
Die Jungs von BORN TO LOSE haben sie mir gezeigt, ganz unseriös auf dem asseligen Backstage-Klo bei schlechter Beleuchtung.
Auch das Interview war ziemlich schräg. Nicht nur weil ich einen echt beschissenen Tag hatte. Sondern auch, weil ich den Drummer vermisste und statt dessen der Merch-Man (das 6. Bandmitglied) beim Interview anwesend war und fleißig mitdiskutierte. Das nenne ich mal Gleichberechtigung.
Und nun das verbale Chaos gekürzt und sortiert:
Was bedeuten Tattoos für Euch und aus welchen Gründen habt ihr Euch tätowieren lassen?
Chris (Vocals):
Ich habe mir in Situationen oder Lebensphasen ein Tattoo machen lassen, wenn mir was wichtig war oder wenn es ein Problem gab. Zum Beispiel das Cover unserer aller ersten Platte habe ich mir stechen lassen. Ich möchte mich anhand der Tattoos an die vergangenen Zeiten erinnert, egal ob sie gut oder schlecht waren. Allerdings sehen meine Tätowierungen eben deshalb auch so verschieden und zusammengestückelt aus.
Wie sieht der aktuelle Tattoohype in Eurer Heimat Austin/Texas aus und wie geht die Gesellschaft mit Tätowierten um?
Bei uns ist es glaube ich ebenso populär, wie bei Euch in Deutschland. Aber wir finden das ziemlich cool, dass über die Medien das Tätowieren salonfähig gemacht wird und schauen uns gerne die TV-Shows an. Wir finden das echt witzig.
In Austin hat eigentlich keiner Probleme mit Tätowierten. Bei uns gibt es viele Tattoo-Studios und einen ausgeprägten alternativen Lifestyle. Nur wenn es um einen geht, kann das manchmall Probleme geben. Aber man wird nicht anders oder schlecht behandelt. Es klotzt auch keiner.
In anderen Gegenden in Texas ist das schon wieder ganz anders anders. Da ist die Warscheinlichkeit groß, dass man für ein Ex-Knacki oder für einen Kriminellen gehalten wird.
Wenn wir auf Tour sind und reisen, dann werden wir oft daran erinnert, dass wir tätowiert sind. Man vergisst das ja oft bzw. es ist eben Normalität . Wir fragen uns dann, warum die Leute uns so anstarren bis uns einfällt, das könnte doch an den Tätowierungen liegen. Es ist auch schon passiert, dass ältere Ladys uns am Arm gepackt haben und ihn in jede anatomisch mögliche Richtung drehten und sich die Bilder erst einmal genauer ansehen mussten.
Stehen Eure Tattoos in Verbindung mit Eurer Musik?
Chris (Vocals):
Ja sicher. Irgendwie gehört das für uns zusammen, weil ja die Band und die Musik unser Leben ist. Ein paar von uns haben sich den Bandnamen BORN TO LOSE tätowieren lassen. Ich habe noch Instrumente stechen lassen, wir zum Beispiel Gitarren. Auf meinen Ellenbogen steht "BTL" für BORN TO LOSE und "ATX" für Austin-Texas.
Habt Ihr Tattoos, die Ihr bereut?
Keiner von uns bereut ein Tattoo. Aber manchmal denken wir schon, dass ein Konzept für ein Armsleeve oder so sinnvoll gewesen wäre. Aber das Leben ist eben nicht planbar und ein Konzept ebenso wenig. Deshalb ist alles super, so wie es ist. Unsere Tätowierungen ergeben eben eine Story – ungeplant, spontan und ungeschmückt.
Wo habt Ihr Eure Tattoos stechen lassen und in welchen Studios?
Neben einigen Studios und Künstlern in Texas sind ein paar aus dem Taylor Street Tattoo Studio in Chicago von Scott und aus dem Mcinnis Studio aus Providence, Rhode Island. Die meisten aber sind von unserem verdammt guten Freund Joe Kennet, ein Tätowierer, Grafikdesigner und Künstler aus Texas.
Leider musste ich die Jungs noch vor der Show verlassen aber das wird nachgeholt, wenn sie mal wieder in der Hauptstadt sind und dann lass ich es euch wissen, ob sie live genauso lecker sind, wie auf der neuen Scheibe "Saints Gone Wrong"
Interview + Fotos: Jule
www.myspace.com/borntolose
Tattooartist Joe Kennett: www.joekennett.com
StudioMCINNIS: www.mcinnistattoo.com