Ewa - Flash-Tattoo - 22.10.08
Wie lange tätowierst Du? Wann und wo hast damit begonnen?
Ich muss ein wenig nachdenken... Seit ungefähr sieben Jahren? Da lernte ich, mit einer Maschine zu tätowieren. Professionell tätowiere ich seit etwa sechs Jahren.
Wo warst Du damals?
In Berlin.
Das heißt du bist nach Berlin ausgewandert und hast hier begonnen zu tätowieren...
Ja, ich bin einige Jahre davor ausgewandert und erst danach fing ich mit Tätowieren an. Ich wollte es schon früher machen, aber damals, noch ohne Internet, war der Zugang zum Beispiel zu dem Equipment der dazu nötig ist, erschwert. Und bevor ich anfing mit Tattoomaschine zu tätowieren, machte ich ein paar Tätowierungen mit der Hand, das heißt mit Nadeln und Tusche.
Gab es einen Grund, dass Du aus Polen ausgewandert bist?
Ich hatte keinen besonderen Grund, Polen zu verlassen. Ich plante dort mein Leben, wollte an einer Kunstakademie studieren, aber dann kam ich nach Berlin, es hat mir hier gefallen und so bin ich hier geblieben.
Warum hast Du begonnen zu tätowieren?
Warum? Weil ich zuerst begonnen habe, mich selbst zu tätowieren und dann habe ich auch gern gezeichnet und dachte, dass man beides verbinden könnte. Außerdem, seit meiner Kindheit an gefallen mir die Tattoos. Zunächst waren sie in Polen nicht so populär, aber mich hat immer die Avantgarde interessiert, nicht nur in der Kunst, sondern auch die in dem äußeren Aussehen. Schwer zu beschreiben. Vielleicht lag es auch daran, dass ich Anfang der Neunziger in der Punk-Bewegung war, wo die Leute einfach anders ausgesehen haben. Das hat mir einfach gefallen.
Und du hast zuerst Dich selbst tätowiert?
Ich dachte, dadurch dass ich zeichnen konnte, wird es mir vielleicht gelingen, das allein zu lernen. Zum Anfang wollte ich nur mich tätowieren. Erst nach einer Weile merkte ich, dass es mehr Vergnügen machte, jemanden anderen zu tätowieren als nur mich selbst.
Worin besteht dieses Vergnügen?
Du hast mehr Möglichkeiten. Ich kann zum Beispiel mir meinen Rücken nicht selbst tätowieren und nachdem ich mir meine Arme tätowiert habe, bleibt da kein Platz übrig. Und die Leute kommen und haben ihre Ideen...
Heißt das, dass Du nach den Wünschen Deiner Kunden arbeitest oder ist auch so, dass jemand zu Dir kommt und sagt: "Ewa, mach mir was"?
Sowohl als auch. Meistens kommen die Kunden und haben schon eine Vorstellung. Vielleicht gefällt ihnen auch der Stil in dem ich zeichne. Ich entwerfe dann Tätowierungen nach den Ideen von Kunden. Ein Mal kam zum Beispiel eine Frau, die etwas geträumt hatte. Sie erzählte mir ihren Traum und ich versuchte ihn in ein Tattoo zu übersetzen.
Wie ist Dein Stil oder welchen Stil bevorzugst Du und warum?
Eigentlich habe ich bis jetzt jeden Stil ausprobiert. Ich denke, ich habe bestimmt einen eigenen Strich, aber unter den vielen Tattoostilen vermag ich nicht, einen auszusuchen und mich für ihn zu entscheiden. Jemand sagte, dass ich jugendstilartig tätowieren würde.
Ich habe auf Deiner Homepage gesehen, dass Du sehr viele Schriften, viele Schriftzüge tätowierst...
Das sind meine Lieblingsmotive, weil sie zum einem recht persönliche Tätowierungen sind und zum anderen ich mag diese Genauigkeit, um die Schrift, die Buchstaben exakt zu kopieren, damit sie wie gedruckt aussehen. Ich mag es sehr und habe dabei viel Vergnügen. Außerdem mag ich die Tätowierungen die in die Richtung des Realismus gehen, also fotorealistische Arbeiten, Porträts. Es muss nicht unbedingt ein Foto sein, sondern eben etwas was zum Realismus hin tendiert.
Und wenn mich mein Eindruckt nicht täuscht, tätowierst Du vor allem schwarz weiß...
Nein. Im Augenblick mache ich auch viele farbige Arbeiten. Der Eindruck kann entstehen weil ich sehr oft vergesse, meine Arbeiten zu fotografieren, und meine Homepage wurde seit zwei Jahren nicht verändert.
Wer sind Deine Vorbilder?
Ich glaube, ich müsste mit Steinzeit anfangen, mit Höllenmalerei und mich durch die gesamte Geschichte der Kunst durcharbeiten. Ich würde eine Woche lang die Namen aufzählen können und dabei gibt es auch viele, derer Namen ich nicht kenne. Ich habe ihre Arbeiten in Museen gesehen, ich weiß dann aber nicht mehr, wer diese Menschen waren. Doch sie haben einen großen Einfluss auf mich gehabt. Es sind Millionen von Anstößen, die mich jeden Tag attackieren. Wenn ich einfach durch die Straßen in Friedrichshain gehe, schaue die Mauer an, die auch voll von Kunst sind. Das alles beeinflusst mich. Genauso wie die vielen Tattookünstler. Wenn ich irgendeine Tattoozeitschrift aufschlage und schaue, dann gefällt mir mindestens ein Drittel der Arbeiten, aber ich merke mir die Namen nicht. Und dann habe ich noch ganz viele Freunde, die nicht in einem Studio arbeiten, sondern allein tätowieren in eigenem Superstil, so dass, wenn ich ihre Namen sage, niemand weiß damit was anzufangen.