
Polnische Politiker sorgten in der Vergangenheit in regelmäßigen Abständen für Staunen und Lachen in der Europäischen Union. Mit "die polnischen Wissenschaftler haben festgestellt" beginnende Nachrichten sind als Witz zu verstehen. "Kaum gestohlen, schon in Polen" ist auch einer der Sprüche, die die Meinung des Volksmundes kund tut und zu den hartnäckigsten Vorurteilen zählt. Spätestens seit Teresa Orlowski weiß auch jeder Mann in diesem Land, dass Polinnen aufregend heiß, sexy, willig und zugleich gerissen und geschäfttüchtig sind. Auf der anderen Seite sind aber die zahlreichen polnischen Haushälterinnen, Putzfrauen, Köchinnen und Au-pair-Mädchen, die als Hausperlen im Hintergrund agieren und ohne derer Arbeit so mancher vornehme deutsche Haushalt zugrunde ginge. Ohne die polnischen Saisonarbeiter würden Spargel-, Erdbeer- oder Gurkenernte hierzulande ins Wasser fallen und die Bauwirtschaft den Aufschwung Ost gar nicht bewältigen können. Polen ist mittlerweile der größte europäische Wirtschafts- und Handelspartner Deutschlands mit Wachstumsraten, von denen hierzulande so mancher nur träumen könnte. Ohne dass wir es merken, kaufen und konsumieren wir polnische Produkte.
Seit einiger Zeit gesellen sich zu den oben erwähnten Bildern neue dazu. Speziell im Tattoo-Bereich gewannen die osteuropäischen und insbesondere polnische Tätowierer viel Annerkennung. Sind sie auf westeuropäischen Conventions anwesend, sorgen sie mit ihren Arbeiten für Staunen und Begeisterung, oder, wie es neulich ein großes Fachblatt formulierte, für offene Münder. Mittlerweile formuliert sich auch die Tattooszene in Osteuropa und entwickelt eigene Strukturen, in denen sie funktioniert. Wie in der Jahresvorschau von Lead angekündigt, möchten wir in diesem Jahr im Guide die Tattooszene in Polen und polnische Tätowierer vorstellen. Einen ersten Einblick ermöglichte uns der Artikel über die neuere Geschichte der Tätowierkunst in Polen von Radek, dem Chefredakteur des polnischen Magazins "TattooFest" aus Krakau.
"TattooFest" ist eine der drei in Polen erscheinenden Tattoomagazine und zugleich das jüngste. Es erscheint seit April 2007. Die beiden anderen Magazine heißen auf polnisch "Tattoo", erscheinen ein Mal vierteljährlich und ein Mal halbjährlich und unterscheiden sich voneinander durch die Untertitel. Das eine heißt im Untertitel: "Körper und Kunst", das andere: "Körper und Kontext". "TattooFest" erscheint monatlich und heißt genauso wie die im Juni stattfindende Krakauer Convention. Kein Wunder, denn die Organisatoren der Convention – das Krakauer Studio KULT - zugleich das Magazin redigieren und verlegen.