Warum machst Du bei der Childhood-Heroes Ausstellung mit?
Ich mache bei der Childhood Heroes Ausstellung mit, da ich finde, dass man sich für sozial-ambitionierte Projekte immer Zeit nehmen sollte. Außerdem bringt es einen zurück in eine Zeit, die bei mir gottseidank ganz schön war und mir somit noch mehr klar macht, dass es vielen Kindern leider sehr schlecht ergeht und sie daher Hilfe benötigen. Das unterstütze ich natürlich gerne. Die Barbiepuppen in meiner Kindheit und Jugend haben mir viel Kreativität abverlangt, da mein Bruder und ich uns gegenseitig mit ihnen erfundene Filme vorgespielt haben. Unser Wellensittig musste dafür auch immer herhalten und bei Krimis blieben immer die bestaussehendsten Barbies übrig, der Rest wurde leider ermordet oder war in einem Unfall verwickelt...
Tja, die Barbie lebte eben schon immer in einer Glamour-Welt! Es wäre schön, wenn es allen Kindern gelingen könnte, sich so in eine Traumwelt fallen zu lassen, ohne böses Erwachen danach.
Wie lang tätowierst du schon?
Ich tätowiere nun schon seit etwa 17Jahren. Nach meinem Abitur 1988 mit dem Leistungskurs Kunst, wollte ich in Berlin freie Malerei studieren, was mir nicht gelang, da mich die HdK mehrmals mit äußerst seltsamer Begründung abgelehnt hatte. Es gab allerdings auch extrem viele Bewerbungen auf wenige Studienplätze zu der Zeit... Dann hab ich alles Mögliche gejobbt und noch andere Studienbereiche probiert. Es hat mich aber nichts befriedigen können und so hab ich mit einer damaligen Freundin beschlossen mich mit dem Thema Tätowieren zu beschäftigen. Schließlich kann ja auch dieser Bereich nach dem Erlernen des Handwerks zu einer Kunstform werden. Kunst direkt am Mann sozusagen. Was nicht heißen soll, dass jeder Tätowierer gleich ein Künstler ist - nur mal so am Rande erwähnt...
Glaubst du, es ist wichtig für einen Tätowierer eine kunstgeschichtliche oder formelle Kunstausbildung zu haben?
Ich denke, es kann nicht schaden eine Art künstlerische Ausbildung zu haben, denn das sollte dem Kunden ja dann auch zugutekommen. Ich denke, dass wenn sich jemand schon mit bildender Kunst auseinander gesetzt hat und selber malerisch und zeichnerisch tätig war im Vorfeld, dann sind kaum Grenzen gesetzt, das Tätowieren zu einer Art Kunst oder zumindest zu einem Kunsthandwerk zu erheben. Manbekommt mit dem Tätowierhandwerk natürlich auch ein paar Grenzen gesetzt,was die Ausführung von bestimmten Bildwirkungen betrifft. Aber im Großen und Ganzen kann man eigentlich fast alles umsetzen, wenn man es kann. Man sieht das auch ganz klar, wenn man sich in der heutigen Tätowierszene mal umschaut. Es sind eine Menge an Individualisten dabei, die hervorragende Resultate erzielen, die man kaum besser auf Leinwand bringen könnte.
Daher denke ich, dass, man besser daran tut sich mit der Kunst auseinander gesetzt zu haben, um bei dem derzeitigen Level mithalten zu können, oder gar noch besser zu sein und die Szene voranzubringen.
Was empfindest du als das Beste an der Arbeit als Tätowierer?
Was sehr schön ist am Tätowieren ist, ist die Tatsache, dass man immer mit Menschen zu tun hat, denen man etwas Gutes tut und der Freude am Ende jeder Sitzung ins Gesicht geschrieben ist. Und zwar nicht nur, weil der Schmerz endlich nachlässt, sondern, weil sie sich über ihr entstandenes Bild freuen. Meist sind sie sogar noch überrascht, dass es besser aussieht, als sie sich es vorstellen konnten. Das macht einen natürlich auch direkt freudig.
Eine andere Sache ist natürlich auch, dass man als Tätowierer eigentlich immer die Möglichkeit hat überall auf der Welt seiner Leidenschaft nachzukommen. Wenn man ein offener Mensch ist, kann man viele Menschen kennenlernen, durch die sich wieder Möglichkeiten ergeben in Tätowierstudios irgendwo auf der Welt zu arbeiten. Oder man ist einfach so hippie-like, baut sich einen Bus aus und zieht tätowierenderweise durch die Welt? Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig...
Und da wäre noch etwas: wenn man schon so lange tätowiert wie ich , dann lassen einen die Kunden auchmeistens das machen, was man möchte, wodurch man natürlich der Kunst viel näher kommt, als manch anderer. Das macht mich glücklich und dafür danke ich meinen, mir sehr vertauenden Kunden.
Was denkst du über den jetzigen Stand der Tattookunst?
Ich glaube, dass die Tattooszene einen ordentlichen Schritt in Richtung Kunst getan hat. Das heißt nicht, das dort kein Platz mehr für den soliden Handwerker bleibt, oder den Kunsthandwerker. Ich denke man brauch eine gute Mixturvon allem. Nicht jeder Kunde möchte irgendeine Art Kunst, die er nicht selbstbestimmt hat auf sich tragen. Für manche ist es sogst einfach zu abgehoben. Es gibt Kunden, die die gute alte Tätowierung durchaus bevorzugen: Bild aussuchen, Abdruck drauf und sich darauf verlassen können, dass die Tätowierung auch genauso aussieht, wie in der Vorlage.
Mein Interesse ist da natürlich von etwas egoistischerer Natur: ich möchte, so gut es geht Kunst machen - Auftragskunst, oder auch freiere. Dazu gehört viel Vertrauen des Kunden, eine gute Kenntnis meines Stils und viel Geduld - dann wird das schon was.
Aber, wie ich schon sagte, es gibt mittlerweile einige Tätowierer, die auch aus der Kunstszene kommen und daher das ganze Tätowieren auf einen Podest in Richtung Kunst gehoben haben. Und das ist auch gut so, denn es befriedigt uns "Künstler" ebenso, wie die Kunden, die sich über ein qualitativ-hochwertiges Tattoo freuen können.
Und man hat ja ein bisschen den Eindruck, dass unter den Künstlern auch eine Art kleiner Wettkampf (nicht zu verwechseln mit Konkurrenzkampf!)herrscht, der die Qualität so ja auch immer nochein bisserl besser werden lässt.
Was ist Lieblingsstil bzw. welchen Stil bevorzugst Du und warum?
Wie man bei meinen Bildern unschwer erkennen kann gilt mein Vorzug dem Darstellerischen. Als Kind habe ich schon immer gerne Gesichter gezeichnet, oder Frösche und Blümchen. In meiner Gruftizeit war das dann wohl nicht mehr so - zu freundlich!- aber eigentlich hat sich das schon durch mein ganzes Leben gezogen. Das figürliche reizt mich am meisten. Im Prinzip tätowiere ich am liebsten farbenfroh und spiele auch gerne mit Kontrasten. Gleich dem, was ich im Kunstleistungskurs über die impressionistische Farbpalette gelernt habe. Mein asiatischer Stil ist eher eurasisch, da ich lieber 3-D, als2-D darstelle. Flora und Fauna, sowie Unterwasserwelten liegen mir sehr, da ich so mit allen möglichen Farben spielen kann.
Aber eigentlich mag ich die Anfragen besonders, die mir etwas abverlangen, dass ich so vielleicht noch nicht gemacht habe. Natürlich muss ich mir das irgendwie vorstellen können, ansonsten wird es zu krampfig. Kubistisch angehauchtes gefällt mir auch recht gut, da ich ein Fan von Tamara de Lempizcka bin.
Portraits werden auch immer mal verlangt. Das ist zwar ganz nett, aber das ist nur ein Reproduzieren eines Fotos und befriedigt nicht unbedingt den künstlerischen Anspruch. Allerdings freuen sich die Auftraggeber immer so schön!
Langsam kann ich dem Schwarz-Weissbild auch etwas abgewinnen, aber ich glaube, wenn man mich vor die Wahl stellt würde ich immer noch eher das farbige vorziehen.
Ich bin eigentlich vielem sehr aufgeschlossen und möchte mich nicht zu sehr festlegen, da es sonst vielleicht langweilig wird und das ja noch ein Weilchen praktizieren möchte. Nur ein bisschen mehr Zeit fürs Bilder auf Leinwand malen wäre ganz schön. Die muss ich mir wohl irgendwann noch nehmen. Ich bin immer ganz neidisch, wenn andere die tollsten Malereien produzieren und ich immer nicht weiß, wo ich die Zeit hernehmen soll.
Interview: Iris Bitter
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