
Das B52 in Berlin ist umgezogen und hat dabei die Rekordumzugsdistanz von
ca. 100 Metern zurückgelegt, es liegt jetzt, nicht mehr so versteckt, an der
Yorckstr. Ecke Bülowstr.
Den Besuch im neuen Studio nutze Lead zu einem schon lange geplanten
Gespräch mit Alex, der zusammen mit Melli, Rolf und Kasper dort arbeitet.
Alex bringt seit dem Sommer '96 Farbe unter die Haut der Menschen. Er malte
und zeichnete schon sehr früh gerne und wollte eigentlich schon immer
Tätowierer werden. Dies alleine ist nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist
aber, dass Alex sich seine erste Tattoomaschine selber baute.
Richtig ins Business gelangte Alex dann bei Tattoos by Kaspar, bei Dirk Reuter von Leib und Seele und Berit vom Tatau Obscure, denen Alex, wie er
sagt, viel verdankt, während er sonst seine Vorbilder nicht in der
Tattooscene sucht.
Klare Tätowierungen, die schnell zu erkennen sind und lange halten, sind das
Ding von Alex, er sagt: "je klarer ein Tattoo ist, desto länger hält es".
Diese Haltung bringt die Gefahr mit sich, dass Alex auch mal einen Kunden
sagen muss: "so, wie du dir das vorstellst, geht das nicht". Dann muss man den
Interessenten auch mal woanders hinschicken, denn der Tätowierer hat immer
die Verantwortung für den Kunden. Insbesondere bei jungen Frauen, meint
Alex, ist es wichtig, ihnen zu erklären, welche Wirkung ein Tattoo haben
kann.
Das alte Thema: es ist heute üblich, dass sich schon 18-Jährige ein großes
buntes Tattoo in den Ausschnitt tätowieren lassen, ohne sich darüber
Gedanken zu machen, wie das 10 Jahre später wirkt.

Auf die Frage, welche Stile er denn bevorzuge, meint Alex, dass ein guter
Tätowierer alle wichtigen Stile beherrschen sollte, aber aktuell fände er
Schriften sehr spannend.
Zur wirtschaftlichen Lage befragt, meint Alex, dass die sich noch nicht
negativ auswirke. Er meint, natürlich ist ein Tattoo ein Luxusgut irgendwo.
Aber in einer Zeit, in der die Menschen immer mehr Angst haben, ist ein
Tattoo auch etwas, was einen nicht mehr weggenommen werden kann. Für ihn als
Tätowierer gilt das, was für viele andere Selbständige wohl auch gilt, man
gewöhnt sich an die Unsicherheiten des Lebens und lernt mit ihnen umzugehen.
Aber Alex, der sich selber eher als Handwerker denn als Künstler sieht,
bringt die Farbe nicht nur unter die Haut, er malt auch auf Leinwand und auf
Skateboards, die man auch im Studio anschauen kann.
Lead bedankte sich auf jeden Fall ganz brav für das Interview, weil er es
immer als angenehm empfindet, mit Menschen zu sprechen, die über ihren Beruf
und ihre Berufung reflektieren.
Interview: Lead
Fotos: Alex
www.tattoo-b52.com