderungen gewähren.
Aber ein uns andere Mal vernebelt uns Erich Kasten mit seiner wahllos
erscheinenden Auswahl an Zitaten, Texten und Bildern eben diesen Einblick.
Auf der einen Seite gibt es Zitate, in denen Tätowierte und Gepiercte über
die beruflichen und sozialen Konsequenzen ihres Handelns berichten (oh
Wunder, Kinder, Ihr seid Tätowiert und es bleibt nicht unbemerkt) auf der
anderen Seite berichtet Kasten schon im Vorwort über eine 16jährige, die
sich mit einem Skalpell Kunstwerke in die Haut schneidet "um sich selbst zu
helfen" und lässt dieses Verhalten unkommentiert.
Ein Aspekt, der zwar oberflächlich angesprochen wird, aber in seiner Gänze
überhaupt nicht zum Tragen kommt, ist überdies die merkantile Komponente:
die Freakshow ist immer auch die Cashcow der Freaks und der Freakmacher.
Die genitalorientierte Bildauswahl läßt bei mir den Eindruck entstehen, der
Sinn des Buches liege mehr in der Reizung der modernen
Aufmerksamkeitskultur, als in einer wissenschaftlichen Aufarbeiten der
beschriebenen Phänomene. Und wie die mediale Resonanz schließen lässt, ist
dies auch gelungen.
Ich habe mich nach der Beendigung der Lektüre aber schon gefragt. was sollte
dieses Buch jetzt? Und dies scheint sich der Autor auch gefragt zu haben, so
endet das Buch mit dem Satz: "Und dies ist vielleicht auch das Hauptanliegen
des Buches: ein Plädoyer, die Psyche eines Menschen niemals alleine danach
zu beurteilen, wie sein Körper aussieht.
Vielleicht? Nein, bestimmt.
Body-Modification (29,90 €)
Erich Kasten
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