Bei den Germanen war es die apokalyptische Midgardschlange.
In der Johannesapokalypse des neuen Testaments ist er der Teufel selbst.
Im antiken Griechenland kämpften Zeus und co gegen sie.
In China waren sie Hüter des Wassers und Symbol der Kaiser.
Gemeint sind überall Drachen oder drachenähnliche Wesen.
Erzählungen und Mythen über Drachen gibt es in vielen Kulturen.
Ihre Bedeutung unterscheidet sich aber stark.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Vorstellungen von Drachen. Meistens sind es Mischwesen. Aus Teilen von Schlangen oder Echsen, Vögeln, Fledermäusen und etwa Fischen bestehen ihre Körper. Der chinesische Literat Luo Yuan stellte im 12. Jahrhundert fest, dass Drachen "Das Geweih eines Hirsches, den Kopf eines Kamels, die Augen eines Geistes, den Hals einer Schlange, den Unterkörper einer Muschel, die Schuppen eines Karpfen, die Krallen eines Adlers, die Tatzen eines Tigers, die Ohren einer Kuh" haben. Viele von ihnen wohnen in Höhlen oder Seen.
Oft können sie außerdem gift- oder feuerspeien. Viele Drachen fliegen. Sie sind stark, gefährlich und nur schwer verwundbar. Und sie beherrschen die Elemente. Das Blut dieser mythischen Fabelwesen macht unverwundbar, wie bei Siegfrid in der Nibelungensage und das Verspeisen der Drachenzunge ermöglicht, die Sprache der Tiere zu verstehen.
Der Begriff Drache kommt aus dem griechischen drákon, was so viel wie "scharf blicken, wild dreinschauen" heißt. Über das Lateinische draco gelangte es in den germanischen Sprachraum, bis es zu unserem Wort "Drache" wurde. Hier war war ursprünglich die Bezeichnung "Wurm" oder Lindwurm" für Drachen viel verbreiteter. Der Begriff "Lindwurm" stammt aus den althochdeutschen und altnordischen Wörtern lindie "weich, biegsam" und ormr "Wurm, Schlange". Das Wort "Lindwurm" bezeichnet somit eine sich windende, biegende Schlange. Es ist doppeltgemoppelt.
Im europäisch- westlichen Kulturraum sind Drachen meist Ungeheuer. Sie sind gefährlich, böse, hüten Schätze und fordern häufig Menschenopfer. In harten Kämpfen können sie meist von tapferen oder listigen Helden getötet werden. Oft sind sie auch Symbol der Kraft und der Stärke. Sie zieren militärische Rangabzeichen oder Wappen. Die Waffengattung der "Dragoner" etwa verdankt diesen Fabelwesen sogar ihren Namen.
Im antiken Griechenland galten Drachen als reale Wesen. Zeus, Apoll, Herakles kämpften gegen Drachen. Perseus lies sich von einem verschlingen und tötete ihn von innen heraus, um so Andromeda vor dem Tod zu retten. Über die Griechen gelangte der Glaube an Drachen zu den Römern. Beeinflußt etwa durch Inder, Perser und Skythen wurden Drachen als Feldzeichen benutzt. An Stangen wurden metallgetriebene Drachenköpfe befestigt. Daran wurde ein Stoffkörper angenäht, der sich bei Wind aufblähte und Feinde erschrecken sollte.
Durch diese Drachenstandarten gelangte wahrscheinlich im 7. Jahrhundert die Vorstellung vom "Wurm" oder "Lindwurm" nach Nord- und Mitteleuropa.
Bei den Germanen waren Drachen eher schlangenartig. Das galt zum Beispiel für die Midgardschlange, mit der Thor kämpfte. Auch Fafnir, der Drache den Siegfrid in der Nibelungensage bekämpfte, ähnelte einer Schlange.
In der Bibel taucht bei Jesaja im alten Testament Leviathan auf. Er hat die Gestalt einer schuppenbedeckten Schlange. Leviathan ist unverwundbar. Aus Mund und Nase fahren Flammen und Rauch – und eines Tages wird er Gott erschlagen, wie es bei Jesaja heißt. Die Schlange ist, wie schon in der Vertreibung aus dem Paradies, der Teufel selbst.
In der Johannesoffenbarung kämpft der siebenköpfige Drache gegen den Erzengel Michael und seine Engel. Aber "er wurde gestürzt, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt und die ganze Welt verführt". Der Drachenkampf des Erzengels Michaels ist Vorbild für viele christliche Drachenkämpfer. So tötet der hl. Georg einen Drachen, der Menschenopfer verlangt. Der hl. Margareta erscheint im Gefängnis eines dieser Ungeheuer, verschlingt sie und verschwindet erst, als sie in seinem Inneren ein Kreuzzeichen schlägt.
Neben den gefürchteten Lindwürmern gibt es in den alpenländischen Sagen noch zahlreiche Sonderformen von ähnlichen reptilien- oder schlangenartigen Ungeheuern. Die "Tatzelwürmer" sind nach einer Sage aus der Steiermark ungefähr einen halben Meter lang, bräunlich und sehr gefährlich. Vier Füße, einen Katzenkopf, einen langen Schweif und giftige Zähne haben etwa im Salzburger Raum beheimatete "Bergstutze". Erzherzog Johann ließ sogar ein Kopfgeld auf sie aussetzen. Seltener sind "Mostwürmer", die angeblich nur in Weinkellern in Niederösterreich leben. "Kaswürmer" dagegen gibt es wirklich. Man glaubte, dass sich verfeindete Sennerinen diese "Schlick- oder Madenwürmer" in die Milchprodukte hexen.
In China werden Drachen fast immer als gute, wohltätige Wesen gesehen. Sie bringen Wasser, helfen gegen böse Geister, spenden Reichtümer. Drachen sind Hochzeitssymbole und Leichentransporteure. Sie sind Herrschafts- und Schutzsymbol.
Nüwa und Fuxi, die chinesischen "Adam und Eva" stammen von Drachen ab. Auch einige chinesische Kaiser, wie der sagenhafte Gelbe Kaiser oder der halbhistorische Große Yu, gelten als Drachenabkömmlinge.
Die Drachen und Drachenkönige herschten über das Wasser. Die Drachenkönige konnten gut oder böse sein. Ihr oberster Herrscher im Himmel war der daoistische Jadekaiser und auf der Erde der chinesische Kaiser selbst. Die chinesischen Kaiser wurden als "wahre Drachen" verstanden.
Der jeweilige Kaiser musste durch tugendhaftes Leben und durch Opfer für die benötigte Menge Regen sorgen. Auf den Roben des Kaisers ist deshalb ein ihn symbolisierender, dampfausstoßender Drachen abgebildet, desesen Dampf in Wolken kondensiert und als Regen niederfällt.
Der Drache ist ein Sternzeichen. Heuer wird das "Jahr des Drachen" gefeiert. Schon seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. finden beim Mondneujahr Drachentänze statt, die die bösen Geister vertreiben und eine gute Ernte sichern sollten. Aber auch etwa bei Dürre oder Seuchen wurden Drachentänze aufgeführt. Ein Leinwanddrache wurde durch das Dorf getragen und mit Wasser besprengt, wenn eine Dürre herrschte. Bei Seuchen wurde ein Weihrauchdrache eingesetzt. 1999 wurde am 1. Mai in Peking zum 50. Jubiläum der Volksrepublik China ein Drachentanzwettbewerb aufgeführt.
Heute noch wird der 2. Tag des 2. Mondmonats, als Tag, an dem der Drache aus dem Winterschlaf erwacht, gefeiert. Am 5. Tag des 5. Mondmonats finden Drachenbootrennen statt.
In südlichen China fahren jeweils 50 Mann ein Rennen in schmalen Drachenbooten gegeneinander. Wahrscheinlich geht der Brauch auf alte Opferriten zurück. Diese wurden aber im Laufe der Zeit vom Gedenken an den Staatsmann Qu Yuan überlagert, der sich aus Kummer über sein Land ertränkt hatte.
Weltweit hat die Faszination von Drachen und Lindwürmern im Lauf der Jahrhunderte nicht nachgelassen. Die Filme "Die unendliche Geschichte" oder "Jurassic park" sind dafür gute Beispiele. Man begegnet den alten Ungeheuern auf Rüstungen und Uniformen, auf Ortswappen, in Zeichentrickfilmen, wie bei Grisu ("Und ich werde Feuerwehrmann!") oder im Supermarkt (etwa Wicks "Rachendrachen").
Teilweise sind Drachen, vor allem in Europa und den USA, zu niedlichen, Walt-Disney tauglichen Figuren geworden. Es gibt zahlreiches Spielzeug, wie etwa von Playmobil, oder Stofftiere, in Drachengestalt.
Überall im heutigen China stößt man auf Drachen. Es gibt Drachenbrunnentee, Drachenmineralwasser oder Wecker mit ihren Abbildungen zu kaufen. Im Fengshui haben Drachen große Bedeutung.
Aus Fossilien gewonnene "Drachenknochen" werden zu Medikamenten verarbeitet.
Es gibt in manchen Restaurants für Gourmets "Tiger- und Drachenfleisch" zu essen. Dahinter versteckt sich jedoch Fleisch von Katzen und Schlangen.
Nicht zuletzt sind Drachen eines der beliebtesten Tattoomotive überhaupt. Kein guter Tätowierer ohne eine reiche Auswahl an Drachenmotiven in verschiedenen Stilen. Die Bandbreite der Drachentattoos ist riesig. Vom verspielten Kuscheldrachen bis zum menschenverschlingenden Ungeheuer findet sich alles. Besonders der japanische Stil wäre ohne sie undenkbar.
Durch ihre längliche, biegsame Gestalt sind Drachen ein dankbares Motiv, das den meisten Körperstellen angepasst werden kann. Es dürfte fast keine Stelle geben, um die sich noch kein Drache, Wurm oder ähnliches Getier geschlängelt hat.
Moderne Drachen sind häufig kinderzimmertauglich.
Nur manchmal spürt man noch ihr ursprüngliches Wesen. Wenn sie, etwa als triviale Saurier getarnt, bei "Godzilla" oder ähnlichen Filmen, Atomwaffen standhalten, sind sie wieder da – die alten Monster.
Igor Eberhard
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