
Doch die neue Reform geht einen Schritt weiter. Wo bisher ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient herrschen sollte, wird nun Vorsicht walten müssen. Man sollte sich schon sehr gut überlegen, was man zukünftig seinen Arzt erzählt.
Die Ärzte sind verständlicherweise wenig begeistert von ihren neuen denunziatorischen Aufgaben. Ebenso sind die Krankenkassen, die nicht mit Einsparungen rechnen, von den Vorgaben begeistert.
Für Tätowierte und Gepiercte wird es denn wahrscheinlich in Zukunft heißen: aufpassen, welchem Arzt Ihr Euch anvertraut und möglicherweise ist es unter Umständen preiswerter, bei einer Krankheit in Folge einer Tätowierung ins Ausland zu reisen.

Für Tätowierer und Piercer kann man nur hoffen, dass sie über eine gute Berufs- haftpflicht verfügen.
Und wer sich nach den Motiven des Gesetzgebers fragt, wo doch Ärzte und Versicherungen gegen diese Veränderung sind, dem sei gesagt, dass Lead meint: in den Zeiten wo der Staat bei seinen eigentlichen Aufgaben wie Bildung oder Chancengleichheit versagt, sucht er sich neue Betätgungsfelder. Die Überwachung der frechen Bevölkerung war schon immer ein gutes Mittel, die eigene Existenz zu rechtfertigen. Manche Menschen vermissen halt die gute alte DDR, selbst wenn sie dort gar nicht lebten.
PS: Und wie der Frankfurter Rundschau heute berichtete, verlangt der Bund der Kinderärzte ein Verbot von Piercings und Tätowierungen für Minderjährige. Und da meint Lead, der ja ein alter Sack ist, dies sei tatsächlich ein vernünftiger Vorschlag. Mit anderen Worten: er wird niemals durchgesetzt.