Frankfurt, du in Beton gegossene Metropole des großen Geldes. In dem Gebirge
Deiner Bankentürme gibt es dunkle Täler, in denen die Menschen keine
Bossanzüge tragen und im BMW-Geländewagen, die gefährlichen Steigungen der
Bürgersteige überwinden.
Nein, in diesen Naturschutzgebieten hinter den Banken wird vielmehr Farbe
auf und unter die Haut gebracht; und zwar auf eine Art, die uns gefällt. Und da die Talbewohner auch mal auf Reisen gehen, konnte ich die Gelegenheit
nutzen, Astrid von Drauf und Dran Tattoo zu interviewen, die anlässlich der
Flash Release-Party in Berlin war.
Lead: Astrid, meine erste Frage, die sich nicht um Sex oder Drogen dreht, lautet ja
normalerweise, wie bist Du zum Tätowieren gekommen?
Astrid: Ich habe schon immer viel und gern gezeichnet und mich für Mode- und
Grafikdesign interessiert. Irgendwann so mit 21 nach meinem ersten Tattoo,
war dann klar, es muss Tätowieren sein. Es wurde nur schwierig, jemanden zu
finden, der es mir beibringt. Das war seinerzeit nicht so einfach, wie heute.
Der erste Versuch endete damit, dass das Equipement am Ende weg war. Und das
zu einer Zeit, als es nicht an jeder Ecke einen Tattoosupplier gab.
Tony Lynx brachte mir die Grundzüge des Tätowierens bei, der Rest kam über
den Austausch mit Kollegen. Damals bin ich viel rumgereist.
Irgendwann stand ich dann vor dem entscheidenden Schritt, das Hobby zur
Profession zu machen.
Lead: Und dann hast Du gleich Dein Studio aufgemacht?
Astrid: Nicht ganz, erst hatte ich zwei Jahre zu Hause gearbeitet, ganz offiziell mit
Gewerbeschein und danach mein erstes Studio in Limburg eröffnet. Das war
1995, praktischerweise war das Studio neben einer Kneipe.
1998 habe ich dann mit meinen neu gewonnenen mitstreitern petra und gregor
das "Heaven and Hell" in Limburg eröffnet � den Laden gibt es natürlich
immer noch. 2004 ging es dann endlich in die große Stadt, endlich etabliert.
Lead: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
Astrid: Lange habe ich gedacht, ich habe gar keinen eigenen Stil. Mein besonderes
Talent ist es, mich in die verschiedensten wünsche meiner kunden reinzudenken und mich auch auf Vorhandenes einzustellen. Ich kann mich sehr gut in verschiedene Stilrichtungen einfühlen. Um meinen eigenen Stil zu beschreiben, würde ich sagen:vorwiegend bunt mit
klaren Kontrasten und einer positiven Grundaussage.
Lead: Und was sind Deine Favoriten?
Astrid: Blumen und Herzen, Gesichter, Pin ups, Mangas, Rock 'n' Roll, aber auch
orientalische und asiatische motive.
Lead: Und was magst Du nicht?
Astrid: Evil Clowns, aufgerissene Haut und Horrorfratzen. Wenn ich einen Schädel
zeichne, kann es sein, dass er freundlich aussieht. Viele Tätowierer bleiben
ja ihren Image treu und zeichnen immer das Gleiche. Ich habe da einen
breiteren künstlerischen Ansatz.
Lead: Du malst auch Bilder in Acryl, wo ist der Unterschied zum Tätowieren?
Astrid: Beim Tätowieren besteht die Aufgabe darin, die Kunst in etwas Lebendiges
einzubringen. Und da man auf den Kunden eingehen muß, entstehen neue
Impulse.
Lead: Wer hat Dich beeinflusst?
Astrid: Im Anfang: Bernie Luther, Claus Fuhrmann und Tin Tin. Da sind natürlich noch
mehr, aber die drei fallen mir als erstes ein.
Lead: Und was malst Du auf Acryl?
Astrid: Hauptsächlich Traumbilder In letzter Zeit tattooähnliche Motvie, vielfach
Blumen in ornamentaler Form.
Lead: Auf welchen Convention kann man Dich dieses Jahr sehen?
Astrid: Frankfurt, Paris, New York und Amsterdam.
Lead: Du machst auch das Tarot-Tattooprojekt, kannst Du dazu etwas erzählen?
Astrid: ja, das ist eine Idee mit einer langen Vorlaufzeit. Es geht darum,
ein Set Tarotkarten mit Tattoomotiven zu entwerfen. Und so habe ich die
Londoner Tattoo-Convention genutzt und habe die Idee anderen Tätowierern
vorgetragen und die Motive verteilt. So soll dann ein Kartenspiel in
limitierter Auflage als eine art Collectoers-Item entstehen. Mehr kann man
unter
www.tattootarot.com erfahren.
Lead: Astrid, ich danke Dir für das Gespräch und ich hoffe, wir hören bald mehr
über die Tarotkarten
www.tattootarot.com
www.drauf-und-dran.de
Fotos: von Astrid
Texte: von Lead