
Während Sven A. Kirsten in seinem Buch die Betonung auf die kunsthistorischen Aspekte legt, unterstreicht Jochen Hirsch- feld die Bedeutung des Mythos um die Südseeinseln. Wie die "Bali Hai" sollten sie Paradiese voller bunter Vögeln, schöner Schwarzhaarigen in Kokosnuss- bikinis und von Hawaiigitarren- klängen und Wellenrauschen untermalten Sonnenuntergängen gewesen sein. Seit der Reisen und Entdeckungen von James Cook wurde die Südsee zu einem kollektiven Traum von Paradies. Die Heimkehrenden Soldaten des Pazifikkrieges bringen diesen Traum und ihre Sehnsucht nach Inselnpara- diesen mit ihren holden und willigen Maiden in die ameri- kanischen Vororte. Als Hawaii zu Bundesstaat der USA wurde, wurde zugleich eines dieser Paradiese zu einem leicht er- reichbaren Urlaubsort. Die Nation tanzt Hula und trägt Hawaiihemd.
Tiki Style und Polynesian Pop werden zu einem Big Business, in dem viel Alkohol und viel Dollars fließen und mit nackten Tatsachen nicht gespart wird. In dem Film kommen viele Größen der alten und der neuen Tikiszene zu Wort und erzählen z.B. wie es war, als der Mai Tai zum ersten Mal gemixt wurde. Während ich den Erzählungen der oft betagten Männer zuhörte, hatte ich hin und wieder den Eindruck, dass ein verschmitzes, leicht verwegenes Blitzen über die Gesichter huschte, das - wäre ich Doris Day - mich erregt mit den Augen klappern und erröten ließe. Der Film ist unbedingt jedem zu empfehlen, zumal Jochen Hirschfeld eine Fortsetzung plant. Dann, sagte er, wird auch mehr über Tattoos zu sehen sein, denn Tiki und Tattoos vertragen einander gut.