Wie bist du zum Thema Tattoo gekommen?
Ich hatte bereits mit 20 Jahren ein Tattoo, das ich mit Stolz trug. Beim
Tätowiert werden zuzusehen war etwas Besonderes für mich. Ich wollte das
auch können. Ich wollte, so wie dieser Tätowierer sich auf meinem Körper
verewigte, mich auch bei den anderen unvergesslich machen. Meine
Freundschaft zu einem langjährigen Tätowierer leitete den nächsten Schritt
ein. Zu dieser Zeit zeichnete ich arabische Kalligraphien auf Papier und
hatte bereits eine Vielzahl von Stilrichtungen entwickelt. Mein Stil war
neu, inspirierend und vor allem sah es wirklich gut aus. Mein
Tätowiererfreund ermunterte mich eine Ausbildung zu machen. Gesagt getan. Im
Jahr 2000 eröffneten wir gemeinsam unser Studio.
Das gewöhnliche Ungewöhnliche: Zu deiner muslimischen Identität und die
arabische Kalligraphie:
Muslime gibt es viele, auch die Kunst der arabischen Kalligraphie
beherrschen viele. Was das Ungewöhnliche an der ganzen Sache ist, ist, dass
ich daraus meine Leidenschaft zu Tattoos mit den harmonischen und den, für
mich geheimnisvoll-wirkenden, Formen der arabischen Kalligraphie entdeckt
und vereint habe.
Warum nennst du dich El Hac und wie hängt das mit deiner Pilgerreise nach Mekka
zusammen ?
Den Namen El Hac habe ich mir ganz spontan gegeben, ohne lange zu überlegen.
Es war eigentlich so wie auf die Frage: "Was ist klein, dreieckig und grün?"
zu antworten, ein kleines grünes Dreieck natürlich. Ich war in Mekka, hatte
dieses weiße Pilger-Gewand an und wurde Haci. Also wurde ich El Hac, der
Pilger. Obwohl es schwer ist, und ich in meiner Lebensweise weit vom
Propheten Mohammed (Friede sei mit Ihm) entfernt bin, ist er während meiner
Pilgerschaft endgültig zu meinem Vorbild geworden. Das war ein Grund mehr
den Namen El Hac anzunehmen.
Wie steht die islamische Welt zu Tattoos und ist es im Islam verboten?
Gibt es eine Veränderung bei dem Thema Tattoo, wie bspw. in westlichen oder
asiatischen Ländern?
In jedem Glauben gibt es Gebote und Verbote. So auch im Islam. Das ist
nichts Ungewöhnliches. Der Islam sowie auch das Christentum und das
Judentum, lehnen das Tätowieren ab. Nur weil ich die Leidenschaft zum
Tätowieren habe, will ich nicht behaupten, dass es im Islam erlaubt ist. Es
ist verboten. Auch das Alkoholtrinken ist im Koran nicht erlaubt. Aber sagen
sie mir bitte wie viele andere Sünden die Menschen begehen, die weitaus
schlimmer sind. Ich tue niemandem unrecht. Ich bestehle sie nicht. Ich
hintergehe niemanden. Meine Leidenschaft zum Tätowieren ist mein Ausdruck
der Liebe zur Harmonie und Frieden geworden. Ich erlebe während dem
Tätowieren einen Zustand der inneren Zufriedenheit und Freude, das mag
vielen Außenstehenden gar nicht bewusst sein, aber so ist es.
Gibt es ein Spannungsfeld zwischen deiner Arbeit und deinem Glauben?
Wie das Wort Spannung schon sagt, kann man nur zwischen zwei Polen gespannt
werden. Bei mir gibt es in diesem Punkt keine innere Spannung. Ich werde
nicht hin und her gerissen. Wie ich bereits gesagt habe, ich weiß wo ich
stehe und weiß wofür ich lebe. Das ist übrigens ein Tattoo-Schriftzug auf
meinem Rücken.
Das Vereinen von Schrift und Graphik ? Was ist deine Inspiration
dazu?
"Phantasie" ist hier das Stichwort. Kreativität die Möglichkeiten für noch
mehr Phantasie bietet liebe ich. Ich selbst bin ein Mensch, der das Wort
"Phantasie" sehr groß schreibt. Der Reiz für das Auge ist dadurch gegeben
noch einmal hinzusehen. Das Auge ist überhaupt der Maßstab meiner Arbeiten.
Wenn sie mit einem Blick verstehen können, dass das Tattoo das jemand trägt
etwas Bestimmtes darstellt, sehen sie meistens kein zweites Mal hin. Die
arabische Kalligraphie hingegen biete sehr viel Platz für Interpretationen
und natürlich auch für viel Phantasie. Die runden geschwungenen Formen mit
den dazu passenden Zeichnungen sind für das Auge wie Hypnose. Es ist
eigentlich eine Art Impressionismus auf der Haut. Mich inspiriert dabei,
dass es einen Ozean an Möglichkeiten zum Tätowieren bietet.
Wie siehst du deine Zukunft?
Das Geheimnis "Zukunft" will ich eigentlich nicht antasten. Das Leben muss
ja spannend bleiben. Ich versuche nur meine Erwartungen positiv zu halten,
der Rest steht auf der Stirn. (Im Islam sagt man, dass das Schicksal auf der
Stirn geschrieben steht).
Interview: Lead
Fotos El Hac
www.elhac.com