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Weile ohne Eile – Die Bovver Boys

 

Bovver BoysEuer Lied "Stupid Faces" setzt sich mit dem Thema Malochen auseinander. Könnt ihr etwas über die Geschichte dieses Liedes erzählen?
Tom: "Stupid Faces" handelt von dem Weg zu Arbeit und was für dumme vorurteilsbelastete Idioten man dort in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln trifft.

Viele Arbeiter, Mitglieder der "Working Class" wollen einfach ihren Job machen, Familie, TV und ansonsten in Ruhe gelassen werden. Wo steht ihr?
Euer neues Stück "Dreams of Revolution" ruft zur Revolution auf – als schöner Traum. Warum denkt ihr, dass eine Revolution unwahrscheinlich ist?

Tom: In "Dreams of Revolution" geht es um Leute aus besseren Elternhaus, die alles in den Arsch geschoben bekommen, aber auf der Strasse und in irgendwelchen Autonomen Zentren Revolutionäre Reden schwingen und die Gesellschaft stürzen wollen. Das sind dann aber auch die gleichen Leute die nach Abschluss Ihres BWL-Studiums dann in Vaters Fabrik oder Geschäft einsteigen und erzkonservative Unternehmer werden.

Okay. Ein "bovver boy" ist im Cockney-Slang entweder ein Skinhead oder ein aggressiver Trottel. Könnt ihr euch noch mit dem Bandnamen identifizieren. Mittlerweile seid ihr einige Jährchen älter geworden ...
Tom: Ja, BOVVER BOYS ist nach wie vor ein treffender Name, auch wenn wir mittlerweile bei BOYS schon ein Auge zudrücken müssen. Ich finde er weist auch auf unsere Wurzeln und den Bezug der Band zur traditionellen Skinheadszene hin. Dieses werden wir niemals verleugnen oder uns davon distanzieren, wie manch andere Band das gemacht hat, um erfolgreicher zu werden.

Kommen wir zur Szenepolizei ... Ein immer wieder beliebtes Thema. In "The Vans and Converse Army" thematisiert ihr die Punkrockmode- und Gesinnungspolizei. Was heißt Punkrock heute für euch? Ist Punkrock noch individuell, was meint ihr?
Tom: Ich finde die Punkrockmode ist heute recht beliebig geworden. Heute gibt es ja alles von der Stange zu kaufen und die Leute switchen zwischen den Styles und Subkulturen hin und her. Da fehlt mir doch ein bisschen der Purismus der späten 70er und 80er. Sicher ist es nicht verkehrt wenn sich die verschiedenen Subkulturen gegenseitig inspirieren und nicht mehr im Krieg leben, wie teilweise noch bis in die späten 80er, aber ein "SkinabillyGothicpunkrockeremo Kitten" muss es dann aber doch nicht sein.

Fast jeder Punk, Skin oder Psycho hat mittlerweile Tattoos. Wie seht ihr Tätowierungen? Sind sie die neue Szene-Uniform?
Harti: Ich sehe da ehrlich gesagt keinen großen Unterschied zu früher. Tätowiert waren irgendwie alle. Mal mehr oder weniger, mal mehr oder weniger gut. Die Zeiten haben sich allerdings verändert. Das "Punkrock-Spektrum" erstreckt sich heute vom tätowierten "Windschutzscheibenputzer" an der Straßenkreuzung, bis hin zum tätowierten Punkrock-Plattenmillionär, der bei MTV stolz seine 20-Zimmer-Villa, inklusive Fuhrpark, präsentiert. So sind sie halt, die neuen Zeiten.

Kann man sich mit Tattoos noch von der breiten Masse abgrenzen? Mittlerweile hat beinah jede Frisöse oder jeder Anlageberater ein Arschgeweih, Tribal oder Intimtattoo. Sind Tätowierungen Mainstream?
Harti: Meine ersten Tattoos sind in den späten 80er Jahren gestochen worden. Damals war es nicht so einfach, den Tätowierer seines Vertrauens zu finden. Ich bin seinerzeit unter anderem bis nach Paris gefahren, um mir etwas stechen zu lassen. Mittlerweile ist die Situation anders. Denn es gibt viele erstklassige Künstler und viel mehr Möglichkeiten, sich über deren Schaffen zu informieren. Somit verringert sich die Gefahr an einen "Scratcher" zu geraten und sich ein Tattoo stechen zu lassen, das man noch am selben Tag bereut. Vermutlich ist das mit ein Grund, weshalb sich heutzutage so viele Leute tätowieren lassen. Zurück zur eigentlichen Frage. Ich lade Dich gerne ein, mit mir zusammen an einem Samstag durch Aachens Haupteinkaufsstrasse zu gehen und Du wirst an den Blicken der Passanten erkennen, dass Tattoos noch lange nicht Mainstream sind.

Vielleicht ist Aachen ein besonderes Pflaster für Tattoos ...? Ist es ganz ohne Tattoos origineller?
Harti: Das sollte jeder für sich selbst entscheiden.

Welche Tattoos habt ihr? Wer hat sie gestochen und welche Bedeutung haben sie für euch?
Harti: Tom hat einige Werke von Andreas (The Sinner And The Saint, Aachen) und von Han (King Of Kings, Swalmen). Egger hat einiges von Steve (The Sinner And The Saint), Steves Sachen aus den 80ern sind von Toto aus Mönchengladbach, einer der ersten professionellen Tattookünstler in der Region. Einiges Älteres ist von Axel, damals Krefeld und die neueren Sachen sind von Imme und Andreas (The Sinner and the Saint). Rainers "Flickenteppich" stammt meines Wissens ausschließlich von Andreas. Ich selbst (Harti) habe Tattoos von Tin-Tin (Tin-Tin Tatouages, Paris), Oliver Peck (Elm Street Tattoo, Dallas), Chris (Magic Moon, Erkelenz) und mindestens ein halber Quadratmeter meiner Haut wurde ebenfalls von Andreas bearbeitet. Meine Tattoos sind immer Stationen meines Lebens gewesen und egal wie senil ich im hohen Alter auch sein werde, die Erinnerungen an die Zeiten, die ich mit meinen Tattoos verbinde, wird mir keiner nehmen können. Ich denke, dass sich das bei meinen Bandkollegen ähnlich verhält.




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