
Wo kommen sie her, die Einflüsse? Was ist das nächste große Ding? Fragen, die
man sich automatisch stellt, wenn man die Tattoo Szene betrachtet.
Die interessanten neuesten Einflüsse kommen, aus meiner Sicht, zur Zeit aus
Osteuropa und aus den französischsprachigen Ländern, nach den
Digital-Tattoo-Künstlern von der Boucherie modern oder Piet Du Congo aus
Belgien hatten wir Gelegenheit mit Lionel von Out of Step Tattoo über sich
und seine Kunst zu sprechen.
Lionel war gerade zwei Wochen bei Tatau Obscure in Berlin und ist in naher
Zukunft bei verschiedenen Conventions anzutreffen. Und dazwischen lebt er mit
seiner Familie mitten auf dem Land in der Nähe von Nantes.
Lionels Kunst liegt irgendwo zwischen Comic, Grafik und Manga. Dabei sind
seine Bilder schwer zu fassen und persönlich erinnern sie mich an die
Shaddocks, der genialen Comicserie aus Frankreich.
Zum Tätowieren kam Lionel durch die Punkrock- und Hardcorescene. 11 Jahre
machte er Musik. Dabei malte und zeichnete er auch viel. Seine Freunde und
er machten sich die Piercings selber und so war es nur ein kleiner Schritt,
selber die Hand an die Tattoomaschine zu legen. Das ist nun elf Jahre her.
Nur mit dem Begriff Tattoo-Artist kann Lionell nichts anfangen: Ich bezahle
meine Steuern als Tätowierer, aber den Begriff Künstler mag ich nicht, sagt
er und fügt hinzu: I don´t try to be the next big in the Tattoo-Scene.
Beim Tätowieren ist es der Moment des gemeinsamen Entwickelns mit dem
Kunden, den Lionel am meisten schätzt. Daher bevorzugt er auch eine intime
Atmosphäre beim Stechen. Das ist auch einer der Gründe, warum Lionel kein
eigenes Studio hat. Bei vierzig verschiedenen Tätowierern hat er in den
letzten Jahren gearbeitet. Zuhause aber hat er einen Raum, in dem er
tätowiert, ungestört von fragenden Kunden oder dem Läuten des Telefons.
Und ob schon Lionels Arbeiten einen starken Comic-Charakter haben, gehören sie
nicht zu seiner bevorzugten Lektüre. Nach seinen Einflüssen befragt, nennt er
Curly von "in to you" und den Amerikaner Dave Lum, die ihm eine andere Sicht
auf das Tätowieren gaben. Interessanterweise nennt Lionel seine Kunst
old school. Damit meint er aber nicht, die gerade mainstreamig grassierende
Welle alte Künstler zu kopieren, sondern die Art und Weise in der das Motiv
der Tätowierung zusammen mit dem Künstler ensteht: "the tattoo is very
dedicated to the person." Und dieses Zusammenspiel mit der Geschichte des
Kunden ist für Lionel old school.
Wenn Ihr Euch für Lionell interessiert, das erste Juli-Wochenende ist er auf
der Convention in Paris, am 15. und 16. August in Luxembourg und im November
in Nante.
Online erreicht Ihr Lionel hier:
http://el.fahy.free.fr/
Text + Bild: Lead