|

 » Gallery 1


Die Bilder von Chet Zar in Berlin
Was haben Filme wie MEN IN BLACK, die X-MEN und Bands wie
SYSTEM OF A DOWN und TOOL mit der düsteren Seite des Lebens
gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Erst beim zweiten
Hinsehen schält sich eine Gemeinsamkeit heraus: CHET ZAR.
CHET ZAR ist nicht irgendeine Verbindung. Er ist Grafiker, Makeup-Artist,
3D-Modellbauer, Animationsfilmemacher für die Filmindustrie und und und.
Wenn ihr euch etwa an die große, eklige Kakerlake aus MEN IN BLACK II,
an die Figuren aus den X-MEN 3 oder an den Horrorfilm THE RING erinnert:
CHET ZAR. Daneben hat er beispielsweise bei Filmen wie FANTASTIC 4,
HELLBOY, PLANET OF THE APES, BATMAN AND ROBIN, VERRÜCKT NACH MARY,
NUTTY PROFESSOR und bei der ADDAMS FAMILY mitgearbeitet. Ja, genau.
Der Mann kann was. Da wir hier nicht bei TV Media sind,
zurück zur Kunst. ZAR hat Makeup-Effects für SYSTEM OF A DOWN
gestaltet. ADAM JONES, der Gitarrist der Progressive Metaler TOOL
ist ein Freund von ihm, mit dem er eine zeitlang gemeinsam jammte.
Für TOOL arbeitet er seit 1998. Mit dem berüchtigtem und auf MTV nur stark
zensiert ausgestrahlten Video "Stinkfist", begann die berufliche
Zusammenarbeit. Diese Form des Miteinanderarbeitens ist für ihn
tiefergehender, da ZAR, wie er sagt: "geholfen hatte, viele ihrer
Videos mitzugestalten und das Makeupdesign für diese zu entwerfen.
Ich habe auch viele ihrer 3D-Animationen für die Videoprojektionen
ihrer Live-Shows entworfen. 2004 habe ich einige dieser Animationen
auf einer DVD mit dem Titel ‚Disturb the Normal’ veröffentlicht.
Außerdem habe ich einen Teil ihres T-Shirt-Artworks und die
3D-Computerbilder für ihre ‚Salival’-DVD gestaltet."
Außerdem ist er Künstler und malt Ölbilder. Deshalb auch dieser Artikel
über ihn. Musik ist auch in diesem Bereich wichtig, denn "Musik beeinflusst
meine Arbeit in Form von Inspiration. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich
mich bemühe, Gefühle, die durch Musik ausgelöst wurden, in meine Bilder
einzubringen."
Schon als kleines Kind wollte er malen. Der Wunsch Künstler zu sein,
ein eigenes Studio zu haben und zeichnen zu können was er wollte,
war immer da.
"Ich habe gemalt, so lange ich mich erinnern kann, aber als Kind habe ich
mehr gezeichnet und als Teenager mehr bildhauerisch gearbeitet, da ich mich
für Makeup-Effects interessiert habe. Als ich Profi im Filmbusiness geworden
bin, konnte ich jede Menge Erfahrungen im Gestalten von Kostümen, Prothesen
und ähnlichem für irgendwelche Geschöpfe sammeln. Aber erst 2002 habe ich
ernsthaft begonnen in Öl zu malen."
Zar hatte sich das meiste, was ihn interessierte aus Büchern
und durch Experimentieren selbst beigebracht.
Seine Bilder verstören, befremden, vielleicht widern sie an. Manchmal
wahrscheinlich auch das. Sie berühren irgendetwas in uns, eine schmerzhafte,
dunkle Stelle, einen Ort, der dunkel dunkel dunkel ist.
Die meisten seiner Bilder sind schaurig, düster, manchmal vielleicht auch
grausam, doch nie ohne Humor. Man spürt seinen Humor, fast wie ein Messer
an der Kehle.
Die Themen seiner Zeichnungen waren "immer düster für mich. Ich weiß gar
nicht, ob ich ‚Hübsches’ zeichnen kann. Ich kann so etwas schätzen, habe
jedoch kein Gefühl dafür, wie es mir mit dem dunklen Zeug geht." Woher das
kommt? "Ich hatte immer ein immenses Interesse an dunklen und ungewöhnlichen
Bildern. Monster und Horror waren die üblichen Themen meiner Kinder-
zeichnungen und ich habe Horrorfilme geliebt." Möglicherweise liebte
er schon als kleines Kind Monster mit blutigen Messern und die blutigen
Köpfe, weil seine Familie "zu dieser Zeit langsam auseinander brach.
Dort gab es viele Kämpfe, wenig Gespräche" und seine schaurigen Kinderbilder
gaben ihm "einfach das Gefühl, sich irgendwie besser zu fühlen". Er verbrachte
viel Zeit alleine und fürchtete sich. Dadurch kam er irgendwann zum Malen, das
es ihm ermöglichte diese Gefühle zu externalisieren. Später fasste ZAR den
Entschluss, als Künstler "genau das zu malen, was ich will, ohne Kompromisse
für den Verkauf oder die Akzeptanz der breiten Masse zu machen. Düstere
Themen sind es, die mich interessieren." Furcht ist eine Basis seiner Gemälde,
zersetzt sie, umgarnt die Bilder und macht sie auf eigenartige
Weise fremd für uns.
Düstere, furchterregende Themen bilden somit auch den Schwerpunkt
seiner Ausstellung "Stranger" in der Berliner Strychnin Galerie.
Strychnin hat sich in relativ kurzer Zeit einen Namen für die außergewöhnliche
Kunst, die dort ausgestellt wird, gemacht. Innerhalb eines Jahres gab es dort
etwa Ausstellungen von PAUL BOOTH, DAVID VICENTE, MIMI S oder LUIS ROYO,
um nur einige Höhepunkte zu nennen. Nun also auch CHET ZAR.
Für ZAR "repräsentieren meine ausgestellten Bilder eine Menge Dinge für mich.
Auf einer technischen Ebene, denke ich, sind es meine bis dato besten Bilder.
Auf einer eher persönlichen Ebene zeigen sie mein Selbst-Vertrauen Kunst aus
den tiefsten Teilen meines Unterbewusstseins zu schaffen, ohne Angst und ohne
bewusstes Ziel. Die Show nennt sich ‚Stranger’ und der ‚Fremde’ ist der Teil
meines Lebens, den ich durch die Malerei ausdrücken möchte." Sicher werden ihn
nicht viele um sein Unterbewusstsein beneiden. Doch CHET ZARs Gemälde sind
ungewöhnlich, passen in kein Schema. Dadurch werden seine Bilder zu etwas
Besonderem. Zu etwas, das man gesehen haben sollte. Die Bilder sind nicht
unbedingt "schön". Eher bringen sie Unruhe in die Normalität. Es ist ein
vergleichbares Phänomen wie bei einem Autounfall.
Man will nicht hinschauen, kann jedoch nicht mehr denn Blick davon lassen
und bleibt fasziniert davor stehen. Die "Stranger"-Schau wirkt ähnlich.
CHET ZAR macht Kunst, die schmerzt, berührt und, die man nicht mehr so
leicht vergisst. Wie ein guter Horrorfilm, nur ohne Popcorn.
Igor Eberhard
Chet Zar: Stranger
STRYCHNIN GALLERY
Vernissage Chet Zar: 16. Februar
Ausstellung 16. 2. -11.3.
Boxhagenerstrasse 36
Berlin 10245
www.strychnin.com
|
 |
|