
Marek Pawlik, bekannt auch als Marzan, tätowiert seit 1994. Am Anfang tätowierte er in einem Keller und mit einem Stecher, gemacht aus vier Streichhölzer, einer Nadel und einem Faden. Sein nächstes Arbeitsgerät war eine selbstgebaute Maschine, die mit einem Motor aus einer Modelleisebahnlok angetrieben wurde. Sein Tattoostudio eröffnete Marek 1998. Am Anfang waren es 18m² in der ersten Etage. Mittlerweile zog das Studio wieder in die Souterrainräume um, wuchs zu imposanten Maßen von über 100m² und beinhaltet das Tattoostudio Sauron, Großlager für Piercingbedarf und ein Waffengeschäft. Als wir eines Tages zusammen in den wohlklimatisierten Kellerräumen saßen, haben wir beschlossen, Marek ein wenig auszufragen. Hier ist das Ergebnis unserer Bemühungen:
Du beschäftigst dich mit Tätowieren, Piercen und Computergrafik. Man könnte meinen, Du bist eine vielseitig begabte Person. Welche dieser Beschäftigungen bereitet Dir die meiste Freude?
Vor allem das Tätowieren. Piercen ist eine selbstverständliche Ergänzung, mit der ich anfing, als ich das Studio eröffnet habe. Und mit Computergrafik habe ich begonnen, als meine Firma zur Vertretung von Wildcat Collection für Polen wurde. Da musste einfach alles gemacht werden und weil es mit den Grafikern mal so mal so ist, habe ich beschlossen, alles selbst zu machen.
Warum ist für Dich das Tätowieren auf der ersten Stelle?
Tätowieren ist eine solche Form von Kunst, von der ich meine, dass sie bei allen an der ersten Stelle stehen sollte - bei allen, die sich damit beschäftigen -, weil, wenn dir jemand seine eigene Haut anvertraut, will etwas haben, was lebenslang hält, dann muss er dir vertrauen können. Wenn bei einem das Tätowieren aufhört, an der ersten Stelle zu sein, dann bin ich der Meinung, er sollte den Beruf wechseln.
Welchen Stil bevorzugst Du und was würdest du noch in Deiner Art zu tätowieren verbessern?
Ehrlich gesagt, ich mag in jedem Stil zu tätowieren. Ich habe keinen Stil, den ich besonders pflege. Es kann sein, dass die Verhältnisse in Polen, es auch nicht zulassen, dass man nur in einem einzigen Stil tätowiert. Ich mag Old School und New School. Ich mag auch sehr schwarz-weiße Arbeiten und schätze sie sogar mehr als die farbigen. Selbstverständlich versuche ich, zu verbessern, was ich mache. Es ist keineswegs so, dass ich mich auf den Lorbeeren ausruhe und der Meinung bin, alles bestens zu können, denn es ist einfach nicht so. Mir ist auch bewusst, dass es auch nie so sein wird. Ich würde Vieles an meinen Arbeiten verbessern, aber was genau das ist, davon möchte ich jetzt nicht sprechen.
Was inspiriert dich?
Alles. In der Tat alles kann inspirierend sein. Es gibt viele Menschen, die tätowieren und es schaffen, dass ich anfange, mich für eine Strömung zu interessieren. Vor kurzem ist zum Beispiel Macin zu uns gestoßen, der sehr gute künstlerische Grundlagen besitzt. Ich denke, das wird mir weiter helfen.
Wie kam es dazu, dass Marcin zu Euch gekommen ist?
Wir gaben eine Anzeige auf, dass wir einen Tätowierer suchen. Die Anzahl der Menschen, die bei mir hätten arbeiten können, ist inzwischen größer geworden. Doch diejenigen, die bereits was gemacht hatten, zeigten Arbeiten auf einem Niveau, das für die Arbeit im Studio nicht genügte. Marcin dagegen zeigte das, was allen anderen fehlte, nämlich sehr gute Malfertigkeiten und ein sehr gutes Verständnis für Tätowierung. Man musste ihm also keine Grundlagen beibringen.