Ewa - Flash-Tattoo - 22.10.08
...bei den zwanzig bis dreißigjährigen sollen es sogar an die 25% sein. Das heißt es wachsen Generationen nach, für die tätowiert zu sein oder Tattoos zu sehen etwas ganz normales ist...
Das ist eben die Veränderung. Früher war es ein sehr kleiner Kreis von Menschen, die tätowiert waren, eine Alternative. Und jetzt scheint so, als ob Kommerz die Alternative aufgefressen hätte. Das ist einfach Mode. Ich hoffe, dass der Hype auf Tattoos in ein paar Jahren vorbei ist und es werden sich wieder nur diejenigen tätowieren lassen, die den Feeling dafür haben und nicht die, die das machen wollen, weil irgendwelche Stars auf MTV es auch haben.
Eine andere Interpretation wäre aber auch möglich, dass die Tattoos normal werden und keine Stigmata. Also, vom Knasttatoo über Subkulturen und Massenphänomen zur Normalität.
Stimmt, im gewissen Sinne ist Tattoo bereits jetzt eine Normalität, ausgenommen die Menschen, die ein Tattoo im Gesicht haben oder den ganzen Körper tätowiert haben. Tätowierungen schockieren nicht mehr so.
Du bist auch im Gesicht tätowiert. Du gehörst also zu den wenigen, die diese Tabugrenze überschritten haben.
Das waren einige meiner ersten Tätowierungen, die ich mir eben mit den Nadeln selbst gemacht habe. Als erstes habe ich mir das Gesicht tätowiert.
Warum gerade das Gesicht?
Vielleicht aus Faszination über primitive Kulturen und gleichzeitig um meine Kompromisslosigkeit zu zeigen; ein eindeutiges Zeichen zu setzen und dadurch meine Haltung zu zeigen.
Wie siehst Du die Tattookunst in Polen?
Eine unglaubliche Entwicklung in einer sehr kurzen Zeit. Es sind sehr viele und sehr gute Künstler. Tätowierungen wurden zu einer Form Kunst gleichwertig mit anderen Disziplinen. Durch die Konjunktur auf Tattoos ist er auch ein wenig kommerzialisiert.
Du hast aber auch gesagt, dass in Polen die Tradition des Tätowierens fehlte. Ist das ein Manko?
In gewisser Weise denke ich, dass es gut ist, weil die Leute nicht manieriert sind. Sie schöpfen aus den interessantesten Strömungen nur das Beste heraus und der Schund wird von Anfang an ausgesiebt.
Gibt es noch Unterschiede zwischen Polen und Westen?
Ich weiß es nicht, denn, wenn ich mir die Arbeiten in einem polnischen und einem ausländischen Magazin anschaue, sind sie alle auf einem hohen Niveau. Die Szene in Polen ist sehr hoch entwickelt. Ich besuchte ein paar Conventions in Polen... Ich betrachte es mit großer Demut, denn das was ich mit meinen Tattoos repräsentiere, ist verglichen mit diesen Leuten ganz klein. Ich habe mir das Tätowieren selbst beigebracht. Das war einfach eine Qual. Und jetzt, diejenigen die anfangen, haben jemand, der ihnen die Grundlagen zeigt, so dass sie innerhalb eines Jahres imstande sind, ein Niveau zu erreichen, für das die anderen zwanzig Jahre brauchten. Oder werden sogar besser, weil sie ein Kunststudium absolviert haben und bestimmt auch sehr ambitioniert sind.
Wie lange möchtest du noch tätowieren?
Wie lange? Solange es mir Spaß macht und solange ich gesund bin. Wenn es anfängt, mich zu langweilen, oder wenn ich anfangen sollte, es nur wegen des Geldes zu machen, werde ich aufhören.
Fährst du auf Convention?
Wenn ich irgendwo bin und dort auch eine Convention stattfindet, dann gehe ich dahin als Besucher. Ich könnte mich niemals durchringen, auf einer Convention zu arbeiten. Es sind einfach sehr schwere Bedingungen, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Tausende von Menschen strömen durch die Hallen, jeder guckt über die Schulter, stößt vielleicht an. Ich könnte mich da niemals konzentrieren. Ich fahre lieber so und gucke, was los ist.
Interview: agata
Fotos: Ewa
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