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Für Immer - Jan und Fide

 

Arbeit bei Für Immer Tattoo

Eine Zwischenfrage: Wir sind in den Achtzigern?

Fide: Wir sind in Achtzigern... damals war es noch nicht so einfach. Du konntest nicht eine Tattoozeitschrift aufschlagen und gucken, oh, eine Maschine, die kaufe ich mir... sondern solche Adressen wurden von einem zum anderen weitergegeben. Gut, ich habe mir den dann Kram gekauft. Ich fand’s damals toll. Heute sage ich, das war total Scheiße, was ich da gekauft hab, für viel zu viel Geld... Na gut. Jedenfalls habe ich mit diesem Kram eine Weile tätowiert, auch noch zu Hause, in der Küche oder bei Freunden, bis ich dann irgendwann auf Micky Sharpz gestoßen bin. Das war dann echt ’ne Offenbarung. Auf einem Mal hatte es richtig funktioniert.

Da Ihr Euch schon seit Jahren kennt, hast Du Fide auf diesem Weg begleitet?

Fide: nee, nee...

Jan: ...mhmm, da haben wir schon beide in Tatau Obscur gearbeitet, als wir uns kennen gelernt haben. Also, diese aller ersten Schritte haben wir parallel unabhängig voneinander gemacht. Ich habe auch jahrelang zu Hause gearbeitet. Also im Prinzip ähnlich wie er. Also die ersten fünf Jahre habe ich nur zu Hause gearbeitet, hab’s versucht, mir das autodidaktisch beizubringen...
Ich war dann fast ein Jahr lang in Kalifornien und dort habe ich überhaupt zum ersten Mal Tattoos und Tattoozeitschriften gesehen, wo ich dachte "wow, so geht es auch!" So ist mir das noch nie vorher bewusst geworden, was man alles machen kann. Und das war dann auch der Schub dazu, dass ich unbedingt mehr wissen wollte, mehr lernen. Und bei Berit, in Tatau Obscur, habe ich das erste Mal in einem professionellen Laden gearbeitet.

Und Du Fide? Das Stichwort Tatau Obscur ist gefallen...

Fide: Also, ich bin damals, vor ungefähr fünfzehn Jahren, in Berlin rumgeeiert und glaubte irgendwie muss es jetzt weiter gehen, ich muss jetzt im Studio arbeiten. Ich hab immer zu Hause ’rumgemacht und das hat irgendwie nichts mehr gebracht. Ich wollte ’nen Laden haben. Ich bin dann in einige Berliner Studios gegangen und hab nach `nem Job gefragt, aber irgendwie war das alles nichts. Etwas später bin ich dann bei Berit gelandet, hab da gefragt, ob sie nicht jemanden braucht und sie sagte "ja". Und aus dem kurzen Gastauftritt, der es sein sollte, sind fünf Jahre geworden.

Wie ist Euer Background? Berit, zum Beispiel, um bei dem Thema zu bleiben, ist eine ausgebildete Gestalterin ...

Fide: Ich habe ’ne Lehre gemacht, in Bremen, ... als Werbetechniker, Schildermaler...

Jan: Ich bin gelernter Kartograph. Das kann man nicht als künstlerische Ausbildung bezeichnen.

Kartograph?!

Jan: Das war auf jeden Fall das was ich vorher gemacht habe. Es gibt echt kaum Tätowierer, die nicht etwas anderes vorher gemacht haben. Davon kenne ich ganz wenige.

Fide: Ja, ja aber guck mal jetzt nach Amerika, die ganzen Kids... Art School – Tattoostudio.

Jan: Heutzutage ist das was ganz anderes... Heute ist das tatsächlich für viele Leute eine Kariereidee - Tätowierer zu werden. Das war vor fünfzehn Jahren noch nicht so.

Was glaubt Ihr was ist heute der Reiz?

Jan: Dass man mit seiner Kreativität relativ schnell gutes Geld verdienen kann, glaube ich.

Fide: Ich glaube nicht, dass es nur Kohle ist. Ich glaube, es ist irgendwo... es ist einfach ein schöner Beruf.

Ja gut, das kann man von vielen Berufen sagen.

Fide: Wenn du aber kreativ bist und du hängst in der Rock-and-Rollerszene oder Skaterszene oder Punkszene sowieso rum, wo inzwischen Tattoos allgegenwärtig sind, dann ist es ein vollkommen logischer Schritt zu sagen, OK das will ich auch.

OK, so gesehen... ich bin auch eine ausgebildete Gestalterin, aber für mich ist es eine große Hürde zu sagen, ich gehe jetzt an den Menschen ran, an seine Haut.

Fide: Davon musst du sich erstmal verabschieden.

Jan: Ja, da sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen.

Fide: Dann wirst Du nur ängstlich... natürlich musst du Deinen Kunden mit Respekt behandeln. Natürlich muss Dir bewusst sein, dass Du eventuell sein Leben veränderst.

Inwiefern?

Fide: Tätowierungen auf dem Unterarm zum Beispiel ändert Dein Leben. Die Leute gucken Dich anders an. Allgemein, sichtbare Tätowierungen, glaub ich schon, auch immer noch... Du wirst anders wahrgenommen...

Nun gut, nur wie würdet Ihr dieses anders beschreiben wollen?

Fide: Vor zehn Jahren hätte ich gesagt, dass Du abwertend betrachtet, schneller in Schwierigkeiten geraten könntest ... einfach gezeichnet bist... vor ein paar Jahren war es noch nicht so sehr Mainstream und so anerkannt ... in einigen Gegenden oder kleineren Städten ist es immer noch nicht so akzeptiert, wie das hier ist...

Jan: Die Leute ändern, das ist vielleicht ein bisschen großes Wort, aber es ist klar, dass wenn Du dich offen, an nicht verdeckbaren Körperteilen tätowieren lässt, dass das die Wahrnehmung anderer Leute, also wie man selber von den anderen Leuten wahrgenommen wird, verändert. Speziell bei Gesichttätowierungen. Das kann Deine ganze Physiognomie verändern.

Euer Studio heißt Für Immer. Ist das so was wie eine Ehe, die Ihr damit eingegangen seid? Für immer?

Jan: Tja, wir sind seit zehn Jahren glücklich verheiratet und haben uns immer noch gern... Aber nein. Es ist ein schöner Name. Wir haben’s zusammen gemacht und bis jetzt funktioniert es. ...also, ich weiß jetzt nicht, was Du mit Ehe meinst? Auf Gedeih und Verderb...

Genau! In guten wie in schlechten Zeiten..

Jan: Bis jetzt gab es nur gute Zeiten, schlechte Zeiten müssen wir noch ausprobieren.


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