Boris Backert ist nicht nur ein sehr guter Black & Grey Artist aus unseren Landen, Gruppenleiter in einer unserer Worksoulgruppen, sondern vor allem eine super Persönlichkeit.
Um einen tieferen Einblick in das Schaffen und das Leben des Ravensburgers Tattoo-Künstlers geben zu können, haben wir nochmal nachgefragt und dieses Interview für euch bereitgestellt.
Stell Dich uns doch kurz vor:
Mein Name ist Boris Backert, ich wurde vor 40 Jahren ca. 10 m Luftlinie vom Bodensee geboren. Ich lebe und arbeite seit ca. 14 Jahren in der schönen Puzzle-Stadt Ravensburg.
Du arbeitest ja bereits seit mehr als 13 Jahren als Tätowierer, wie bist Du damals zum professionellen Tattoo gekommen?
Ich war in der glücklichen Lage in einem Studio zu lernen. (Was damals ein echt schwieriges Unterfangen war). Ich stamme noch aus der Zeit, wo man sich einen Lehrmeister suchen musste und nicht anders herum. Heutzutage nimmt sich jeder Stümper einen Azubi um als MEISTER dazustehen. Eine echt erschreckende Entwicklung...
Beschreibe doch kurz Deinen bevorzugten Stil:
Schwarzgrauer, surrealistischer, Improvisations-Realismus..Spass beiseite, ich kann meinen Stil nicht wirklich kategorisieren. Fest steht, dass ich am liebsten schwarz/grau arbeite (evtl. mit einer Kontrastfarbe), realistische Elemente verwende und dann mit meiner Laune/Energie und der meiner Kunden was entstehen lasse.
Wie ist Deine Arbeitsweise? Stichwort "Biomorphe Abstraktion"
Ich bezeichne meine Arbeitsweise gerne als "Biomorphe Abstraktion", da ich bis zum Erscheinen meiner Kunden nicht wirklich weiss, was sie für ein Tattoo möchten und es dann einfach entstehen lasse. Daher vielleicht eher "Biomorphe-Improvisation " Dazu wäre vielleicht zu erklären, das "biomorph", die Abläufe und Veränderungen, die von biologischen Vorgängen gesteuert werden beinhaltet. Bezogen auf die Kunst meint dies demnach die künstlerische Formfindung. Das zieht sich auch mit in den Prozess des Tätowierend.
Was war Deine allererste Berührung mit dem Thema Tattoo?
An die allererste Berührung kann ich mich nicht wirklich erinnern, ich weiss nur, dass ich so lange ich zurückdenken kann immer fasziniert von Tätowierungen war und sie einen festen Bestandteil meiner Gedanken waren.
Was bedeutet Tätowieren für Dich?
Tätowieren ist für mich ein Ventil, eine meiner Möglichkeiten mich auszudrücken. Auf eine Art und Weise auch Therapie.
Kannst Du uns was zu Deinem Leben erzählen, bevor Du Tätowierer wurdest?
Aufgewachsen bin ich auf dem Land, in und mit der Natur. Ich hatte nie wirklich Pläne und hatte ausschliesslich dummes Zeug im Kopf. Hab dann diverse Subkulturen (Szenen) durchlaufen, war aber immer irgendwie im "Hier und Jetzt".
Welchen künstlerischen Background hast Du?
Meinen verrückten Kopf, die irren Gedanken, die Stimmen, Farben und Töne darin.
Wie gehst Du beim Erarbeiten Deiner Motive vor?
Das hat, wie vorher schon angesprochen, sehr viel mit Improvisation zu tun und kann man daher schlecht pauschalisieren.
Woher kommen Deine Inspirationen?
Meine Inspirationsquelle ist das tägliche Leben (Menschen, Tiere, Natur, Situationen.etc.) mann muss nur mit offenen Augen durchs Leben gehen, gepaart mit einem gesunden Humor, ergibt das fast schon zu viel Inspiration.
Mit welcher Maschine arbeitest Du bevorzugt?
Hab so gut wie alles probiert und die Cheyenne HAWK ist für mich, zumindest bis jetzt, das Non-plus-ultra. Sie hätte gerne noch ein paar Jahre früher kommen können.
Wie hast Du gearbeitet bevor Du die Cheyenne für Dich entdeckt hast?
Wie alle Anderen mit herkömmlichen Spulenmaschinen. Das war ein täglicher Kampf mit diesen launischen Zicken. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich handwerklich/technisch nicht sehr versiert bin. Deshalb habe ich es schon immer gehasst Maschinen einzustellen, Nadeln zu löten... Mal ehrlich, ich binde mir doch auch nicht erst einen Pinsel, bevor ich eine Leinwand bemale...ich liebe das Tätowieren und möchte so wenig Zeit wie möglich damit vergeuden, irgendeine Vorarbeit dafür zu leisten.
Erzähl uns doch was über Dein Studio:
Mein eigenes Studio habe ich, glaub ich, Ende 1997 eröffnet. Das Team hat bis heute immer wieder gewechselt. Momentan arbeiten ausser mir noch zwei andere Tätowierer in meinem Shop, über deren Anwesenheit ich sehr glücklich bin. Zdenko, der auch bei mir gelernt hat, (Graphik/ Trash/ Dot) und Samuel (Blackwork/ Traditional). Zu Gast sind immer wieder interessante Leute im Shop, z. Bsp. Andy ("Homeless Industries", Comic), Gerd ("Timetravelling", Blackwork), Tom und Lars ("Art of Paint", Japanese), Salle ("New-Hope-Tattoo", traditional)..uvm.
Wie sieht ein durchschnittlicher Arbeitstag bei Dir/ Euch aus?
Den gibt es bei uns nicht. Dass einzige was sich täglich wiederholt ist der Prozess des Tätowierens. Ansonsten passiert hier jeden Tag etwas Anderes.
Künstler die dich beeindruckt oder beeinflusst haben?
Mich beeindruckt/ beeinflusst kein spezieller Künstler, nur die Kunst. Ich denke nicht so sehr in Kategorien, Namen, Styles....
Wie lange muss man durchschnittlich auf einen Termin bei Dir warten?
In der Regel so ca. ein halbes Jahr.
Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?
Meine Pläne sind, keine Pläne zu machen. Ich brauche diesen Freiraum in allen Belangen meines Lebens (so gut es eben geht).
Was machst Du eigentlich in Deiner Freizeit, wenn Du welche hast?
Freizeit??? Ich habe eine Frau, zwei Kinder und einen Hund... Wenn ich mir etwas Zeit abknipsen kann, dann male ich sehr gerne aber leider zu wenig. Des Weiteren liebe ich gute Filme und Mixed Martial Arts.
Etwas worauf Du besonders stolz bist bezogen auf Deine Arbeit als Tätowierer?
Stolz bin ich darauf, andere mit meiner Arbeit glücklich zu machen.
Was würdest Du machen in einer Welt ohne Tattoos?
Definitiv TATTOOS
Das TattooSoul-Portal ist nun am Start. Was sind Deine bisherigen Erfahrungen und Eindrücke die Du gewinnen konntest?
Das Portal ist ein tolles Konzept, wenn es auch so verstanden und angenommen wird wie mein Homie Kimo aka. "MC KIMONO" es erstellt hat. Peace out...Kimo ;)
In unserem Videointerview war leider nicht genügend Zeit genauer auf diese Frage einzugehen aber welche Entwicklungen konntest Du in den letzten Jahren in der Szene beobachten bzw. sind Dir aufgefallen?
Um ins Detail zu gehen, gibt es auch hier nicht genügend Platz. Grundsätzlich ist Entwicklung ja etwas Gutes und Notwendiges in allen Belangen, so auch für unsere Szene. Denn Stillstand bedeutet Tod. Und durch das Gesetz der Dualitäten bringt das Positive auch das Negative mit sich. Was für mich total in Ordnung ist. Positiv hervorzuheben wäre vielleicht dass sich das Kategorisieren so langsam löst, Leute es gibt nicht nur Traditional, Realistic, Japanese, Tribal...blazeh blazeh...hört auf euch in vorgegebene Schranken zu setzten. Hauptsache KONTRAST!!
Etwas was Du am Tätowieren nicht magst?
Die Zeit zwischen dem Tätowieren.
Deine nervigste Charaktereigenschaft?
Ich bin unglaublich faul.
Was ist Dir in Deinem Leben besonders wichtig?
Meine Familie!!
Etwas was Du der Welt schon immer mitteilen wolltest?
Misstraut allen Systematisierern
Dein Lieblingszitat?
"I hear voices and they don`t like you." Oder vielleicht: "I take candy from strangers."
Kontaktinformationen:
MAHAKALA Tattoo
Marktstrasse 40
88212 Ravensburg
Germany
Tel.: 0751 3526111
E-mail:
mahakala-tattoo@web.de
Interviewt von: Tattoo Soul