Tattoo Guide Logo
Tätowierungen und subkultureller Lifestyle

Tattoo Guide


Tattoo
1
Studio Guide
Studio-Finder

Studio-Vorstellung

Künstler-Vorstellung
Conventions
Berichte

Kalender

Misc
Misc

Mein Tattoo

Webseite des Monats

Gallery

Links

Lifestyle
Music

Media

Fashion

Krimi-Ecke

Tattoo Guide
Guide Interna

Services

Guestbook

Contact

Home

Home


  INSIDE | Kunst kommt von Kunststoff

  Overview
 


Tinte um Tinte 3:

 

Tinte um Tinte 2

 

Zwischenbericht: Im Streichelgehege oder die Fütterung der Drachen. Tinte um Tinte 3

Einmal nach einer Performance meinte eine nette, alte Dame vom Verein "Freude am Lesen" – oder so ähnlich – der Wiener Volkshochschulen zu mir: "Lieber Herr, sie sind krank! Sie sind ja krank!" (ich liebe es, wenn sie das sagen!) – und sie hatte wohl nicht ganz so unrecht.
Vor kurzem hatte ich daher die monumental-neuartige Gelegenheit eine längere Auszeit zu nehmen: eine Kur, besser gesagt (Nein, es war keine andere Art von Anstalt!!). Ganz wie viele alte Menschen im Zwischenreich zwischen Alter und Tod. Und dazu ich – und meine vielen, bunten Drachen.
Als stark Tätowierter unter vorwiegend Rentnern, Pensionisten und Gebrechlichen (jetzt mal abgesehen von mir selbst)? Geht Herbert Hoffmann jemals in Kur? Wenn ja, bitte jetzt! Bitte!
Kann das gut gehen? Nein, es kann nicht, nicht so ganz jedenfalls.

Tinte um Tinte 3Kuren ist eigenartig. Es ist eine Reise in eine ferne, fremde Welt voller unbekannter Gefahren und Schrecken (Kurschatten! – in meiner Teeniezeit hatte ich mir einmal mit Freunden einen Film angesehen, der mich tief verstört hatte: "Großmütter pervers". Und das "Perverse" war es nicht, was verstörte... Urängste wurden wieder wach: Ödipus der seine Mutter verspeiste, die Legende vom Gerontogigolo und so weiter und so fort). Es war eine Reise voller Klischees und Erwartbaren für mich: Eingepfercht für einundzwanzig Tage (das sind genau 504 Stunden oder 30240 Minuten!!!) mit hunderten anderen, ausschließlich kranken Menschen, fast alle zwischen 50-70 Jahre alt (insgesamt galten wir dennoch als "junger Turnus"). Die wenigen "Kurgäste", die jünger waren, diese robusten Teile in der Summe des welken Fleischs: entweder schwerst depressiv, 150kg aufwärts oder sonstwie schwergeschädigt (ratet mal zu welcher Kategorie ich gehört habe!). Inmitten dieser Kadaverherde: mein eigener Kadaver und Ich. Ja, toll.
Fast jeden Tag war Programm(!)-beginn um sechs Uhr morgens. Immer ganz unterschiedlich lange, manchmal bis mittags, manchmal bis spät am Abend. Bei jedem Programmpunkt ist grundsätzlich Anwesenheitspflicht (bei Nichterscheinen oder zuviel Zuspätkommen wird man zurückgeschickt und muss die Kur komplett selbst zahlen – sind mehrere tausend Euro.)
Alles ist reglementiert und geordnet. Einordnen oder gehen. Ausgang ist zwischen den Programmpunkten bis um zehn am Abend. Danach wird abgesperrt, zugesperrt und abgeschlossen. Ja, genau: Jugendstrafvollzug, nur ohne die dazugehörige Jugend.
Auch "1984" hat seine guten Seiten und selbst im Fango-Gulag siegt das Gute über das Schlechte oder so. Viele Massagen, Bäder in radioaktivem Wasser (Radon), Unterwassermassagen, Hunger, Sport, Gymnastik, Unterwasserfitness, oder "Progressive Muskelentspannung" (die Therapeutin hatte leider die Stimme eines alten Tonbandes und wenn sie sagte "Wir entspannen JETZT", hätte eigentlich das Tonband reißen müssen, aber nein, das jeierte jeierte jeierte nur...) Das schöne war: man konnte oft nackt sein und durfte vor den durchaus nichtunattraktiven Therapeutinnen ganz ohne Kleidung Spalier laufen, damit sie einen abtrocknen, in warme Decken wickeln und in den Schlaf streicheln konnten. Mach ich doch gerne. Mach ich doch glatt. Da bleib ich doch im Streichelgehege.
Nacktheit verbindet. Sehr bald kannten mich alle. Nicht nur jünger und etwas "krank" (leider war die Dame von den Volkshochschulen diesmal nicht dabei. Ein Gruß an dieser Stelle an die Wiener Volkshochschulen!), sondern auch zutätowiert. Bis auf einige richtig miese klassische Knastarbeiten, war ich die prächtige Ausnahme. Und das erstaunliche war: Vor allem einige der (hab ich’s schon erwähnt?) nicht unattraktiven Masseusen waren ganz begeistert von meinen kleinen Jungs, den Drachen auf meinem Körper und fütterten sie mit besonders vielen Massage- und Streicheleinheiten. Die älteren Herrschaften freuten sich auch, hatten ein Gesprächsthema und machten mich so zum unfreiwilligen "Botschafter" für die Tattoo-Community.
Wieder etwas gelernt.

Fingo Frösterchen ("Der kranke Mann")


P. S. Die "Einöde der Weichei-Satanisten" wird beim nächsten mal fortgesetzt.

 

   


   Tinte um Tinte 3



   Tinte um Tinte 2



   Tinte um Tinte



   Intro - Kolumnen





 
 
recommend this page     e-mail     Impressum