
Endlich! Während die meisten Deutschen jubelnd auf den Strassen herumhüpfen hat sich unsere garantiert korruptionsfreie und jedewege demokratische Regel beachtende Großkoalition auf eine Gesundheitsreform geeinigt.
Nun wird sich der eine oder andere fragen, was das jetzt hier zu suchen hat? Ob das denn nicht ein langweiliges thema ist?
Nun, langweilig vielleicht, aber erstens geht es uns alle an und man sollte immer die Augen offen haben und zum zweiten berühren einige Teile der Gesundheitsreform direkt das Marktsegment Tattoo und Piercing.
Es fällt mir immer schwer, die bösen Worte, die mit f beginnen, zu vermeiden, wenn ich über die Arbeit unserer Großkoalition spreche und schreibe; aber ich habe hier im büro versprochen nicht mehr soviel zu fluchen, auch wenn mir gerade danach ist, da mir mal wieder klar wird, warum es soviel besser ist, sich im Winter stechen zu lassen, wenn ein frisches Tattoo nicht juckt wie die Hölle.
Kurz zu Erinnerung: das Gesundheitssystem in Deutschland hat Spitzenpreise aber nur eine mittelmäßige Leistung. Und da die Kosten immer weiter steigen und sich die Krankenkassen, zumindest die öffentlich rechtlichen, über die Löhne finanzieren, führt dies zu immer höheren Kosten des Faktors Arbeit, was angesichts der Arbeitslosenzahlen und der globalen Konkurrenz gift für Wirtschaft und Gesellschaft ist.
Und so beschlossen unsere Weisen, den Weg zu gehen, den andere modernere Länder schon vor 15 Jahren gingen, Gesundheitskosten (oder sollte es nicht Krankenkosten heißen?) auf die Steuer umlegen und von den Löhnen abkoppeln.
Nun wären wir aber nicht in good old Germany, wenn eine unserer wohlfinanzierten Parteien pragmatisch und zielorientiert an die Reform rangehen würde. Nein, nein, die eigene Klientel muß bespasst werden, es gilt die Lobbyverbände ruhig zu stellen denn schließlich, welcher Politiker verscherzt es sich denn schon mit seinen zukünftigen Arbeitgebern?
Ich gehe an dieser Stelle auf die Details der Gesundheitsreform (Reform ist, wenn man trotzdem lacht) nicht ein, da diese auch noch nicht bekannt sind, sondern möchte erstmal alle beruhigen, die befüchten, dass die Hauptnutzniesser des Gesundheits-Industriellen-Komplexes die ein oder andere Milliarde weniger verdienen. Keine panik, dazu wird es nicht kommen, zahlen wird, wer hätte das gedacht, der einzelne Bürger, vor allem aber die Arbeitnehmer.
Ich weiß ja nun nicht, wieviele unserer geneigten Leser bei diesem unsexy Thema hier noch weiterlesen, nur soviel: ich komme noch zum thema Tattoo und Piercing. Und wenn Du ein Tattoostudio hast oder dein Geld im Bereich Piercing verdienst, würde ich Dir verdammt nochmal raten, weiter zu lesen.
Nur mal kurz und zwischendurch: ja, unsere überaus fähigen politischen Eliten sind mit dem Ziel angetreten, die Lohnnebenkosten zu senken, ja genau diese Flachzangen erhöhen jetzt die Lohnnebenkosten.
Und nun, ich habe es versprochen, komme ich zu den Auswirkungen auf die Tattoo- und Piercingscene: Erstens, wenn die Bürger weniger Geld in der Tasche haben, werden sie auch weniger Geld für ein Tattoo ausgeben und zweitens - und hier kommt ein echter Hammer auf Euch zu, Kinder - muss man eine sehr kleine Bemerkung von vom SPD-chef Beck beachten (das ist der Typ, der aussieht, als hätte er in seiner Ahnenreihe den einen oder anderen Pandabären): Er sagt nämlich, der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen würde nicht geändert werden, es würde nur wenige Ausnahmen geben: "etwa wenn sich nach einem Piercing die Wunde entzünde. In diesem Fall müsse der Patient für die Behandlung selber aufkommen."
Diese Aussage zeigt natürlich erst einmal, dass Politbär Beck ein populistischer Bär ist. Dies ist nun aber nicht neu. Er ist nicht der Erste, der die Gleichung tätowiert und gepierct = b&ounl;se aufstellt. Und er ist nicht der Erste, der so irrt (oder auch nicht).
Sie zeigt aber den - aus meiner Sicht - sehr gefährlichen Drang, unserer wirklich demokratischen Führung bestimmen zu wollen, was für uns Bürger das Beste sei. Der Staat unterscheidet nun zwischen bösen und guten Krankheiten.
Dabei wird immer gern das Argument der Selbstverantwortung herangezogen. Dazu nur soviel: keine Person in dieser Regierung ist auch nur einen Zentimeter an einer Selbstverantwortung der Bürger interessiert. Es geht immer und vorrangig um Machterhalt und Kontrolle.
Ein Beispiel: Eine gute Krankheit ist, wenn eine 16-jährige versucht Tennisprinzessin zu werden und an einer Geleknsentzündung scheitert, ist das in Ordnung.
Wenn die Abgeordnetenehefrau abends im Stadion beim Finale, trotz ihrer Freikarten ein Stechen im ohr verspürt, weil sich die Fassung des neuen Brillianten, den sie auf einer Informationsreise der deutschen Pharmaindustrie nach Südafrika günstig erstanden hat, entzündet, ist das mehr als ok (umso mehr, da deutsche Politiker eine staatliche Beihilfe zu ihrer Krankenversicherung erhalten, im letzten Jahr alleine 5,7 Millionen € nur für die Bundestagsabgeordeneten).
Wenn Du Dir aber Angela Merkel auf den Rücken tätowieren läßt und Du allergisch reagierst, weil die moderne Industriegesellschafft immer noch Unmengen an Schadstoffen ausbläst und Dein Immunsystem irgendwann sagt: kann nicht mehr, ist das NICHT ok!
Und wenn Du Tätowierer nun denkst: na und? Sage ich Dir: was glaubst Du denn, wird unser kleiner Allergiker denn machen, wenn er auf den Kosten für seine Medikamente sitzenbleibt. Er wird zu Dir in Studio kommen und Stress verbreiten. Du solltest also im nächsten Jahr vor dem Termin nachfragen wie denn der Kunde versichert ist.
Und dann kannst Du Dir auch gleich einen Termin bei Deiner Haftpfichtversicherung geben lassen, denn die wirst Du im nächsten Jahr brauchen. Frag schon mal die Kollegen und Kolleginnen aus den USA, die kennen das schon gut.
Es gibt bei der Sache jedoch ein Ding, dass mich wirklich beruhigt: schaue ich mir die breiten Hinterteile von SPD-Chef Beck oder Gesundheitsministerin Schmidt an, weiß ich eins: Krankheiten, die ihre Ursache im selbstverschuldeten Übergewicht haben, werden garantiert immer von der Kasse getragen.
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