Es gibt eigentlich nur wenige Dinge, die angenehmer sind, als an einem lauen Sommervormittag in einem Café zu sitzen, zu frühstücken, den Mädchen hinterher zu schauen und einen Tätowierer zu interviewen.
Interviewpartner in diesem Falle war Waldemar, im Augenblick on the road. Allerdings ist es wirklich schwierig, bei den tollen Aussichten, ein perfektes Interview zu führen.
Waldemar, geboren in Polen, hat schon früh rüber gemacht und ist mit 5
Jahren von Polen erst ins Sauerland gezogen und dann in Dortmund aufgewachsen. Bevor er dann mit 25 Jahren Tätowierer wurde, machte er noch eine Lehre als Maler und Lackierer. Und so kam er auch zu seinem ersten Tattoo: er strich ein Tattoostudio und bekam dafür ein Baby im Stile Gigers auf den inneren Oberarm gestochen.
Tätowierer wurde Walde, wie so Viele vor ihm, eigentlich per Zufall: er hing viel in einem Studio ab, malte ab und zu eine Vorlage und rutschte dann so in den Job hinein. Damals entstand „scum-art“ zurück geführt auf den Schriftzug auf seinem Bauch. „scum-art ist ganz wichtig für mich, das ist mein baby...“
Nach einem Jahr bei „Tattoo by Diesel“ ging er – immerhin für 6 Jahre - zu „Sam´s Tattoo“ in Bochum. Doch dann, zog es ihn, nach Berlin.
„Jeden Tag, wenn ich durch die Straßen von Berlin laufe strömen Ideen und Eindrücke förmlich auf mich ein, was soll ich sagen „Berlin ist eben Berlin“. In Berlin kann man sich einfach gut weiterentwickeln, es gibt hier so viele tolle und interessante Tätowierer mit denen man sich austauschen kann.“
2007 wurde „Scum-art“, das Studio in Kreuzberg geboren. Dank des Vermieters gab es das Studio „Scum-art“ in Kreuzberg leider nur bis Ende 2009.
Giger, antwortet Walde, auf die Frage, wer ihn künstlerisch beeinflusst habe. „Wegen seiner realistischen Darstellungen von Biomechanik. Ebenso ist Philip Leu ein großer Einfluß, nicht nur wegen seines japanischen Stils, sondern wie er mit dem Körper arbeitet und die Designs ausarbeitet. Allerdings liebe ich auch die arbeiten von Shige, Paul Booth, Rob Koss, Dan Sinnes, Derek Noble, Lars Uwe,,,,“
Tätowierungen sind eben organisch, es ist eben keine glatte Fläche auf die eine Grafik einfach aufgedruckt wird. Man kann nicht einfach zum Tätowierer gehen und sich einfach ein Tattoo stechen lassen, wie man es immer wieder im TV sieht. Und das ganze dauert dann 10 min... haha
Eine andere Sache, erklärt Waldemar, seien die völlig überladenen
Bedeutungen, die viele Kunden mit ihrem Tattoo verbinden. Also werden dramatische Geschichten um die Bedeutung der Tätowierungen erfunden. „Es muss immer jemand gestorben sein ...“, um dem Bild etwas Besonderes zu verleihen. Tätowieren ist eine private und intime Sache und es passiert nix spektakuläres.
„Ich bin ein Allrounder“ antwortet er auf die Frage, wie er seinen Stil
beschreiben würde. Ich liebe großflächige Tätowierungen die klar ausgearbeitet sind und von einer gewissen Distanz klar erkennbar sind. Ich mag Tattoos, die eben nicht von der Stange sind. Ich mixe gern verschiedene Stile um einen bestimmten Effekt zu erzielen oder dem ganzen mehr Ausdruck zu verleihen. Z.B. kann man realistische Sachen machen und trotzdem mit dicken Linien arbeiten.
Ob er denn auch nebenbei Kunst mache? Wollte ich von ihm
„Früher habe ich mehr Leinwände und Grafitti gemalt. Und verschiedenste untergründe und Materialien benutzt. Heute mache ich nur noch Tattoo bezogene Kunst d.h. viele Flashes malen, entweder mit Tusche oder Wasserfarbe oder Akryl. Designs die man jemanden direkt auf die haut machen könnte. Jetzt zeichne und male ich nur noch, um was zu lernen, ich möchte immer besser werden, davon kann ich einfach nicht genug bekommen.“
Und wie sieht er seine Zukunft?
„Ich habe keine Ahnung“ Auf jeden Fall bleibe ich Tätowierer.
Tätowieren bis ich dabei umfalle...! Es gibt einfach nicht was ich lieber machen würde!!!
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Studios, in denen sich Waldemar noch so aufhält:
"Pleasure and Pain" in Köln
"7/11" in Krefeld
"Gestochen scharf" in Gelsenkirchen
"Kartell Tattoo" in Frankfurt
"Tätowiersucht" in Münster
"Artcore Ink" in Istanbul
Text: Lead & Walde
Fotos: Lead & Walde