Lead: Michelle, wie bist Du zum Tätowieren gekommen?
Michelle: Ich bin eher spät dazu gekommen, da war ich schon 27. Ich holte mir das erste Tattoo und dachte: das ist es. Es traf mich wie ein Blitz. Und da ich eh in einer Phase der beruflichen Neuorientierung war, habe ich mich am nächsten Tag hingesetzt und mit dem Zeichnen begonnen. Tätowierungen haben mich aber schon immer magisch angezogen und ich wollt auch immer schon tätowiert sein, das gut Ding braucht Weile Prinzip- rettete mich jedoch vor unüberlegten Tribals etc...
Ich habe dann ein paar Studios probiert, aber keines gefunden, mit denen ich wirklich klar kam, also habe ich mir dann das Equipment besorgt und zuhause mit dem Üben begonnen.
Anmerkung:
Ich habe schon bevor ich Studios ausprobierte- tätowiert und eigenes equipment gehabt, natürlich aber schon immer bei meinem Stammtätowierer nachgehakt ob er mich nicht aufnehmen würde. Hat er nicht, dafür bekam ich immer die wertvollsten Tips. Auch nicht verkehrt.
Ich bin dann viel rumgreist und habe mich mit verschiedenen Tätowierern auseinandergesetzt. Und jetzt werde ich solange on the Road gehen, bis ich mir sicher genug bin ein eigenes Studio zu eröffnen, bzw einfach die Zeit dafür reif ist und auch mein innerer Zigeuner etwas zur Ruhe gekommen ist.
Lead: Meinst Du, der Weg zur Tätowiererin ist für Dich als Frau schwieriger?
Michelle: Jein. Ich glaube, es ist schwieriger eine Ausbldung zu bekommen, aber für die Arbeit ist das besser. Manche Kunden fühlen sich wohler, nicht nur Frauen
Lead: Was ist deine Lieblingsstilrichtung?
Michelle: Dotwork und Black and grey. Ich liebe es zu Schattieren. Und ich bediene mich gerne der alten Kunst oder des alten Kunsthandwerks. Aber ich seh mich als Allrounder, jetzt noch das Realistic-Fach knacken und ich bin gut dabei
Lead: Und was geht gar nicht?
Michelle: Ganz klar, Girlietattoos und kindische Tätowierungen. Da sind dann Frauen, die Ernst genommen werden wollen und dann einen Knuddelbären in rosa und hellblau im Dekollete´ haben. Ist zwar alles Geschmacksache, aber so meiner gar nicht
Lead: Was sind für Dich die wichtigsten Entwicklungen im Tattoo Business der letzten Zeit?
Michelle: Das Zusammenwirken der Stile. Und die feinen Details, die heute möglich sind, z.B. beim grafischen Stil oder bei Realistic. Die Maschinen und die Farben werden immer besser. Wir leben in einer geilen Zeit für Tattoos.
Ich liebe das zusammenmischen der Stile, klar manches soll man schon ursprünglich belassen, aber wenns passt- warum nicht? ZB: Dotwork mit Neo Traditional, oder Grafic mit Realistic zu vereinen. Ich finds auch geil, dass heutzutage schon so unterschiedliche Leute tätowieren, da trifft minimalistischer Techno Futurismus auf Oldschool Punk Attitüde- und es funitioniert. Wir sollen das gegenseitige kreative beeinflussen geniessen anstatt nur in Schubladen zu wühlen und alles wieder und wieder zu reproduzieren bis mal irgendwann die Luft raus ist. Ist wie mit der Musik, wir können uns in so vielen Jahrzehnten geilen Sounds laben, wären wir noch in den 50´s wär die Auswahl viel geringer.
Und ganz wichtig, das Arbeitsmaterial ist viel ausgefeilter, die Maschinen, die Farben, die Techniken. Ich bin sehr froh im hier und jetzt zu tätowieren.
Lead: Wie siehst Du Deine Zukunft?
Michelle: Immer besser zu tätowieren und durch die Welt zu fahren , noch viel lernen, meine gesammelten Inspirationen umsetzen.Und dann möchte ich ein eigenes Studio, am liebsten eines, in dem ich jeden Tag nur einen Kunden habe, für den ich mir richtig Zeit lassen kann. Auch möchte ich dort Platz schaffen für diverse Studiogäste...
» Gallery (neue Arbeiten online)
Michelle ist vom 6.-10.12.2011 im tattoo22 in traunstein bzw neuötting, bayern.
Text: Lead & Michelle
Fotos: Michelle
web: www.myspace.com/inkedheartmikaella