
War es ja in den letzten Jahren auf Grund der ausbleibenden grossen
Tattoo-Convention an der Isarmetropole etwas ruhiger ums Tattoogeschehen
geworden, hat sich dennoch ein Name ueber die bayerischen Landesgrenzen
hinaus in so manchem Kopf manifestiert. Die Rede ist vom Wild at Heart
Studio inmitten der Landeshauptstadt. Bereits seit ueber acht Jahren besteht
das Studio nun schon und der Bekanntheitsgrad waechst stetig, so dass neben
den beiden Gruendern "Besen" und Ralf inzwischen auch eine Auszubildende
hinzu gekommen ist, die Moni, die den Jungs in Zukunft unter die Arme
greifen wird. Der Piercingsektor wird von Susi beherbergt, die fast seit
Beginn der Studiogruendung im Team ist und mittlerweile von Peter Pius, der
vorher bei "Point" in Lübeck schon reichlich Erfahrung gesammelt hat,
unterstuetzt. Susi, die parallel zum Piercin noch Sozialpädagogik mit dem
Ziel Psychologie studiert, ist im Studio auch Ratgeberin, Troesterin usw.,
ebenso aber auch noch Sängerin der Punkrockband "Jellybrains".
Frei nach dem Motto, "gut Ding braucht Weile", agiert das Quintett in aller
Ruhe und verzichtet dabei gern auf den kurzen Ruhm irgendeiner
Provinzconvention. Das Showgehabe so mancher Kollegen ist wahrlich nicht ihr
Ding. Aber dennoch sieht man sie manchmal auf der einen oder anderen grossen
Veranstaltung arbeiten, auf der sie dann auch meist eine der begehrten
Trophäen mitnehmen.
Kennen gelernt hatten sich Ralf und Besen in Gary Winters Studio "Positive
Vibration" in Muenchen. Der damals knapp 30 jaehrige Ralf, unzufrieden mit
seinem Beruf als Grafiker und Illustrator wagte es, noch gaenzlich ohne
Tattoo, bei Gary um eine Lehrstelle zum Taetowierer zu bitten. "Zwar hatte
ich damals nicht die leiseste Idee, was ich nach meinem Job ansonsten tun
sollte, aber die Welt des Tattoos klang fuer mich erst mal aeusserst
interessant. Und es war die weiseste entscheidung meines Lebens, denn
Taetowierer zu sein ist, wie ich schon bald merkte, der beste Beruf der
Welt. Natuerlich war das Gelaechter Anfangs gross, als ich mich damals, noch
voellig untaetowiert, noch niemals eine Tattoomaschine in der Hand gehabt,
um eine Lehrstelle bewarb. Gary gab mir aber die Chance, am naechsten Tag
mit einer Mappe vorbei zu kommen. Und man staune, ich hatte ihn ueberzeugt.
Dank noch mal an Gary fuer sein Vertrauen. Bis dahin hatte ich ja vom
Taetowieren keine Ahnung und war auch erst mal ziemlich geschockt, wie
schwierig es doch ist und wieviel Zeit man schon für recht einfache Tattoos
braucht. Man könnte auch sagen, ich bin davon ausgegangen in ein, zwei
Wochen diese Technik halbwegs erlernt zu haben. So wie man z.B. von
Bleistift auf Kohle oder Tusche umsteigt. So kann man sich täuschen. Etwas
spaeter als Ralf kam dann Besen ebenfalls zu Gary. Tattoos haben Ihn schon
als Teenager fasziniert. Sein Hauptmotiv war sicher die Rebellion gegen die
bestehende Gesellschaft. "Man kann sich individuell abgrenzen. Und das
funktionierte mit einem Tattoo ganz gut. So habe ich mir mit vierzehn einen
Stacheldraht auf den Unterarm tätowiert". Sein entscheidendes Ereignis, dass
ihn in Richtung Tätowieren lenkte, war sicher die Begegnung mit Bernie
Luther 1991 in Indien. "Bernies Arbeiten wurden damals zwar auch vereinzelt
im "Tattoo Magazin" veroeffentlicht, aber die Fuelle solch grossartig
gestochener Tattoos auf einmal zu sehen, war für mich überwaeltigend.
Ich erkannte das Potential, das in dieser Kunst steckt und war seitdem
infiziert. Die Herausforderung, die Vorstellung des Kundens zu erkennen und
sie so umzusetzen, dass sie als Tätowierung auf der menschlichen Haut
funktioniert, liessen mich nicht mehr los". So hatte Besen erstmal heimlich
in seinen eigenen vier Waenden praktische Erfahrung in diesem Metier
sammeln koennen. "Die Ergebnisse waren aber auch dementsprechend. Zum Glück
hatte dann ein Taetowierer nach etwa acht Monaten Schaffenszeit eine meiner
Arbeiten zu Gesicht bekommen und war aeusserst positiv ueberrascht. Dies hat
mich dann dazu ermutigt, auf der ersten Münchner Convention so ziemlich alle
lokalen Tattoogroessen abzuklappern und Bewerbungstermine zu vereinbaren. So
kam ich dann 1994 zu Gary". Inzwischen sind ja nun schon 10 Jahre vergangen,
beide arbeiten im gleichen Studio und haben sich stilistisch voellig
unabhaengig entwickelt. Ralf, der sogar seit kurzem in seinem neuen Wohnhaus
in Murnau, nahe den Toren Muenchens, ein eigenes kleines Tattoostudio
eroeffnet hat, bevorzugt ueberwiegend schwarz-graue naturalistische Sachen,
wie z.B. Portraits. Mensch oder Tier teilen sich da den ersten Platz. Aber
auch New School- Rock’ n’ Roll Motive, die am liebsten farbig, sind ihm
inzwischen ans Herz gewachsen. "Wenn diese Themen von mir auch favorisiert
werden, soll dass nicht bedeuten, dass ich alles andere nicht mag. So wie
in der Kunst allgemein, mag ich Naturalistisches mit möglichst großer
technisch- handwerklicher Perfektion. Nix Abstraktes". Besens Vorlieben
hingegen sind in erster Linie im Bereich des japanischen anzusiedeln, "da
man aufgrund seines meist dunklen Hintergrunds, einen sehr hohen Kontrast
erreicht. Dies hat sich bei Taetowierungen als besonders wichtig erwiesen,
da ein Hautbild in der Regel mehr, als zum Beispiel ein Oelgemaelde, dem
Alterungsprozess unterworfen ist. Ebenso ermoeglicht es die nicht
naturalistische Darstellung besonders gut, den verschiedenen Proportionen
des Koerpers vorteilhaft zu folgen, um so eine besonders harmonische
Beziehung zum Körper herzustellen. Persoenlich wuerde ich meinen Stil als
New- School bezeichnen. Ich versuche mit unterschiedlich starken Linien
wichtige Bildinformationen hervorzuheben und eventuell das Ganze mit ein
paar Effekten zu akzentuieren. Obwohl Tribaltraeger nach wie vor einen
großen Anteil unserer Kundschaft ausmachen, koennen wir feststellen, dass
sich der Trend in letzter Zeit wieder in Richtung Motive bildlicher Art
entwickelt, was uns natuerlich freut". Besonders Kunden, die sich schon
lange ins Wild at Heart begeben, lassen den beiden grossen Spielraum bei der
Arbeit. "Erfreulicher Weise hat es sich inzwischen herrumgesprochen, dass
ein Einzelstück, natürlich nur wenn es auch gut gestochen ist, den Kunden
wie auch den Taetowierer mehr befriedigt als das beste Flash der Welt,
welches zumal ja auch tausend andere unter der Haut haben". Diese erworbene
Vertrauen der Kundschaft sorgt denn auch fuer reichlich Arbeit. Damit nicht
zu lange Wartezeiten entstehen, wurde dann Moni als Lehrling auserkoren, die
2001 im Wild at Heart ein Praktikum absolvierte und von
diesem Beruf schon nach einer Woche "total angefixt" war.
Ihrem Begehren es
unbedingt lernen zu wollen wurde nachgegeben. "Nach einem Jahr
Trockenschwimmen, waren Grapefruits und mein Knoechel meine ersten Opfer.
Danach haben mir Freunde, Bekannte und jede Menge Modelle die Möglichkeit
gegeben, von Anfang an sehr viele Tattoos zu stechen. Was das Taetowieren
lehren angeht, moechte Ich an dieser Stelle meine Lehrmeister Ralf und
Besenzitieren: "Dranbleiben und Zeichnen bis die Finger bluten!" Am Anfang
schwitzt man noch bei jedem kleinen Tattoo, aber jetzt nach anderthalb
Jahren Praxis, gehen die Aufgaben schon sehr viel leichter von der Hand. Man
braucht eben Geduld und Erfahrung! Für mich ist Taetowieren momentan einfach
der geilste Job der Welt. In meiner nun recht knappen Freizeit spinne Ich
mir zusammen mit den anderen Mitgliedern von RAUM e.V., einem jungen
Kunstverein in Dachau, Projekte aus, wie jetzten Juni, eine Ausstellung mit
Konzerten. Denn Dachau war und ist schon braun genug, da kann ein etwas
Farbe nicht schaden". Dem kann man nur beipflichten und bei so vielen
kuenstlerischen Talenten und dem dazu gehoerigen Engagement wird man noch
viel Spass mit dem Wild at Heart Team haben.
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Wild at Heart
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80634 München
Tel: 00 49 / 89 / 16 81 87
faX:00 49 / 89 / 16 01 52
www.wildatheart.de
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