Literarische Geschichten über das Tattoo - von Herman Melville bis Franziska Gerstenberg
„Die wichtigste Tätowierung ist immer noch die Literatur“ meinen Benedikt Geulen, Peter Graf und Marcus Seibert, die Herausgeber des im Mare Verlags erschienenen Buches Das Herz auf der Haut.
Das Herz auf der Haut versammelt literarische Geschichten um das Thema Tattoo, darunter Erzählungen von Ray Bradbury, John Irving, Sarah Hall und anderen.
Für ein Tattoobuch ist das Herz auf der Haut erst einmal von schlichter Eleganz: in Leinen gebunden, von einer schlichten Grafik geschmückt, liegt es gut und wertig in der Hand. Das ist nicht immer so, vor Allem nicht, wenn Verlage die Tattoo-Mainstream-Schiene auf die Schnelle bedienen wollen.
Auch gefallen weitere Formalien, es gibt Kurzbiografien der Autoren, weiterführende Literatur und der ausführliche Quellennachweis, der es der gierigen Leseratte ermöglicht, sich tiefer mit dem Themen und den Autoren auseinander zu setzen.
Weniger überzeugend erscheint allerdings die Auswahl der Texte, während der Einstieg mit Ray Bradburys Der illustrierte Mann großartig ist, muss wohl Herman Melville zum Beispiel aus Gründen des Namedroppings herhalten, der Ausschnitt aus seinem Roman Moby Dick hat mit dem Thema Tätowierung nur wenig zu tun. Und auch wenn der John Irvings Bis ich dich finde unter Tätowierern spielt, streifen Buch und Ausschnitt an der Belanglosigkeit.
Neben den großen Namen überrascht über das Büchlein mit weniger bekannten Autoren, wie Clemens Meyer. Hier liegen Vor- und Nachteile eng beieinander. Die drei Herausgeber sind Kenner der Literaturindustrie, aber eben nicht des Tattoobusiness. Insofern tritt es einfach dem Thema unangemessen intellektuell entgegen.
Trotzdem ist es, gerade angesichts des nahenden Sommers und der damit verbundenen Reisetätigkeit ein empfehlenswertes Buch zum Lesen und zum Entdecken.
Titel: Herz auf der Haut
Autoren: Benedikt Geulen, Peter Graf, Marcus Seibert
ISBN 978-3-86648-146-6
insgesamt 367 Seiten