
Wenn der eigene männliche Nachwuchs nach der morgend- lichen Schüssel Cornflakes an- fängt, mit den Hüften zu schwingen und dabei zu singen "aloha-e, aloha-u", fragt sich Mutterherz, woher diese plötz- liche Neigung für Südseebräuche kommt.
Als mein Sohn mir dann noch eröffnete, zum nächsten Fa- sching möchte er unbedingt ein Baströckchen und Blumenkette tragen und ich sollte mir Gedanken machen, wie ich ihn mit etwas Fingerfarbe "richtig" tätowiere, stellte mich das vor eine Herausforderung unge- ahnten Ausmaßes. Dabei scheint mein Junior mit seiner Vorliebe nicht ganz allein zu sein, wie ich mich am Samstag, dem 22. September, im Berliner EISZEIT Kino überzeugen konnte. Der Anlass war das Erscheinen von "Tiki Modern", einem Buch, ver- legt vom Taschen Verlag, das zum Standardwerk über Tiki Style und Polynesian Pop werden könnte.
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Der Autor, Sven A. Kirsten, der aus Hamburg stammt, nach eigenen Angaben auf einem transatlantischen Frachter gezeugt wurde, in Los Angeles lebt, als Kameramann arbeitet, sich als "Urbanarchäologe" betätigt und als "Tiki Priester" bezeichnet, veröffentlichte bereits im Jahr 2000 ein Bildband mit dem Titel "Book of Tiki", das eine kleine Kulturrevolution hervorrief. Denn bis dato hatte niemand den Tiki Style der 50er und 60er Jahre in den USA, der als Trash abgetan wurde, in seiner Gesamtheit dargestellt und zum Thema eines ernsthaften Diskurses gemacht.