
Doch jetzt zurück zu dem Abend im EISZEIT Kino.
Dass es an dem Abend weitgehend um frühe Erlebnisgastronomie ge- hen würde, zeigte sich bereits am Anfang der Veranstaltung. Das zum Teil stilsicher geklei- dete Publikum (Männer: Hawaii- hemd, Bundfaltehosen, "fröh- liches" Sakko und Haartolle, Frauen: Tellerröcke mit Blumen- prints, enge Oberteile und Lockenfönfrisör bzw. Dauer- welle) erörterte in einer blitz- schnellen Diskussion noch bevor der Autor des Buches einen Hauch von Chance hatte, zu Wort zu kommen, Gründe der Schließung von "Tabou Tiki Room" - einer Tiki Bar am May- bachufer in Berlin. Als diese abebbte war Sven A. Kirsten offenbar so konfus, dass sein Diavortrag eine klare Struktur vermissen ließ. Die einfachen Fragen nach wer, wie, was, warum und vor allem warum heute wieder wurden in dem Vortrag nicht mal im Ansatz beantwortet. Statt dessen ähnelte er einem Diaabend, an dem die Fotos der Urlaubsorte gezeigt werden, die nur für die von Interesse sind, die dort waren und eine gemeinsame Erinnerung teilen. Jemand, dem das Thema nicht vertraut ist, so wie das bei meinem Fotografen der Fall war, wäre über diese Präsentation nur enttäuscht. Möglicherweise hatte sich diese Enttäuschung auf die Kamera übertragen, denn sie verweigerte ihren Dienst und wir konnten keine Bilder an dem Abend schießen.

Als zweiter Programmpunkt des Abends wurde eine 60-minutige Fassung von "Armchair Travel- ling" von Jochen Hirschfeld gezeigt. Der Film wog die Defi- zite des vorangegangenen Vor- trags auf und war ein wahrer Gewinn für die Veranstaltung. In knappen, witzigen Schnitten und nachträglichen Animationen von Archivmaterial wird vom Ur- sprung des Südseemythos, seiner Blütezeit als Tiki Style und Polynesian Pop und schließ- lich von seinem Wiedererwachen und dem heutigen Revival erzählt.