Warum machst Du bei der Childhood-Heroes Ausstellung mit?
Ich habe mich entschlossen bei der Ausstellung mitzumachen weil ich natürlich in erster Linieden karitativen Zweck der Aktion super finde.
Desweiteren ist es eine gute Gelegenheit, Leuten die nicht unbedingt aus der Tattoo-Szene kommen die Vielseitigkeit unserer Arbeit als Künstler zu präsentieren. Ich denke, dass das Thema sehr unterschiedlich interpretiert werden kann und somit eine Fülle unterschiedlicher Arbeiten zu bewundern sein werden. Das Konzept istaußerdemein weiterer Schritt zu mehr Interaktion unter den Tätowierern und dem Zusammenwachsen der Szene.
Wie lange tätowierst Du schon?
Ich komme ursprünglich aus der Metall- u Punkrockszene und habe da auch in einigen Bands gespielt und mich somit schon seit längerem mit der Gestaltung von Flyern, Plakaten, Shirts etc. beschäftigt.
Meine ersten Gehversuche als Tätowierer habe ich vor ca.8 Jahren auf eigene Faust mit dem obligatorischen (miesen) Starterkitunternommen und gemerkt das man da doch ziemlich viel falsch machen kann. Ich hab michdann recht schnell nach einem Studio umgeschaut das mich ausbildet und bin so beim "Damn Deep" in Dortmund, bzw. beim Studio "Alte Liebe" in Schwerte/ Ruhr gelandet.
Mittlerweile arbeite ich seit anderthalb Jahren im "Taka Tiki" in Leipzig, und der Wechsel hierhin, so wie der Austausch mit den anderen Tätowierern die hier arbeitenhat sich für mich wirklich ausgezahlt.
Das erste Tattoo das ich gestochen habe war übrigens ein chinesisches Schriftzeichen auf meinem Bein.
Welcher Künstler innerhalb oder außerhalb der Tattooszene hatte Dich beeinflusst? Wie?
Unter all den faszinierenden Arten des Tätowierens spricht mich der japanische Stil zweifellos am meisten an. Die einzigartigeHarmonie der Motive mit den Körperformen, die großflächig angelegten Konzepte und die fließenden Formen des Backgrounds sind einfach immer wieder beeindruckend für mich.
Künstler wie Horiyoshi III, Shige,aber auch die westlichen Interpretationen vonFilip Leu oderKing Callesind da natürlich die größten Einflüsse. Um in die Tiefe der Materie vorzudringen sollte man sich aber unbedingt auch mit den alten Meistern des japanischen Farbholzschnitts auseinandersetzen.
Wen oder was würdest du als Deine Inspiration bezeichnen?
Meine größte Inspiration ist ganz sicher die Natur. Es gibt nichts Abgefahreneres als die Formen und Farben die die Natur uns vorgibt. Bücher können eine Inspiration sein und Musik natürlich. Der Soundtrack hat bei mir sicher großen Einfluss auf die Zeichnung eines Entwurfs.
Was magst du zu tätowieren?
Es gibt Tattoos die super aussehen (z.B. polynesische Tribals), wo ich es aber hasse sie zu tätowieren. Dann gibt es Tattoos wo mir die Anfertigung Spaß macht, ich aber den Stil nicht mag (Black & Grey)und schließlich gibt es die wo alles passt, wo das Motiv geil ist und auch die Anfertigung selbst Spaß macht.
Am liebsten steche ich japanische Motive, sowie Old-School, Comic-Style und sehr gerne auch florale Motive. Und natürlich am liebsten alles in Farbe!
Glaubst du, es ist wichtig für einen Tätowierer eine kunstgeschichtliche oder formelle Kunstausbildung zu haben?
Ich glaube nicht dass man als Tätowierer zwingend eine künstlerische Ausbildung haben muss. Allerdings vereinfacht es mit Sicherheit vieles..
Viele guteTätowierer sind Autodidakten oder einfach gute Handwerker und haben keinen großartigen künstlerischen Background. Allerdings steigt das Niveau stetig und die Ansprüche der Kunden an ein gutes Tattoo sind heutzutage höher als noch vor 10 Jahren.
Was empfindest du als das Beste an der Arbeit als Tätowierer?
Das schönste am Tätowieren ist für mich das Leuchten in den Augen eines Kunden wenn er vor dem Spiegel sein neues Tattoo betrachtet,dieZusammenarbeit mit den unterschiedlichen Künstlern die uns hier in Leipzig besuchen, unser überausnetter und treuer Kundenstamm, das früh morgendliche (oder auch spätnächtliche) Zeichnen, das surren der Maschinen, die Rückenschmerzen, der Convention-Stress (oder Spaß...), das Reisen,kurzum das ganze Paket!Es gibt wirklich nichts was ich in meinem Leben lieber täte.
Was bringt Deiner Meinung nach die Zukunft? Wie sehen deine Pläne aus? Auf welchen Conventions kann man dich dieses Jahr treffen?
Hier in Leipzig haben wir momentan ein super Team und ich glaube, dass ich hier einen guten Entwicklungssprung gemacht habe. In der Zukunft möchte ich mehr große Projekte, wie ganze Arme und Rücken in Angriff nehmen und momentan kommen einige Anfragen in diese Richtung rein.
Ich werde dieses Jahr noch auf der Leipzig Convention, sowie inErfurt, Dortmund und Kassel bei den Conventions dabei sein.
So, ich hoffe Ihr könnt mit meinem Geschreibsel einigermaßen was anfangen. Man sieht sich vielleicht demnächst mal auf der einen oder anderen Convention.
Bis dann,
Andreas!
Interview: Iris Bitter
zur Galerie
weitere Interviews:
» Andi Knospe
» Andy
» CHäN
» Imme
» Joerg Allen Akira
» Lukas Polacek
» Mo Coppoletta
» Ms. Nico
» Musa
» Peter Bobek
zurück