
Sabine Gaffron ist mit Sicherheit eine der renomiertesten und bekanntesten Tattookünstler weltweit und so war ich natürlich begeistert, dass sich eine Gelegenheit gab, ein Gespräch mit ihr führen und ihr dabei auch noch bei der Arbeit zuzuschauen.
Sabine arbeitet im Moment im Ausland. In Schweden und in der Schweiz. Mit ihrer Heimatstadt Berlin verbindet sie eine Hassliebe (das geht wohl Allen so). Auf der einen Seite kommt sie aus Berlin, ist dort geboren und aufgewachsen, auf der anderen Seite ist Ihr die Stadt aber zu aggressiv und kaputt. "Es fördert die Mauern im Kopf" und die möchte sie abbauen, denn für Ihre künstlerische Arbeit muß das Umfeld stimmen: die Einwohner, Freunde, der Umgang miteinander, die Luft, das sind Dinge die für Sabine positiv einwirken sollen, um sich weiterzuentwickeln. Berlin fordert viel und die Energie, die die Stadt verbraucht nutzt Sabine lieber für konstruktiveres.
In den 90er Jahren hatte Sabine Gaffron noch ein Studio Bi Ja in Berlin Kreuzberg, aber der Laden hielt Sie davon ab zu reisen. Nachdem Sie zuerst versuchte Geschäftsführung des Studios mit dem Wunsch nach Reisen und Weiterentwicklung unter einen Hut zu bringen, entschied sie sch letztendlich doch dazu den eigenen Laden aufzugeben und hat diesen Schritt nie bereut.
Mit dem Tätowieren begann Sabine Ende 80er Jahren, verwurzelt in der berliner Punk- und Hausbesetzerscene traf sie dort irgendwann auf Bernie Luther, der damals einer der ersten war, der die Tribals aus Borneo nach Europa brachte. Diese Begegnung war prägend, danach wollte Sabine tätowieren.
Nun war es Anfang der 90er Jahre nicht so einfach wie heute, mit den Tätowieren anzufangen: es war schon sehr schwer sich überhaupt das Equipment zu verschaffen. Die Scene der Tätowierer war nach außen sehr verschlossen, es gab keine Internetshops und nicht in jeder Kreiststadt einen Tattoo- und Piercingshop.
Zumal es für eine Frau die Sache noch heftiger war. Und so dauerte es einige Jahre, bis Sabine das Equipment und vor allem auch eine Stelle zu Ausbildung zusammen hatte.
Die Anfangszeit war sehr hart. Sabine unter den Bikern war immer das kleine süße Mädchen. Aber das was sie mehr beeindruckte waren die Sachen von Bernie Luther und nicht nur dies, sondern auch die Möglichkeit außerhalb der konformen Gesellschaft ein anderes Leben zu führen und seine Kreativität auszudrücken.
Und wie der stete Tropfen den Stein höhlt, setzt sich Sabine Gaffron durch: es kamen Kunden die wollten den Totenkopf und hatten Ihre Vorlage dabei und Sabine änderte den Kopf und ließ die Kunden aussuchen und immer mehr Kunden nahmen lieber ihre Zeichnungen als die ursprüngliche Vorlage.
Ihre Fähigkeiten sprachen sich rum und irgendwann war sie Europameisterin. Nun gibt ja der Tattoo Guide prinzipiell nichts auf Titel, aber Sabine Gaffron gehört zu den meistgenannten Namen, wenn wir Tätowierer fragen, wer sie denn beeinflusst habe.
Heute ist Sabine "die, die die Blumen macht" und weltbekannt. Menschen erkennen Tattoos vor ihr, ohne zuvor nach dem Künstler gefragt zu haben. Während Pauk Booth - mit dem Sabine eine Freundschaft verbindet - der Meister des Bösen ist, so ist Sabine Gaffron die Meisterin des Guten, die an das Positive im Menschen glaubt und diese Seite anzusprechen möchte.
Neben dem Tätowieren mal Sabine heute viel. Nicht als Ausgleich zu ihrer üblichen Tätigkeit, sondern als Erweiterung. Die Leinwand kann man in die Ecke stellen und weitermalen, wenn man Lust, "die Leiwnad quengelt nicht" und man muß sich nicht so konzentrieren, sagt sie, wenn etwas mißlingt, kann man es einfach übermalen.
Wir haben in unserer Galerie nicht nur Tätowierungen, sondern auch ein paar Bilder untergebracht. Mir gefälltb beides.Und auf die Frage, ob sie noch in zwanzig Jahren tätowieren würde, meint Sabine: "ja, wenn es noch geht". Das beruhigt mich, denn Sabine Gaffron ist für mich nicht nur eine klasse Tätowierin, sondern auch ein guter Mensch und das mögen wir.
Text: Lead Fotos: Marcus Ewers
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